Home | Sitemap | Impressum 
Die DPolG  |  Polizeispiegel  |  Leistungen  |  Presse  |  Aktuelles

 



erschienen am 02.09.2010

 

CDU-Zoff: Wie viel muss Polizei sparen?

 

Die Messer werden gewetzt. Das Mega-Sparprogramm des Senats sorgt bereits im Vorfeld für parteiinternen Zoff in der CDU. Denn auch im sensiblen Bereich der Innenbehörde soll ordentlich der Rotstift angesetzt werden. Zwischen 26 und 30 Millionen Euro müssen dort zusammengestrichen werden. Das sorgte jetzt für einen offenen Schlagabtausch zwischen dem Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Joachim Lenders (CDU) und dem innenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, Kai Voet van Vormizeele.

 

Der nämlich hatte davon gesprochen, es dürfe im Zuge des Sparhammers keine Denkverbote geben. Eine Kampfansage für Lenders.

„Dass sich ausgerechnet der innenpolitische Sprecher meiner Partei zum obersten Sparkommissar aufschwingt und alles kaputt sparen will, ist verantwortungslos.“ Er jedenfalls lehne jegliches Sparprogramm im Bereich innere Sicherheit ab und bekomme Bauchschmerzen, wenn er hörte, dass selbst bei der kriminalpolizeilichen Beratung und den Verkehrslehrern für Kinder gespart werden soll.

 

Vormizeele indes fühlt sich missverstanden. Tatsache sei, dass die Verwaltung inzwischen eine lange Liste mit Sparmaßnahmen vorgelegt habe. Die werde nun diskutiert. Und: „Einige Punkte halten meine Fraktion und ich für bedenklich.“ Mit einen Seitenhieb auf seinen Parteifreund Lenders meint er allerdings: „Dass der gesamte Bereich der Innenbehörde keinen Sparbeitrag leistet, ist, gelinde gesagt, naiv.“

 

Deutlich wird: Die Nerven liegen blank. Der Senat muss jährlich 560 Millionen Euro einsparen. Ende September beginnt die Sparklausur. Dort sollen die Vorschläge diskutiert werden.

 

Für Vormizeele geht es allerdings nicht nur ums Sparen. „Uns stellt sich auch die Frage, wie Einnahmen generiert werden können.“ So vertrete er die Ansicht, dass Veranstalter eine Kostenbeteiligung für die Sicherheitsleistungen bei Großveranstaltungen liefern müssen. Auch ein Personalabbau innerhalb der Verwaltung müsse diskutiert werden. „Wir suchen nach sinnvollen Sparbeiträgen, die die Sicherheit der Bürger im Auge behalten.“

 

erschienen am 02.09.2010

Alle Polizeireviere auf neuestem Stand - aber jetzt muss gespart werden

 

Innensenator Vahldieck beim Richtfest am Wiesendamm - CDU-interne Debatte über Streichlisten bei der Inneren Sicherheit

 

Die Sicherheit und der Service für die Bürger in Winterhude und Alsterdorf wird durch das neue Polizeirevier am Wiesendamm entscheidend verbessert, wie Hamburgs Innensenator Heino Vahldieck (CDU) beim Richtfest für das neue Revier am Mittwoch feststellte. "Das Raumangebot wird künftig eine gemeinsame Unterbringung von Schutz- und Kriminalpolizei in einem Dienstgebäude ermöglichen, bei der keine Raumnot mehr bestehen wird." In gut drei Monaten sollen die 117 Mitarbeiter des Kommissariats in das neue Gebäude einziehen können.

 

"Die Hamburger Polizei wird nach Fertigstellung dieses Gebäudes durchgehend über moderne, funktionale Polizeikommissariate verfügen - so wie es sich für eine Großstadtpolizei gehört", fügte Vahldieck hinzu, da mit dem Wiesendamm auch das Modernisierungsprogramm der Reviere der Hamburger Polizei unter dem Stichwort "Projekt Polizeikommissariate der Zentraldirektion" abgeschlossen sein wird.

 

Doch ungeachtet des Richtfestes für das neue Kommissariat hängt weiter die Befürchtung, dass es zu neuen Sparmaßnahmen bei der Hamburger Polizei kommen werde. Vahldieck selbst hatte erst in dieser Woche Sparmaßnahmen "bei der Polizei auf der Straße" ausgeschlossen. Aber die SPD hatte davor gewarnt, dass es zu Zusammenlegungen weiterer Kommissariate kommen könnte, wie es schon bei früheren Sparrunden geplant war. Der CDU-Innenexperte Kai Voet Van Vormizeele wies diese Befürchtungen zurück (die WELT berichtete). Das ruft die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) auf den Plan. Die Botschaft, dass der Innensenator sich gegen Sparmaßnahmen ausspreche, sei bei seinem Parteikollegen offenbar nicht angekommen, kritisiert Joachim Lenders, Vorsitzender der DPolG. Van Vormizeele habe sich selbst disqualifiziert, meint Lenders mit Blick auf die Aussage des CDU-Innenpolitikers, die SPD habe verpasst, nachzuweisen, dass sie in der Innenpolitik eine ernst zu nehmende Größe sei. Lenders zitiert Van Vormizeele: "Statt in dem notwendigen Sparprozess eigene Akzente zu setzen, listet sie auf, was sie nicht machen möchte." Dazu meint der Gewerkschafter, der ebenfalls der CDU angehört: "Es ist absurd und nicht mehr nachvollziehbar, wenn Herr van Vormizeele glaubt, dass man in der Inneren Sicherheit eigene Sparakzente setzen muss, um eine ernst zu nehmende Größe in der Innenpolitik darzustellen."

 

erschienen am 02.09.2010

Was kommt da bloß auf uns zu?

Schanzenfest Chaoten verbreiten Randale-Aufruf

Chaoten aus ganz Deutschland wollen am Sonnabend beim Schanzenfest Randale anzetteln. Erstmals verteilen sie dafür auf Straßen und in Szene-Kneipen einen selbst entworfenen Stadtplan für Krawallaktionen. Die Polizei ist in larmbereitschaft, hat das ganze Viertel zum Gefahrengebiet erklärt!


 

BILD liegt die DIN-A4-große Krawall-Karte vor. „Bambule-Fans, welcome in Hamburg Schanzenviertel", heißt es darauf. Fein säuberlich sind Banken, Supermärkte und Drogerien aufgeführt. Unter „Sonstiges“ stehen 17 weitere Adressen (u. a. Architekturbüro, Sexversand, Justizgebäude, Hotel).


 

Aufgeführt sind auch Standorte von Überwachungskameras. Das Polizeikommissariat 16 (Lerchenstraße) ist als besonderer Favorit gekennzeichnet. Es war bereits bei vergangenen Schanzenfesten angegriffen worden.

 

Joachim Lenders (48), Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG): „Wir rechnen mit den ritualisierten Gewaltexzessen von Linksautonomen, aber auch anreisenden Krawalltouristen.“


 

Die Polizei zieht 3000 Beamte aus ganz Deutschland zusammen. Von Sonnabend (18 Uhr) bis Sonntag (8 Uhr) gilt das Schanzenviertel als Gefahrengebiet. Dadurch sind jederzeit Personenkontrollen erlaubt. 20 polizeibekannte Chaoten erhielten bereits Aufenthaltsverbote, bei 42 Krawallmachern machten die Beamten Hausbesuche („Gefährderansprache“).


 

Acht Szene-Kneipen am Schulterblatt schließen am Sonnabend. In ihrer Stellungnahme heißt es: „Wir möchten mit unserer Aktion insbesondere allen Gaffern des Krawallspektakels die Plattform entziehen.“ Einen vorgeschriebenen offiziellen Veranstalter für das Schanzenfest wird es auch in diesem Jahr nicht geben. Klausmartin Kretschmer (52), Eigentümer des Autonomen-Zentrums „Rote Flora“, hatte Bereitschaft signalisiert. Er erklärte jetzt seinen Rückzug. Kein Versicherer war zum Abschluss einer Veranstalter-Haftpflicht-Police bereit.

 

 

erschienen am 28.08.2010

 

Gruppe von 20 Menschen greift Polizeibeamte an

 

Fingierter Notruf Streifenwagen-Besatzung kann gerade noch Verstärkung rufen

 

Für Polizeioberkommissarin C. (36) und ihren Kollegen Polizeikommissar Z. (32) sah es zunächst nach einem Routineeinsatz aus, als sie Donnerstagabend zum Übergangswohnheim am Curslacker Neuer Deich 78-80 gerufen wurden. Doch was die beiden Beamten dort erlebten, wird sie im Rückblick wohl noch einige Tage beschäftigen: Massiv wurden die Polizisten dort bedrängt.

 

In der Anlage, die von der sozialen Dienstleistungsgesellschaft „fördern und wohnen“ betreut wird, hatte an jenem Abend einer der 480 Bewohner – Menschen, die aus verschiedenen Gründen wohnungslos sind – ohne Anlass einen Notrufmelder betätigt. Eine Straftat. Um 19.30 Uhr hält der Streifenwagen vor dem Gebäude. Die Beamten nehmen Personalien auf, kehren zum Streifenwagen zurück. Dort stellen sie geschockt fest, dass der vordere rechte Reifen zerstochen ist. Doch damit nicht genug: Plötzlich umringt eine Gruppe von etwa 20 Menschen die beiden Beamten, bepöbelt und bedrängt sie. Ein junger Mann wird handgreiflich, weil er sich ausweisen soll. Als die Beamten ihn vorläufig festnehmen, eskaliert die Situation. Eine junge Frau versucht, den Mann zu befreien, die Polizisten zur Seite zu drängen.

Die Ordnungshüter schaffen es, Verstärkung zu rufen: Fünf Streifenwagen sind binnen Minuten am Einsatzort. Der Mann und die Frau, die beide aus Billstedt stammen, werden mit auf die Wache genommen.

 

Schlimmeres konnte verhindert werden – doch nicht nur die Polizisten sind geschockt. „Wir müssen die Situation analysieren. Diese Attacke hat auch uns erschreckt“, sagt Christiane Schröder (46) von „fördern und wohnen“. Kommende Woche soll es nun Gespräche mit der Polizei geben.

 

„Einen solchen Angriff auf Polizeibeamte, von so vielen Personen, habe ich während meiner Dienstzeit in Bergedorf noch nicht erlebt“, sagt Polizeidirektor Bernd Krösser (46). Offensichtlich wachse der Kreis der Menschen, die keinen Respekt vor der Arbeit der Polizei haben.

 

Für Freddi Lohse, stellvertretender Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft, ist Gewalt gegen Polizisten schon lange trauriger Alltag. „Der Werteverfall in der Gesellschaft, wegbrechende Hemmschwellen, Gewalt leider auch gegen Polizisten: Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, sagt der 50-Jährige.

 

Längst nicht die einzige Belastung für Polizisten: Hinzu kämen Personalmangel und ständige Einsparungen. Gerade in Bergdorf sei die Situation höchst problematisch. „Manchmal finden die Beamten im Polizeikommissariat 43 zum Schichtwechsel 40 Einsatzbefehle vor, die sie abzuarbeiten haben. Präventive Streifenfahrten, um Präsenz zu zeigen, finden kaum noch statt“, sagt Lohse.

 

Dadurch werde auch das Problem der Gewalt gegen Polizisten geschürt: „Wenn im Stadtbild kaum noch Polizisten wahrgenommen werden, muss man sich nicht wundern dass dann einige schräge Gestalten Morgenluft wittern“, sagt er. Und jetzt sollen in Hamburg im Rahmen der Haushaltskonsolidierung weitere 22,5 Millionen Euro bei der Polizeiarbeit eingespart werden. „Das wären dann 400 Polizeibeamte weniger in Hamburg. Das ist Irrsinn“, sagt Freddi Lohse. Schon jetzt schieben die Ordnungshüter einen riesigen Überstundenberg vor sich her. Für ihren Einsatz werden sie bisweilen sogar auf der Straße bespuckt.

 

 

erscheinen am 13.08.2010


Polizei-Chef Werner Jantosch schlägt zurück

In einem Brandbrief kritisierten Top-Beamte seine Führung. Polizei-Chef Werner Jantosch (59) reagiert jetzt mit einer internen Rundmail. Die Botschaft: Wer meckert, ist ein Nestbeschmutzer.

 

Funkstille im Polizeipräsidium. Kein Wort an die Öffentlichkeit von Polizeipräsident Werner Jantosch zu den schweren Vorwürfen einer Gruppe seiner eigenen Führungsbeamten, er würde einen diktatorischen Führungsstil pflegen. Doch intern schickte der umstrittene Polizeichef eine Rundmail an alle Polizisten, griff darin die Kritiker massiv an und warf ihnen vor, „der Polizei enorm zu schaden“.

Werner Jantosch schrieb: „Ich bedaure es sehr, dass ein solches diffamierendes Bild der Polizei Hamburg in die Öffentlichkeit getragen wurde. Wer so vorgeht, schadet dem Ansehen der Polizei enorm.“

Die Kritiker aus den eigenen Reihen hatten Jantosch vorgeworfen sich nur mit Ja-Sagern zu umgeben und Widerworte gegen seine Auffassungen teilweise mit Strafversetzungen zu ahnden. In dieses streng hierarchische System von Befehl und Gehorsam sind auch seine engsten Führungsmitarbeiter, die leitenden Polizeidirektoren Kuno Lehmann und Peter Born, eingebunden.

Jantosch an die Adresse der Kritiker: „Wer aus Angst vor persönlichen Nachteilen Kritik nicht offen – stattdessen anonym – äußert und sich nicht an den richtigen Adressaten – stattdessen an die Medien – wendet, handelt nicht verantwortungsvoll und kann nicht von tatsächlicher Besorgnis motiviert sein. Dann würde das offene Gespräch, der Dialog, gesucht werden.“

Doch so manchem Führungsbeamten, der das „offene Gespräch“ mit Jantosch suchte, ist das nicht gut bekommen. Interne Gesprächsrunden, der so genannte Führungsdialog, werden von Kritikern auch Führungsmonolog oder „Jantoschs Märchenstunde“ genannt. Ein Leiter eines Polizeikommissariats, der Widerworte gab, fand sich später im Führungs- und Lagedienst wieder. Das ist ein Job, den junge Polizeiräte meist als erste Verwendung nach der Ausbildung bekommen. Also eine klare Herabstufung.

In einem weiteren Fall hatte sich ein Polizeiführer mutig vor seine Untergebenen gestellt. Als er sich nicht entschuldigen wollte, fand er sich auf einem extrem unbeliebten Dienstposten wieder.

Doch wer es sich richtig mit der Polizeiführung verscherzt, muss sogar damit rechnen, unsanfte Begegnung mit dem Mobilen Einsatzkommando (MEK) zu machen. So bestellte Polizeidirektor Kuno Lehmann den Streifenpolizisten Kamiar M. unter einem Vorwand in sein Büro. Dort wartete das MEK und brachte den unbewaffneten Beamten mit gezogenen Revolvern zu Boden. Dem Schutzmann war ein Sexualdelikt vorgeworfen worden. Er wurde vor Gericht freigesprochen.

Auf eine Entschuldigung wartet der Polizist bis heute. Werner Jantosch hat in einem Interview einmal gesagt, dass er gern aus Fehlern lernt. Viele seiner Untergebenen können das eher nicht bestätigen.

Reaktionen

 

Riesenwirbel nach dem MOPO-Bericht über die Kritik von Polizeiführern an Polizeipräsident Werner Jantosch. Hier die wichtigsten Stimmen aus Politik und Polizeigewerkschaften:

 

SPD-Innenexperte Andreas Dressel: „Auch uns erreichen viele kritische Stimmen aus der Polizei. Die Führungsrunden gleichen Befehlsausgaben. Eine moderne Großstadtpolizei wie die Hamburger kann man nicht mit Methoden aus den späten 50er Jahren des letzten Jahrhunderts führen.“

 

Christiane Schneider, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion: „Man kann den Schritt führender Polizeibeamten gar nicht hoch genug bewerten. Sie legen den Finger in die Wunde. Es gibt innerhalb der Polizei ein Demokratiedefizit, das sich seit Schill gefährlich zugespitzt hat. Ich hoffe, dass der Brief eine öffentliche Diskussion in Gang setzt.“

 

Antje Möller, Vizefraktionschefin der GAL und Innenexpertin: „Hierarchische Strukturen und interne Abschottung sind immer wieder im Fokus grüner Kritik gewesen. Anonyme Vorwürfe tragen nicht zur Verbesserung der Situation bei und sind deshalb nur schwer zu kommentieren.“

 

Uwe Koßel von der Gewerkschaft der Polizei (GdP): „ Die massiven Vorwürfe gegen den Polizeipräsidenten bedürfen dringend der lückenlosen Aufklärung. Das werwarten wir vom Innensenator.“

 

Joachim Lenders von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG): „ Wir teilen einige der Kritikpunkte. Aber ich gehe davon aus, dass die Verfasser aus Verärgerung darüber gehandelt haben, bei Beförderungen übergangen worden zu sein.“

 

Innenbehörden-Sprecher Ralf Kunz: „Wer konstruktive Kritik übt, findet bei der Hamburger Polizei immer ein offenes Ohr. Wem etwas nicht passt, der muss sich aber auch offen und ehrlich äußern.

 

erschienen am 13.08.2010

Scharfe interne Kritik an Polizeipräsident Jantosch

Anonymer Brief von Beamten sorgt für Unruhe in den Behörden - Deutsche Polizeigewerkschaft wittert Kampagne gegen Ahlhaus

 

Eine harsche, anonym gehaltene Kritik an Hamburgs Polizeiführung sorgt in den Sicherheitsbehörden für große Unruhe. In einem Brief werfen ungenannte Polizeiführer dem Polizeipräsidenten Werner Jantosch "diktatorischen Führungsstil" und "Selbstherrlichkeit" vor. Leitende Polizeiführer wie Peter Born werden als Fehlbesetzungen eingestuft. Die Reaktion ist gespalten und folgt den Parteilinien.

 

"Dass die Stimmung innerhalb der Polizei Hamburg angespannt ist, ist seit Längerem bekannt. Die Gewerkschaft der Polizei Hamburg (GdP) hat in den vergangenen Jahren mehrfach darauf hingewiesen", heißt es seitens der GdP. Die massiven Vorwürfe gegen den Polizeipräsidenten bedürften dringend der Aufklärung. "Dies ist man allen Kollegen der Hamburger Polizei schuldig", so deren Landesvorsitzender Uwe Koßel. Die der Gewerkschaft nahestehende SPD schlägt in dieselbe Kerbe: "Wir erwarten vom Innensenator eine umgehende und lückenlose Aufklärung. Anstatt seine ganze Energie auf seine Bürgermeisterkandidatur zu verwenden, ist Herr Ahlhaus gefragt, jetzt an der richtigen Stelle anzupacken", so der Innenexperte Andreas Dressel. Auch die SPD würden viele kritische Stimmen aus der Polizei erreichen. Dressel: "Die Führungsrunden gleichen demnach Befehlsausgaben, anstelle von Kooperation gebe es lediglich Ansagen aus dem Küchenkabinett des Polizeipräsidenten." Der Innensenator bürde den Beamten auf der Straße durch Einsparungen und Personalwegfall immer größere Belastungen auf, so der SPD-Politiker. Gleichzeitig würden Polizeiführung und Behördenleitung in Projekte investieren, die nicht der Einsatzkraft der Polizei dienen, sondern lediglich dem Prestige der Hauptakteure in Innenbehörde und Polizeipräsidium. Gemeint sind damit die Reiterstaffel, deren Kosten verschleiert werden würden, und ein lange geplantes Polizeimuseum, in dem die Exponate der ehemals rein internen Sammlung öffentlich gezeigt werden sollen.

 

Ganz anders ist die Sichtweise der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). "Diese anonyme Kritik ist unter aller Kanone", sagt deren Landesvorsitzender Joachim Lenders - ein CDU-Mitglied. "Als ob wir angesichts der anstehenden Sparmaßnahmen von über 20 Millionen Euro nichts Besseres zu tun hätten. Da gibt es Dinge, die mir weitaus größere Sorgen bereiten." Kritik an den Führungsqualitäten von Polizeiführer Born im Zusammenhang mit dem Einsatz am 1. Mai 2008 hält Lenders für haltlos. "Es war ein schwieriger Einsatz, bei dem der Polizeiführer Born die Stadt vor Schlimmeren bewahrt hat. Da gab es andere Einsätze, bei denen eher Kritik gerechtfertigt gewesen wäre." Lenders schließt nicht aus, dass der Brandbrief eher Innensenator Christoph Ahlhaus vor seiner Wahl zum Bürgermeister schaden soll.

 

Ahlhaus selbst will sich nicht äußern. "Senator Ahlhaus gehört seit Jahren zur Führung der Innenbehörde. Er darf sich nicht wegducken. Er muss klar sagen, ob er über die Kritik an der Führungskultur innerhalb der Polizei informiert war und was er gegebenenfalls getan hat", fordert Dressel. Zumindest einer der Sprecher des Innensenators, Ralf Kunz, findet Worte. "Wer konstruktiv Kritik übt, findet bei der Hamburger Polizei immer ein offenes Ohr. Wem etwas nicht passt, der muss sich aber auch offen und ehrlich äußern. Das ist für eine zivilisierte Auseinandersetzung selbstverständlich", sagt Kunz. "Wer sich in die Anonymität flüchtet und seine offenbar rein parteipolitische Klageschrift verbreitet, kann nicht erwarten, dass sich Polizei und Innenbehörde mit ihm auseinandersetzen."

 

Auch die Polizeiführung will nicht direkt auf die Vorwürfe eingehen. "Generell haben die Mitarbeiter innerhalb der Polizei die Möglichkeit, sich frei zu äußern", sagt Polizeisprecher Mirko Streiber. "Dazu gibt es innerhalb der Polizei oder über Interessenverbände wie Gewerkschaften verschiedene Möglichkeiten. Die jetzt gewählte Form lässt keinen Dialog zu."

 

 
erschienen am 13.08.2010



Kollegen stellen Polizei-Chef an den Pranger

 

Alsterdorf – Dicke Luft im Polizeipräsidium. Angeblich ranghohe Beamten schickten einen Brandbrief an die „Mopo“, übten scharfe Kritik am Polizeipräsidenten. Werner Jantosch (59) führe wie ein Diktator.

 

Probleme und Missstände in der Polizei würden totgeschwiegen. So sei u. a. nach den schweren Krawallen zum 1. Mai 2008 keine Aufarbeitung der Fehler und Pannen im Einsatz erfolgt. Wer trotzdem Kritik äußere, müsse Versetzung fürchten. Auch würden Gerichte immer wieder größere Projekte wie Bereiche der Videoüberwachung oder das automatische Kennzeichenlesegerät stoppen, da sie verfassungswidrig seien.

 

Kritik auch an der geplanten Reiterstaffel. Die Kosten würden „schöngerechnet.“ Statt 200 000 Euro würde sie mit Personal rund eine halbe Million mehr verschlingen.

 

Was ist dran an den Vorwürfen?

 

Polizeipräsident Werner Jantosch lehnt jede Stellungnahme ab.

 

Ralf Kunz, Sprecher der Innenbehörde: „Wer sich in die Anonymität flüchtet und über die Medien seien offenbar rein parteipolitische Klageschrift verbreitet, kann nicht erwarten, dass sich Polizei und Innenbehörde mit ihm auseinandersetzen.“ Uwe Koßel, Gewerkschaft der Polizei (GdP): „Dass die Stimmung innerhalb der Polizei angespannt ist, ist seit Längerem bekannt.“ Joachim Lenders, Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG), sieht ganz andere Probleme. Es drohen Einsparungen von bis zu 22 Millionen Euro. Folgen Können Schließungen von Wachen, Streichungen bei Stadtteilpolzisten und Verkehrslehrern sein. „Im Brandbrief steht davon kein Wort. Es geht hier offenbar nur um einen Machtkampf in der Polizeiführung“, sagt Lenders.

 

 

erschienen am 02.08.2010

 

 

 

Weil am ersten September-Wochenende Schanzenfest und Alstervergnügen parallel stattfinden, befürchtet die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) eine Überlastung der Beamten. "Es wird zu einem polizeilichen Notstand kommen", warnt Freddi Lohse, stellvertretender Landesvorsitzender der DPolG. Nach seiner Einschätzung müssten mehrere Tausend Polizisten eingesetzt werden. Allein 1000 aus anderen Bundesländern seien nötig, um die Lage kontrollieren zu können. "Bei der gegenwärtigen Lage ist aber davon auszugehen, dass Personal fehlen wird", sagt Lohse. Er fordert daher den Bezirk Altona und die Innenbehörde auf, das Schanzenfest am 4. September nicht stattfinden zu lassen.

 

"Für eine abschließende Lagebewertung des ersten September-Wochenendes ist es noch sehr früh. Wie einsatzintensiv Alstervergnügen und Schanzenfest sein werden, lässt sich überhaupt noch nicht prognostizieren", sagt Frank Reschreiter, Sprecher der Innenbehörde. Die Polizei sei aber in der Lage, auch mehrere Großereignisse an einem Tag zu bewältigen. "Bei der Kräfteplanung für den 4. September werden selbstverständlich alle Veranstaltungen und polizeilichen Einsatzlagen zu gegebener Zeit berücksichtigt."

Sollte es für das Schanzenfest keinen Anmelder geben, hat Altonas Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose angekündigt, das Fest mithilfe des Bezirklichen Ordnungsdienstes zu verhindern. Alle Bezirke haben bereits ihre Unterstützung zugesagt.

 

 

  

 

 

erschienen am 02.08.2010

 

Im September droht schon wieder Randale

 

Sternschanze – Der nächte Krawall rund um die „Rote Flora“ droht schon am 4. September. Für diesen Tag haben linke Chaoten das nächste „Schanzenviertelfest“ anberaumt. Ein Tag, dem die Deutsche Polizeigewerkschaft DPolG mit Schrecken entgegensieht, zumal zeitgleich das „Alstervergnügen“ stattfindet. Mindestens tausend auswärtige Polizisten müssen zur Verstärkung geholt werden. Vize-Landeschef Freddi Lohse: „Zwei zeitgleich stattfindende Großveranstaltungen sind nicht leistbar. Dieses Wochenende wird die Bewährungsprobe für den neuen Innensenator.“

erschienen am 02.08.2010

Im September droht Hamburg ein Wochenende der Gewalt

 

Schanzenfest für den 4. September geplant - Polizei warnt vor Komplikationen durch zeitgleiches Alstervergnügen

 

Es droht für die Polizei das heißeste Wochenende des Jahres zu werden: Wenn am 4. September gleichzeitig das Schanzenfest und das Alstervergnügen stattfinden sollen, werden weit mehr Polizeibeamte benötigt, als Hamburg bereitstellen kann. Davon ist die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) überzeugt.

 

Dabei zeigt sich wenige Wochen vor dem Schanzenfest, dass Senat und Bezirk offenbar bisher nicht in der Lage sind, eine gemeinsame Linie im Umgang mit dem Fest zu finden. Bisher hatte der Bezirk das Fest, bei dem es tagsüber einen Flohmarkt und Musikkonzerte gibt, stets geduldet - obwohl es niemals offiziell angemeldet wurde. Weil es regelmäßig am Abend nach dem Fest zu gewalttätigen Ausschreitungen kam, will Altonas Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose (parteilos) das Fest in diesem Jahr von Beginn an unterbinden. In den vergangenen Jahren fand sich kein offizieller Anmelder für das Fest mehr. Ob ein Verbot des inoffiziellen Festes zu einer Beruhigung oder gerade erst zur Eskalation führen wird, mögen die Sicherheitsbehörden noch nicht abschätzen. Noch-Innensenator und Bürgermeisterkandidat Christoph Ahlhaus (CDU) hat sich bisher nicht festgelegt.

 

Für den kommenden Innensenator werde der 4. September die erste Bewährungsprobe, sagt Freddi Lohse, DPolG-Vizelandeschef. Der Polizeiführung ist die Brisanz der Lage klar. Vor wenigen Tagen wurden sämtliche Dienststellen informiert und aufgefordert, sich darauf einzustellen. Das heißt, dass am ersten Septemberwochenende alle verfügbaren Kräfte im Einsatz sein sollen. "Wir müssen davon ausgehen, dass zur Bewältigung beider Veranstaltungen Tausende Polizisten eingesetzt werden müssen", sagt Lohse. Allein aus anderen Bundesländern, so seine Einschätzung, müssten 1200 zusätzliche Beamte, mindestens neun Hundertschaften, angefordert werden. "Das ist wirklich nötig", sagt Lohse. "Wir müssen angesichts des Alstervergnügens davon ausgehen, dass nach dessen Ende es von dort auch Zulauf Richtung Schanze geben wird." Damit drohe nach seiner Einschätzung eine völlig "neue Dimension" der Krawalle. "Bei den gegenwärtigen Planungen ist davon auszugehen, dass Personal an allen Ecken und Enden fehlen wird", sagt Lohse. Sorge bereitet vor allem das Schanzenfest, das in diesem Jahr nicht in der bisherigen Form genehmigt werden soll. Wird es dennoch geduldet, müssen zwei Großveranstaltungen polizeilich begleitet werden.

 

Wird das Schanzenfest verboten, ist nach Ansicht der Polizei nicht nur mit Krawall im Viertel, sondern auch im Umfeld zu rechnen. Krawall werde es, wie schon bei vorangegangenen Schanzenfesten, auch geben, wenn es dieses Jahr erneut geduldet werden sollte. Dann könnten Randalierer sogar versuchen, die Gäste des Alstervergnügens als "Schutzschild" zu missbrauchen. "Wir werden so oder so wohl wieder eine heiße Nacht dort erleben", sagt ein Polizist. Die Polizei müsse angesichts der Situation auf das Konzept "Deeskalation durch Stärke" setzen. "Das funktioniert aber nur, wenn genug Polizei auf der Straße ist", sagt Lohse. Innerhalb der schwarz-grünen Koalition ist diese Demonstration der Stärke allerdings nicht unumstritten, gerade die GAL drängt auf moderaten Umgang mit der Polizeipräsenz. Das eigentliche Schanzenfest verlief in den Vorjahren tagsüber als friedliche Veranstaltung ab, die Krawalle begannen erst im Anschluss daran in der Nacht.

 

Die Innenbehörde blickt der Lage gelassener entgegen: "Für eine abschließende Lagebewertung des Septemberwochenendes ist es noch sehr früh. Wie einsatzintensiv Alstervergnügen und Schanzenfest sein werden, lässt sich überhaupt noch nicht prognostizieren", sagt Thomas Butter, Sprecher der Innenbehörde. "Die Polizei ist natürlich in der Lage, auch mehrere Großereignisse an einem Tag zu bewältigen."

erschienen am 01.08.2010

"Gefährlich wie eine Bombe mit brennender Lunte"

 

Polizeigewerkschafter fordert, Anwohner vor Unterbringung von gefährlichen Ex-Häftlingen zu informieren

 

Die Hamburger Justizbehörde soll umgehend ein Konzept für den Umgang mit Straftätern erarbeiten, die aus der Sicherungsverwahrung entlassen wurden. Das fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft. Fälle wie den des 53-jährigen Sexualstraftäters Hans-Peter W., der vor wenigen Tagen von Bad Pyrmont nach Hamburg umgezogen ist, werde es künftig häufiger geben, sagt Freddi Lohse, Landeschef der Gewerkschaft. "Wir werden damit leben und uns darauf einstellen müssen." Diese "Ohnmacht" müsse der Rechtsstaat hinnehmen.

 

Jetzt gehe es darum, die Bürger wirksam zu schützen, so Lohse. Die zu entlassenden Straftäter seien gefährlich wie eine Bombe, bei der man die Lunte schon angezündet habe. "Gut wäre es, die Bürger vor der Gefahr in ihrer Umgebung zu warnen", sagt Lohse. Doch im Gegensatz zu den USA werde das in Deutschland nicht passieren. "Die Menschen werden ahnungslos sein."

 

Das ist offenbar durchaus beabsichtigt. Das Landeskriminalamt (LKA) hat die Beamten, die den in Hamburg wohnenden Vergewaltiger Hans-Peter W. begleiten, angewiesen, noch diskreter zu agieren als bisher. Niemand soll merken, wer da bei ihm in der Nachbarschaft eingezogen ist. Denn sonst wird es wütende Proteste geben - wie jetzt in Harburg: Dort hatten sich Anwohner sofort versammelt, nachdem sie erfahren hatten, dass Hans-Peter W. in einer Wohnung in der Nachbarschaft einquartiert wurde. Mittlerweile soll er in Niendorf untergebracht worden sein.

 

"Diese plötzlich und ohne Vorbereitung aus der Sicherungsverwahrung entlassenen Menschen sind nicht allein lebensfähig", sagt der Polizeigewerkschafter. "Sie wurden in keiner Weise auf den Alltag und seinen Anforderungen vorbereitet. Sie werden weiterhin isoliert sein und, wenn überhaupt, wenige soziale Kontakte haben."

 

Leichtere Fälle könne man nach Ansicht von Lohse mit elektronischen Fußfesseln überwachen: "Es gibt auch Betrüger unter den Sicherungsverwahrten. Die kommen dafür in Frage." Die Überwachung müsste aber in Echtzeit erfolgen. "Wie bei einer Videoüberwachung müsste jemand am Bildschirm den Aufenthaltsort der Person überwachen", sagt Lohse. Schon das binde viel Personal. Man müsse überlegen, eine solche Überwachung bundesweit zu zentralisieren.

 

Für die Täter, von denen eine Gefahr für Leib und Leben ausgeht, reiche eine Fußfessel aber nicht. "Wir wüssten nur, dass er da war, wenn etwas passiert ist", so Lohse. "Da hat man bereits Opfer."

 

Lohse plädiert für die Schaffung von freiwilligen Unterbringungsmöglichkeiten. "Wir müssen dafür schnell die rechtlichen und baulichen Voraussetzungen schaffen." Dabei würden die Betroffenen eine Verpflichtung abgeben, die bis zum Widerruf den Aufenthalt in einer solchen geschlossenen Einrichtung zulässt. "Solche Verpflichtungen könnten regelmäßig von Richtern überprüft werden", sagt Lohse. Er glaubt, dass dieses Angebot angenommen würde.

 

Die Überwachung des 53-jährigen Vergewaltigers, für die 24 Beamte nötig sind, sei bislang ein Kinderspiel. Aus Polizeikreisen verlautete, dass Hans-Peter W. völlig unsicher sei und sich nicht viel bewege. Bislang beschränke er sich auf das Nötigste. "Diese Menschen werden ja nicht von uns betreut. Sie müssen sämtliche Dinge des Alltags selbst erledigen, müssen einkaufen, zum Friseur, zum Arzt", sagt Lohse. "Irgendwann werden sie sicherer und mobiler sein. Dann wird der jetzige Personalansatz nicht ausreichen, um jederzeit eingreifen zu können, wenn etwas passiert."

erschienen am 29.07.2010

Dutzende entlassene Schwerverbrecher könnten nach Hamburg kommen

 

Aus Bad Pyrmont zugezogener Vergewaltiger schreckt Politik auf - Anonymität der Großstadt gesucht - Mehr als 80 Kriminelle kommen nach Urteil des Menschenrechtsgerichtshofs frei

 

Der Fall eines 53-jährigen Sexualstraftäters, der aus der Sicherungsverwahrung entlassen werden musste und sich nun in Hamburg aufhält, schreckt die Behörden auf, weil es Dutzende weiterer solcher Entlassungen geben könnte. Allein in Hamburg sollen in den nächsten Jahren 17 schwere Straftäter aus der Sicherungsverwahrung entlassen werden, über 80 Personen sind es bundesweit, wie die Senatsantwort auf eine Anfrage der SPD zeigt.

 

Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der die nachträglich verhängte Sicherungsverwahrung untersagt hatte, da diese gegen die Menschenrechte verstoße.

 

Der 53-jährige Sexualstraftäter war wegen mehrfacher Vergewaltigung und Körperverletzung verurteilt worden und saß nach einer achtjährigen Haftstrafe ganze 22 Jahre in Baden-Württemberg in Sicherungsverwahrung. Vor zwei Wochen kam er frei. Zunächst ging er auf eigenen Wunsch in eine betreute Einrichtung in Bad Pyrmont. Doch dort war er unter ständiger Beobachtung von Medien und Anwohnern. Der 53-Jährige entschied sich daher, nach Hamburg zu gehen, weil er hoffte, in einer Großstadt unerkannt zu bleiben.

 

Die Polizei muss jetzt einen kompletten Zug der Bereitschaftspolizei abstellen, um den Mann zu bewachen. Jeweils vier Beamte überwachen ihn innerhalb von vier Schichten. "Er macht keine Schwierigkeiten. Die Überwachung ist aber personalintensiv", sagt ein Beamter. Tatsächlich zeigte sich der Sexualstraftäter froh über die Beamten: Am Dienstag waren ihm von Mitbewohnern in einem Männerwohnheim Schläge angedroht worden, so suchte er eine neue Bleibe. Er hält sich jetzt in Harburg auf.

 

Die Opposition meldete "große Besorgnis" darüber an, dass der Mann frei unterwegs sei, so SPD-Innenexperte Andreas Dressel. Die Behörden hätten offenbar nicht damit gerechnet, dass ein entlassener Täter die Anonymität einer Millionenmetropole suche. "Auf Bundes- und Landesebene müssen alle Voraussetzungen geschaffen werden, damit eine flächendeckende Überwachung mit elektronischer Fußfessel mittels GPS-Signal möglich wird", sagte Dressel. Damit könnten Aufenthalts- und Kontaktverbote, Melde- und Bewegungsauflagen überwacht werden.

 

Dramatisch wird es für die Polizei, wenn 17 weitere Täter allein in Hamburg auf freien Fuß gesetzt werden. Nach internen Schätzungen wären mindestens 300 Beamte nur für die Überwachung nötig. "Man wäre gut beraten eine Einstellungsoffensive zu starten, um die 17 entlassenen Täter zu überwachen", sagt Freddi Lohse von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). In der elektronischen Fußfessel sieht Lohse keine Lösung. "Damit kann man keine Tat verhindern, sondern nur feststellen, dass der Träger am Tatort war."

 

CDU-Justizexpertin Viviane Spethmann räumte ein, dass es kein Einzelfall bleiben werde, dass ein ehemaliger Sicherungsverwahrter die Anonymität der Großstadt suche. Es dürfe jetzt aber keinen Tourismus von Sicherungsverwahrten geben. Sie fordert zu prüfen, ob in den Bundesländern Auflagen geschaffen werden können, dass die Entlassenen ihren Wohnort in dem jeweiligen Land suchen müssten.

 

 

erschienen am 29.07.2010

24 Beamte folgen jedem Schritt des Sexual-Täters

Überwachung rund um die Uhr könnte Millionen kosten. Krisengipfel bei Justizministerin

Hamburg. 50.000 Euro pro Woche oder 2,6 Millionen pro Jahr kostet die Observation, 24 Polizisten sind im Sondereinsatz: Der Aufwand für die Überwachung des Sexual-Straftäters Hans-Peter W., 53, der nach seiner Entlassung aus der Sicherheitsverwahrung nach Hamburg gezogen ist, empört Polizisten und Politiker.

Freddi Lohse, Vizelandesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, fordert angesichts der 17 weiteren in Hamburg noch anstehenden Entlassungen von Schwerverbrechern deutlich mehr Personal. "Wir brauchen allein 400 zusätzliche Beamte, um die Gesellschaft vor Kindermördern und Vergewaltigern zu schützen, die dann wieder auf freiem Fuß sind."

 

Hans-Peter W. war vor zwei Wochen aus der Justizvollzugsanstalt Freiburg entlassen worden, nachdem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Verlängerung der Sicherungsverwahrung grundsätzlich beanstandet hatte. W. zog zunächst ins idyllische Bad Pyrmont - überwacht von 40 Beamten. Doch Anwohner protestierten, und schon vier Tage später flüchtete Hans-Peter W. nach Hamburg.

Seitdem folgen Polizisten dem Schwerverbrecher auf Schritt und Tritt. Denn Hans-Peter W. gilt laut LKA Niedersachsen auch heute noch als Rückfalltäter. Er sei eine "anhaltende Gefahr für die Allgemeinheit", urteilte das Landgericht Heilbronn 1981.

Im April 1980 hatte der Binnenschiffer innerhalb einer Dreiviertelstunde eine 42-Jährige sexuell misshandelt und eine 30-Jährige vor den Augen ihres eineinhalbjährigen Sohnes vergewaltigt. Hans-Peter W., befand das Gericht damals, leide unter einer "schweren seelischen Abartigkeit". Zehnmal wurde die Sicherungsverwahrung verlängert.

 

70 Schwerverbrecher wie Hans-Peter W. warten in deutschen Gefängnissen auf ihre baldige Entlassung - darunter Vergewaltiger, Kinderschänder und Mörder. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat nun reagiert und einen Krisengipfel einberufen. Anfang August will sie mit den Landesjustizministern erörtern, "ob die landesrechtlichen Möglichkeiten zur Unterbringung psychisch kranker Straftäter in psychiatrische Anstalten erweitert werden können". Zugleich will die Ministerin für eine einheitliche Rechtsprechung in Sachen Sicherungsverwahrung sorgen. Bislang haben die deutschen Oberlandesgerichte in der Frage, ob die Straftäter aus der Sicherungsverwahrung entlassen werden, höchst unterschiedlich entschieden.

 

Künftig werden alle strittigen Fälle dem Bundesgerichtshof vorgelegt - er soll verbindliche Entscheidungen treffen. "Diese Regelung tritt schon morgen in Kraft", sagte Leutheusser-Schnarrenberger dem Abendblatt. Zudem sollten elektronische Fußfesseln für notorische Rückfalltäter zugelassen werden.

 

Viviane Spethmann, rechtspolitische Sprecherin der Hamburger CDU-Bürgerschaftsfraktion, forderte, dass Sicherungsverwahrte ihren Wohnort nur in dem Bundesland wählen dürfen, in dem sie eingesessen haben. Andernfalls müsse es eine finanzielle Entschädigung für das Bundesland geben, in dem der künftige Wohnort des verurteilten Schwerverbrechers liege.

 

 

erschienen am 29.07.2010

 

Gewalt gegen Beamte immer schlimmer

300 Polizisten in nur 3 Monaten angegriffen!

Hamburgs Polizisten leben gefährlich: Nach BILD-Informationen wurden allein von Januar bis Ende März dieses Jahres weit mehr als 300 Bamte gewalttätig angegriffen, mehr als 70 verletzt, einige schwer.

Rahlstedt, St. Pauli und St. Georg sind für Polizisten besonders heiße Pflaster. In diesen Stadtteilen sehen sich die Polizisten mit der schlimmsten
Gewalt konfrontiert. Polizeibeamte wurden rund ein Dutzend Mal mit Messern, abgeschlagenen Glasflaschen und Baseballkeulen angegriffen. Mehr als
100 Mal leisteten Verdächtige bei Kontrollen oder Festnahmen Widerstand.

Gegen rund 250 Personen, die Polizisten attackiert hatten, wurden Strafanzeigen erstattet. Die meisten Täter waren Erwachsene, 80 Prozent waren
betrunken oder prügelten unter Einfluss von Drogen. Auf Anordnung von Innensenator Christoph Ahlhaus hat die Polizeiführung die Angriffe auf
Polizeibeamte in diesem Jahr erstmals statistisch erfassen lassen. Allerdings sind in der Datensammlung Beleidigungen, denen die Beamten tagtäglich ausgesetzt sind, nicht erfasst.

Die ersten konkreten Zahlen, die nach BILD-Informationen jetzt vorliegen, belegen, dass der Respekt vor der Polizei dramatisch abnimmt. Für das zweite Quartal
mit den Mai-Krawallen im Schanzenviertel und dem brutalen Überfall auf Polizeibeamte in Neuwiedenthal dürfte die Bilanz noch schlimmer ausfallen.

Freddi Lohse, Vizelandeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert härtere Strafen für Angriffe auf Polizisten. Die Gerichte sollten die Täter zeitnah verurteilen.  Den Polizisten müsse wieder gezeigt werden, das sie bei ihrem Kampf für Recht und Ordnung nicht allein seien.

Lohse: "In einigen Stadtteilen fühlen sich die Kollegen mittlerweile wie Freiwild. Wenn sie sich wehren, gibt es immer strafrechtliche und disziplinarische Ermittlungen. Und anders als Senatoren, denen die Stadt teure Anwälte bezahlt,  wenn sie in Schwierigkeiten geraten, bekommen Polizisten von der Polizeiführung keinen Rechtsbeistand. Dafür müssen wir als Gewerkschaft sorgen."

 

 

erschienen am 17.07.2010

Sparvorgaben drücken Zahl der Polizisten auf Niveau von 2002

 

Von CDU-FDP-Schill durchgesetzte Stärkung der Sicherheitskräfte würde durch Kürzungen komplett aufgehoben - Bereitschaftspolizei besonders betroffen.

 

Die Debatte um die Personalstärke der Hamburger Polizei hält an, nachdem bekannt geworden war, welche massiven Sparauflagen der Senat an die Polizei gegeben hat. Ein Sparvolumen in Höhe von 400 vollwertigen Stellen soll die Polizeiführung zusammenstellen (die WELT berichtete). Diese Vorgabe soll rund 22 Millionen Euro entsprechen. Würde diese Anforderung, die momentan noch auf dem Papier steht, allerdings umgesetzt, würde der Personalbestand der Hamburger Polizei wieder auf das Niveau von 2002 sinken.

 

Darauf weist der SPD-Innenexperte Andreas Dressel hin, der den Personalstand in einer Vielzahl von Kleinen Anfragen an den Senat zusammengestellt hat. "Das ist ein Treppenwitz der Hamburger Geschichte: Die CDU ist in vielen Stellen wieder da angekommen, wo sie im Herbst 2001 die Polizei übernommen hat", lautet der Vorwurf von Dressel.

 

Er untermauert dies mit Daten aus Kleinen Anfragen: 7082 besetzte Stellen im Polizeidienst hatte die Hansestadt im Jahr 2002. Bis Oktober 2005 wuchs diese Zahl auf 7907 Beamte an. Doch danach schmolz der Personalbestand ab: Erst auf 7722 im März 2008, dann auf 7482 im Mai 2010. Sollten jetzt 400 Stellen gestrichen werden, fiele man wieder auf das Jahr 2002 zurück, erläutert der SPD-Politiker, und damit auf den Stand der rot-grünen Koalition und der Polizeistärke unter dem letzten SPD-Innensenator. Die Innenbehörde hatte eingeräumt, dass es neue Sparauflagen gebe, so wie sie nun einmal für alle Hamburger Behörden vorgesehen sei. Keinesfalls werde man aber bei den Polizeibeamten auf der Straße sparen, hieß es. In der Bürgerschaft hatte Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) deutlich erklärt, dass die Präsenz der Polizei trotz aller Sparanstrengungen, die der Senat unternehmen müsse, keinesfalls sinken werde. Auch die GAL plädierte dafür, wenn Sparmaßnahmen unumgänglich seien, dann müsse im Führungsapparat der Polizei gespart werden. Aus der Koalition hieß es, dass bis zum Ende des Sommers die Vorschläge für die Umsetzung der Sparauflagen von der Polizei kommen sollten.

 

Die Daten der Opposition zeigen aber auch, wie sich das Personal in den einzelnen Bereichen entwickelt hat. Besonders im viel diskutierten Bereich der "Häuptlinge" ist der Zuwachs augenfällig. Der Leistungsstab der Polizei war 2002 noch mit 26 Stellen ausgestattet, diese Zahl wuchs auf 67 im Jahr 2005 und 74 in diesem Jahr an. Das Landeskriminalamt wurde nur gering ausgebaut, von 994 (2002) auf 1011 (2010). Die Vollzugsstellen im Bereich Verwaltung und Technik dagegen etwa haben von 363 auf 457 zugenommen. Die Landesbereitschaftspolizei war dagegen vor acht Jahren noch mit 820 Stellen ausgestattet. Ihre Personalstärke ist mittlerweile auf 811 Stellen gesunken.

 

"Unsere Hamburger Bereitschaftspolizei ist arg gebeutelt, aber sie muss den Kopf für eine wehrhafte Demokratie hinhalten, wie heute bei der Demonstration der NPD in Wandsbek", bilanziert Dressel. Dort wird mit Ausschreitungen von Demonstranten und einer Gegendemonstration gerechnet.

 

Dass es personell bei der Polizei vor Ort an den Wachen eng geworden ist, ist nicht gänzlich neu. Im vergangenen Jahr hatte die Innenbehörde beschlossen, die sogenannten Präsenzschichten aufzulösen, um 119 Stellen zu besetzen, die bei den Peterwagenbesatzungen fehlten. Damit hatte die Polizei auf der örtlichen Ebene die Beamten abgeschafft, die seit 2004 erfolgreich als Fußstreifen an Brennpunkten eingesetzt wurden.

 

Dazu kamen weitere 151 Stellenstreichungen als Ausgleich für die Verlängerung der Wochenarbeitszeit. "Von der Aussage 1000 Polizisten mehr, mit der die CDU mal in Hamburg angetreten ist, kann nicht mal ansatzweise mehr die Rede sein", sagt Freddi Lohse von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Tatsächlich habe sich nach interner Erhebung der Gewerkschaft die Zahl der Polizisten von 2005 bis 2010 um 360 reduziert.

 

erschienen am 16.07.2010

Hamburgs Polizei soll bis zu 400 Stellen streichen

 

Einsparungen von rund 22 Millionen Euro geplant - Reiterstaffel offenbar noch teurer als kalkuliert

 

Der Senat hat der Hamburger Polizei ein außergewöhnlich hohes Sparpaket auferlegt. Bis zu 400 Stellen sollen bei der Polizei wegfallen - so lautet die Auflage, die die Polizei bekommen hat, wie die WELT aus mehreren Quellen erfahren hat. Die Polizeiführung soll in den Apparat den Auftrag gegeben haben, Sparmaßnahmen im Umfang von rund 22 Millionen Euro zu prüfen, die einen Gegenwert von 400 Stellen haben.

 

Innerhalb der Polizei werden bereits konkrete Maßnahmen diskutiert. Dazu gehört die Abschaffung von einem der beiden Polizeihubschrauber. Ebenso im Gespräch sind die Reduzierung der Zahl der 72 Verkehrslehrer und die der 230 Bürgernahen Beamten. Hier will man laut Vorschlag bis zu 100 Stellen sparen. Auch die Stäbe könnten reduziert werden. So könnten Bereiche zusammengelegt werden.

 

Als sicher gilt jetzt die Abschaffung des Polizeiorchesters, die schon im Herbst 2009 bei der ersten Sparrunde im Gespräch war. Diskutiert wird auch die Zusammenlegung weiterer Polizeiwachen. Hier könnten die Davidwache und die Wache Lerchenstraße, die Wachen Sievekingsdamm und St. Georg sowie die Wachen Osdorf und Koppelstraße fusionieren. Dies könnte insgesamt sogar 100 Stellen einsparen.

 

Bei der Kripo steht der gesamte Bereich Prävention zur Disposition. Ausgenommen ist lediglich die Sparte Opferschutz. Auch ein Thema: Die Peterwagen sollen kleiner werden. Das könnte Betriebskosten sparen. Nicht angefasst werden soll die Bereitschaftspolizei. Das hat einen simplen Grund: Es droht dann der Verlust von Bundesmitteln.

 

"Die Innenbehörde muss im Rahmen der Konsolidierungsmaßnahmen selbstverständlich auch ihren Sparbeitrag erbringen", erklärt Innenbehörden-Sprecher Ralf Kunz. "Der Polizeipräsident hat den Auftrag gegeben, nach Einsparpotenzialen zu suchen. Es handelt sich zunächst um Vorschläge, die derzeit zusammengetragen werden. Wasserstandsmeldungen zu diesem Thema geben wir weder ab, noch kommentieren wir sie." CDU-Innenexperte Kai Voet van Vormizeele betont, dass nicht bei den Polizeibeamten auf der Straße gestrichen werde. "Es ist einfach klar, dass wir sparen müssen und dass auch jede Behörde ihren Beitrag dazu leisten muss. Bis zum Herbst werden wir eine Vorlage bekommen, um dann über jede Maßnahme entscheiden zu können. Heute ist noch nichts entschieden."

 

"Alle Behörden haben einen Sparauftrag bekommen, so auch die Innenbehörde", sagt GAL-Innenexpertin Antje Möller. "Ich würde es richtig finden, auch die Vorschläge, die es im November gab, noch einmal zu überprüfen. Aus meiner Sicht sehe ich auch die Chance, die Notwendigkeit der großen Stäbe auf Leitungsebene zu überprüfen."

 

Dennoch: Der Vorwurf des SPD-Innenexperten Andreas Dressel lautet, dass die Polizei schrumpft. Am 1. Mai 2010 habe die Polizei rechnerisch genau 7531 Polizisten beschäftigt, zwei Jahre vorher - zu Beginn der Amtszeit von Innensenators Ahlhaus seien es knapp 230 Vollzugsbeamte mehr gewesen. "Vom Stellenzuwachs der letzten Jahre ist nicht mehr viel übrig; viele Dienststellen haben deutlich Personal verloren. Nur die Leitungsbereiche wurden verstärkt", meint Dressel. Früher habe die CDU das Motto ausgegeben, Polizisten weg vom Schreibtisch, rauf auf die Straße. Jetzt sei es offenbar umgekehrt. "Wenn jetzt noch ein Minus von bis zu 400 Stellen dazukäme, würde das den endgültigen Kollaps bedeuten. Die Sparkommissare sollten gewarnt sein."

 

Die Sparvorgabe, die 400 Stellen entspricht, ist illusorisch", sagt Freddy Lohse von der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Wir hätten dann weniger Polizisten als zu Zeiten des Innensenators Wrocklage." Ohnehin würden selbst bei Umsetzung aller bislang durchgesickerten Vorschläge nicht die 400 Stellen eingespart werden können. Am Sonntag will die Gewerkschaft gegen die Pläne mobil machen und sich sogar während der Tagung des CDU-Landesvorstandes vor der Parteizentrale am Leinpfad postieren.

 

Ein umstrittener Plan ist die Aufstellung einer neuen Reiterstaffel der Polizei. Dressel hat dies mit einer Kleinen Anfrage erneut hinterfragt. "Es zeigt sich, dass die Angabe jährlicher Kosten in Höhe von 200 000 Euro nicht zu halten ist", stellt Dressel fest. Offenbar seien die Personalkosten in Höhe von jährlich mehr als einer halben Million Euro nicht berücksichtigt worden. "Dass in diesen Rotstiftzeiten noch Geld da ist für eine Reiterstaffel, ist kaum nachzuvollziehen."

 

Der Innensenator wolle sich offenbar ein "Reiterdenkmal auf Kosten der Steuerzahler" setzen. Und nun werde dieses Prestigeprojekt in den Dauerkosten erheblich teurer. Dressel: "Für Pferde ist Geld da - für Polizisten nicht. Das passt nicht zusammen."

erschienen am 14.07.2010

 

Jugendliche, die einen Passanten am Bahnhof Harburg totgeschlagen. Ein 22-Jähriger, der nach einer Abi-Fete erstochen wird. Polizisten, die bei einem Einsatz in Neuwiedenthal angegriffen und schwer verletzt werden. Die von einer Welle der Gewalt erfassten Stadtteile südlich der Elbe kommen derzeit nicht mehr aus den Schlagzeilen heraus. Doch für die jüngste Negativmeldung sorgte nun die Polizei selbst: In den vergangenen fünf Jahren wurden in den heute nur noch drei Polizeikommissariaten (PK) in Wilhelmsburg, Harburg und Neugraben 65 Polizeistellen abgebaut. Das entspricht mehr als 15 Prozent der derzeit noch südlich der Elbe eingesetzten Beamten.

Diese Zahl geht aus der Antwort auf eine Senatsanfrage des SPD-Innenexperten Andreas Dressel hervor, die jetzt veröffentlicht wurde. Angesichts der jüngsten Fälle wirkt sie wie der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Nicht zuletzt, seit aufgebrachte Harburger und andere Südhamburger mit Sitzblockaden, Lichterketten und Mahnwachen gegen die Gewaltentwicklung protestieren.

"Jetzt ist Schluss. Wir hier in Harburg werden keine weiteren Einsparmaßnahmen bei der inneren Sicherheit hinnehmen und uns entsprechend bei den anstehenden Haushaltsdebatten beim Senat einbringen", sagte Harburgs CDU-Kreischef Ralf-Dieter Fischer empört nach Bekanntwerden der Personalentwicklung. Er reagiert damit ebenfalls auf die Gerüchte, die Innenbehörde wolle die Stellen von 60 bürgernahen Beamten abbauen - auch in Harburg. Das ruft Harburgs Bezirkschef Torsten Meinberg, CDU, auf den Plan. "Ich erwarte vom Innensenator, dass er Wort hält und den Rotstift beim Fußstreifendienst nicht ansetzt."

Bereits 2008 waren die beiden Harburger Polizeikommissariate 45 und 46 zusammengelegt worden. Dadurch verlor Harburgs Polizei 35 Stellen. Auch die Wache 47 in Neugraben muss im Zuge der Sparvorgaben mit 15 Stellen weniger auskommen, ebenso wie das PK 44 in Wilhelmsburg. Dazu kommt, dass für die Autobrandstifter-Ermittlungsgruppe "Florian" auch Polizeibeamte aus dem Hamburger Süden abgezogen wurden. Und: Als die Dienstgruppe Präsenz der Polizei hamburgweit aufgelöst wurde, zog die Innenbehörde sechs Beamte aus Harburg ab. "Die sollen an andere Wachen ausgeliehen werden und später wieder zurückkehren", sagte Innensenator Christoph Ahlhaus vor einem Jahr. Die Harburger warten immer noch.

"Man merkt es schon in Neugraben und Harburg, dass weniger Polizisten unterwegs sind", sagt Thomas Völsch, Bürgerschaftsabgeordneter der SPD Süderelbe und schüttelt den Kopf. "Klar, dass viele Bürger Angst haben." Auch Jürgen Heimath, SPD-Vorsitzender in der Bezirksversammlung, hält die Stelleneinsparungen für falsch. Das sei ein Skandal. Wir sähen ja jetzt, dass es zu mehr Gewalttaten im Süden kommt. Die Zusammenlegung der Kommissariate sei "ein großer Fehler" gewesen. "Bei der Innenbehörde zählen nur betriebswirtschaftliche Faktoren. Dass die Polizisten wichtige präventive Arbeit leisten und damit Kriminalität verhindern, ist Senator Ahlhaus offenbar völlig egal."

Gerade die Präsenzgruppen hätten in den südlichen Stadtteilen unersetzbare präventive Arbeit geleistet, gibt Andreas Dressel, der Initiator der Anfrage, zu bedenken. Die Beamten der DGP hätten die Vorgänge und zumeist jugendlichen Täter im Harburger Bereich im Blick gehabt. "Die Sicherheit hat durch den Stellenabbau gelitten", sagte der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete. Die Personalstreichungen zeigten eine falsche Prioritätensetzung auf. "Die Vorkommnisse im Süden haben doch das Gegenteil nahegelegt."

Kritik kommt auch von der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Seit der Zusammenlegung der Kommissariate 45 und 46 zum heutigen PK Harburg haben wir erheblich weniger Polizisten auf der Straße", sagt der Hamburger Gewerkschaftsvize Freddi Lohse. Nicht zuletzt sei den Harburgern ein sechster Peterwagen versprochen worden. Der sei zwar auch gekommen, könne aber in der Regel nicht besetzt werden, weil nicht genügend Polizisten an der Wache seien. "Allerdings", sagt der Personalratsvorsitzende Lohse auch, sei die Situation an den Wachen Harburg, Wilhelmsburg oder Neugraben nicht schlechter als in den anderen PK: Stadtweit sind seit 2005 insgesamt 256 Vollzugsbeamte weniger tätig.

Doch nicht alle sehen die Situation im Süden so verbissen. In der CDU-Bürgerschaftsfraktion geht man das Thema eher locker an: "Die personelle Ausstattung ist so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr", sagen die beiden Abgeordneten Wolfgang Müller-Kallweit und André Trepoll. "Von einer kritischen Situation kann keine Rede sein."

 

erschienen am 09.07.2010

Senat verteidigt Aufnahme eines Guantánamo-Häftlings 

SPD und Polizeigewerkschaft erwarten Aufklärung

 

Nach der Ankündigung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), sowohl Rheinland-Pfalz als auch Hamburg würden jeweils einen Häftling aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo aufnehmen, ist in der Hansestadt eine Debatte um die daraus resultierende Sicherheitslage entbrannt.

 

Bei den beiden Männern, die in einigen Wochen nach Deutschland einreisen werden, soll es sich um einen 35-jährigen Syrer und um einen 31-jährigen Palästinenser handeln.

 

Obwohl der Hamburger Senat die genaue Identität des betreffenden Mannes noch gar nicht kennt, verteidigt Senatssprecherin Kristin Breuer das Angebot an die Bundesregierung: "Der 11. September 2001 wird auch immer wieder mit Hamburg in Verbindung gebracht, daher ist die Hansestadt in einer besonderen Pflicht, die USA zu unterstützen. Aus diesem Grund wie auch aus humanitären Gründen haben wir der Bundesregierung daher zugesagt, einen aus der Haft entlassenen Insassen des US-Gefangenenlagers Guantánamo aufzunehmen." Dabei stellte der Senat Bedingungen: Hamburg solle sich nicht als einziges Bundesland der Verantwortung stellen; zudem müsse die betreffende Person "eingehenden Sicherheitsprüfungen" standhalten.

 

Sowohl Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) als auch Verfassungsschutz-Chef Heino Vahldieck äußerten sich am Donnerstag auf WELT-Anfrage nicht zum Thema. Dieses Verhalten kritisiert Andreas Dressel, Innenexperte der SPD-Bürgerschaftsfraktion: "Der Innensenator muss nachvollziehbar darlegen, dass die Aufnahme die Sicherheit unserer Stadt nicht gefährdet. Bisher hat er sich bei diesem Thema ein unwürdiges Versteckspiel geleistet und Parlament und Öffentlichkeit trotz mehrfacher Nachfragen im Unklaren gelassen, obwohl hinter den Kulissen bereits sondiert wurde." Generell unterstützt Dressel das Hamburger Angebot. "Wir dürfen dabei aber nicht verkennen, dass für eine Entwarnung bei islamistischen Tendenzen auch vor der eigenen Haustür keine Veranlassung besteht", sagt er.

 

Bei der Deutschen Polizeigewerkschaft schlägt man ähnliche Töne an. Der Hamburger Landesvorsitzende Joachim Lenders kritisiert die Argumentation des Senates: "Wir meinen, gerade weil Hamburg in die Anschläge des 11. September verwickelt war und weil hier eine islamistische Szene aktiv ist, tragen wir eine Verantwortung und müssen die Aufnahme ablehnen." Nach Lenders' Ansicht ist die Aufnahme in Deutschland generell "kontraproduktiv" - insbesondere in Hamburg. "Ich hätte mir gewünscht, dass sich der Innensenator und der Verfassungsschutz-Chef zum Thema äußern. Denn der Ex-Häftling wird überwacht werden müssen, und das bindet wieder einmal Personal bei der Polizei."

Der Hamburger FDP-Bundestagsabgeordnete Burkhardt Müller-Sönksen begrüßt hingegen die Entscheidung: "Den Forderungen der deutschen Menschenrechtspolitik lässt sie nun Taten folgen." Und Christiane Schneider, Innenpolitikerin der Linken, plädiert sogar dafür, dass Hamburg zukünftig noch mehr Guantánamo-Häftlinge aufnimmt: "Wir fordern ja die Auflösung des Lagers, und dann muss man auch die Konsequenzen ziehen. Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, und wir haben eine Mitverantwortung, die Häftlinge aufzunehmen." De Maizière hatte jedoch bereits angekündigt, keine weiteren Häftlinge aufnehmen zu wollen.

 

Relativierend meldete sich gestern Bürgermeister Ole von Beust (CDU) im Gespräch mit dem Fernsehsender Hamburg 1 zu Wort: "Bei aller Liebe, es geht um einen Einzigen, der aus der Haft entlassen wurde, und durch den geht sicherlich nicht die Sicherheitslage der Stadt in die Grütze."

erschienen am 08.07.2010

Guantánamo-Häftling kommt nach Hamburg

 

Deutschland wird zwei Häftlinge aus dem Lager aufnehmen. Einer der Männer soll in der Hansestadt ein neues Leben führen können.

 

Jahrelang hat er im Gefangenenlager Guantánamo als mutmaßlicher Al-Qaida-Anhänger und höchstgefährlicher Terrorverdächtiger gesessen. Doch vermutlich schon in wenigen Wochen wird er als freier Mann in Hamburg leben. Ebenso wie in Rheinland-Pfalz sein bisheriger Mithäftling. Ein "Neuanfang in rein privatem Umfeld" für die Männer, das ist das erklärte Ziel von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der gestern die Aufnahme von zwei Guantánamo-Häftlingen ankündigte. Deswegen wollte er auch keine Details zu ihnen nennen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung handelt es sich bei den beiden Häftlingen um einen 34 Jahre alten Palästinenser und einen ein Jahr älteren Syrer.

 

Einen Deutschlandbezug, so viel immerhin sagte de Maizière, hätten beide nicht, aber in ihre Heimatländer zurückkehren könnten sie auch nicht. Anders als etwa Bayern, Thüringen, Hessen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stimmten Hamburg und Rheinland-Pfalz einer Aufnahme der jetzt als ungefährlich geltenden Häftlinge zu.

 

"Unsere Bedingung war dabei, dass sich Hamburg nicht als einziges Bundesland der Verantwortung stellt und die betreffende Person den eingehenden Sicherheitsprüfungen standhält", sagte Hamburgs Senatspressesprecherin Kristin Breuer. Der Hamburger Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders, befürchtet dennoch, dass der Mann nicht unbeobachtet bleiben kann. "Die Hamburger Sicherheitsbehörden werden den Mann gewiss im Auge behalten müssen. Eine zeit- und kostenintensive Aufgabe", sagte er. Er habe sich von Beginn der Diskussion an dagegen ausgesprochen, Guantánamo-Häftlinge "ausgerechnet nach Hamburg" zu holen. "Immerhin hat diese Stadt ja eine Vorgeschichte in Bezug auf den 11. September", sagte Lenders. In Harburg planten die Terrorpiloten um Mohammed Atta ihre Terroranschläge in New York. Uwe Koßel, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), fürchtet, dass Hamburg nur wieder ins Blickfeld von al-Qaida gerät: "Mit der Unterbringung eines der Guantánamo-Häftlinge in Hamburg gerät die Stadt in den Fokus der al-Qaida und könnte so möglicherweise Ziel von Anschlägen werden." Der GdP-Bundesvorsitzende Konrad Freiberg sieht eine moralische Pflicht, die USA bei der Schließung von Guantánamo zu unterstützen. "Nach der gründlichen Prüfung durch den Bundesinnenminister müssen wir davon ausgehen, dass von den Männern keine Gefahr ausgeht", sagte er.

 

Hamburgs SPD-Innenexperte Andreas Dressel verlangt von Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) Aufklärung über den Fall. "Man kann nicht in Sonntagsreden Guantánamo geißeln und sich werktags verweigern, diesem Spuk ein Ende zu bereiten. Insofern ist es in Ordnung, wenn Hamburg hier einen Beitrag leistet", sagte er. "Voraussetzung muss jedoch sein, dass die Sicherheit unserer Stadt in keiner Weise gefährdet wird. Hier ist der Innensenator in der Pflicht, das der Öffentlichkeit transparent nachzuweisen."

 

Angst um ihre Sicherheit haben letztlich alle Aufnahmeländer. In den USA selbst ist es vor allem schwierig. De Maizière betonte gestern denn auch, dass sich vor allem die USA selbst um eine Lösung des Guantánamo-Problems kümmern und die Gefangenen aufnehmen müssen. "Die USA erlauben nur dann einer Person die Einreise nicht, wenn die Sicherheit der USA gefährdet ist", stellt er fest. Noch immer sitzen 180 Gefangene in dem Lager. Laut Pentagon sind seit 2002 schon 600 Inhaftierte von anderen Ländern aufgenommen worden. In den meisten Fällen ging es um eigene Staatsbürger, die in Guantánamo gefangen waren - so kehrten allein neun Insassen mit britischer Staatsbürgerschaft nach Großbritannien zurück. Auch Deutschland ließ 2006 den Deutsch-Türken Murat Kurnaz aus Bremen wieder einreisen. Mehr als 30 Gefangene wurden aber in fremde Gastländer gebracht, weil die Rückkehr in ihre Heimat nicht möglich war.

 

Dies gilt in der Regel, wenn dort politische oder religiöse Verfolgung droht. So nahm Pazifik-Staat Palau sechs muslimische Uiguren aus China auf, die britische Kolonie Bermuda im Atlantik bot vier weiteren eine neue Heimat. Die meisten Entlassenen kehrten nach Afghanistan (199), Saudi-Arabien (120), Pakistan (63) und in den Jemen (21) zurück. Aus diesen Ländern stammten die meisten Guantánamo-Insassen.

 

erschienen am 03.07.2010

 

Damit Beamte mehr Zeit für den Kampf gegen Verbrechen haben

Statt Polizisten sollen Gutachter Unfälle klären

Über 50 000 Mal kracht’s im Jahr auf Hamburgs Straßen, rücken Polizisten zu Verkehrsunfällen aus. Künftig sollen die Autofahrer selbst sehen, wie sie miteinander klarkommen. Gibt’s nur Blechschäden, soll die Polizei nicht mehr aktiv werden.

So will die Polizeiführung sparen. Die Polizisten sollen sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren, u. a. die Bekämpfung von Gewalt.

Wenn Autofahrer ineinandergerasselt sind und sich vor Ort nicht einigen können, sollen sie künftig ihre Versicherung anrufen und einen Gutachter anfordern.

Bisher stellt die Polizei fest, wer den Unfall verursacht hat, und schätzt den entstandenen Schaden.

Polizei-Personalratschef Freddi Lohse hält die Idee für abwegig. Er schlägt stattdessen vor, für Unfallaufnahmen künftig Gebühren von den Versicherungen zu kassieren.

Um die Einnahmen der Polizei zu erhöhen, sollen künftig auch Großveranstalter zur Kasse gebeten werden. In erster Linie wären der HSV und FC St. Pauli betroffen, deren Bundesliga-Spiele regelmäßig Sondereinsätze der Polizei erfordern. Aber auch die Organisatoren von Radrennen wie Cyclassics oder Marathon sollen zahlen.

Die Polizeiführung hat ausgerechnet, dass beispielsweise beim Liga-Spiel Pauli gegen Rostock fast 800 auswärtige Kräfte im Einsatz waren, die die Steuerzahler rund 265 000 Euro kosteten. Bei den Cyclassics und beim Marathon mussten je 500 Polizisten Sonderschichten schieben, kosteten etwa 160 000 Euro.

Die Großveranstalter können nach Meinung der Polizeiführung die zusätzlichen Kosten auf Eintrittspreise oder Startgelder aufschlagen. Eine neue Art Sicherheitszuschlag.

 

erschienen am 02.07.2010

 

Jetzt packt der 1. Polizist aus

"Ich wurde schon mit Blut bespuckt“

Die massive Gewalt auf Hamburgs Straßen beunruhigt viele Bürger. Erst am Dienstagabend wäre ein 17-Jähriger fast totgestochen worden. In Neuwiedenthal hatten junge Männer Polizisten angegriffen, einem Beamten das Gesicht zertreten.

BILD lässt nicht locker, schiebt die große Stadt-Diskussion über einen Zustand an, den niemand tatenlos hinnehmen darf. Heute spricht ein Billstedter Streifenpolizist über seinen Alltag. Über Respektlosigkeit und steigende Gewaltbereitschaft.

Polizeiobermeister Roland Rast (24, ledig, 1800 Euro netto, Mitglied der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) „In unseren Problembereichen im Revier werden wir kaum respektiert. Bei Festnahmen bin ich schon mehrfach verletzt worden. Durch einen Fußtritt ins Gesicht hatte ich Schürfwunden, verletzte mich ein anderes Mal am Ellenbogen, bekam Tritte und Fäuste ab Bei einer Schlägerei in einer Kneipe griff ein aggressiver, blutverschmierter Mann meine Kollegen an, bespuckte uns mit Blut. Beleidigungen zähle ich schon gar nicht mehr. Von ,Scheiß-Bulle‘ bis ,Hurensohn‘ wurde ich beschimpft.

Leider werden viele Ermittlungen bei Straftaten wie Widerstand und Beleidigung eingestellt oder mit Arbeitsauflagen bestraft, über die sich die Jugendlichen totlachen. Die Richter sollten uns mal auf Streife begleiten.“

Woher kommt diese Brutalität bei den Jugendlichen?

Polizeiobermeister Rast: „Die Jugendlichen wollen sich mit Straftaten in ihrer Clique brüsten. Gewalt bringt ihnen Anerkennung. Einsätze werden mit Handys gefilmt und fürs Internet so geschnitten, dass die Polizisten als die Bösen dastehen.“

Was würde passieren, wenn die Polizei weiter kaputtgespart wird?

Rast: „Sollte noch mehr Personal eingespart werden, ist die Sicherheit der Bürger irgendwann nicht mehr gewährleistet. Schon heute bleiben Einsätze liegen. Die Personalsituation lässt es kaum noch zu, neben den Einsätzen einfach nur Präsenz im Revier zu zeigen.“

Obwohl der junge Polizeiobermeister sich oft nur mit Pfefferspray wehren kann und täglich seine schusssichere Weste trägt, will er nicht hinschmeißen: „Trotz aller Widrigkeiten habe ich es noch nie bereut, Polizist zu sein.“

 

 

 

erschienen am 29.06.2010

 

 

Gesuchter Schläger seit Jahren kriminell

Der 17 Jahre alte Lehrling hielt die Drohungen nicht mehr aus. Seit Jahren drangsalierte eine Bande von Jugendlichen Gleichaltrige, zwang sie, Geld und Klamotten abzugeben. "Abziehen" wird das unter den Tätern genannt. Am 31. Januar 1997 hätte Mirco Sch. "diesen Typen 750 Mark geben" sollen, schrieb er in seinem Abschiedsbrief. Ein ganzes Monatsgehalt. An diesem Tag nahm er sich das Leben. Auf der Strecke Neugraben-Harburg sprang der verzweifelte Jugendliche vor einen Zug. Hauptverantwortlicher war Bandenchef Amor S., damals 18 Jahre alt und polizeibekannt. Ihm konnte Mircos Suizid rechtlich nicht angelastet werden. Doch wegen räuberischer Erpressung, Raubes und Körperverletzung wurde er zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Auch ein Teil seiner Komplizen musste in Haft.

13 Jahre später steht Amor S., mittlerweile im gestandenen Alter von 31 Jahren, erneut im Interesse der Öffentlichkeit. Nach Erkenntnissen der Ermittler ist er der Täter, der bei dem Angriff auf fünf Polizisten einen Beamten mit einem Tritt ins Gesicht derart schwer verletzt hat, dass nicht nur nahezu jeder Kochen gebrochen ist, sondern dieser Mann nun auch um die Sehkraft eines Auges bangen muss. Amor S., der keinen festen Wohnsitz hat, ist auf der Flucht. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Dass die Polizisten in eine Falle gelockt wurden, um sie gezielt anzugreifen, glaubt Polizeisprecher Ralf Meyer nicht. "Das war ein spontaner Akt während eines Routineeinsatzes." Neugraben sei immer wieder mal Einsatzschwerpunkt gewesen. Im Bezirk Harburg zeigten sich Vertreter von Politik und Verwaltung schockiert über die Vorfälle. "Diese Straftäter müssen weggeschlossen werden. Hier ist Knast angesagt", sagt Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg (CDU). Mit mangelnder Integrationsarbeit habe die Entwicklung nichts zu tun. "Integration ist keine Einbahnstraße. Auch nicht in Harburg." Auch Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) spricht von einem Integrationsproblem. "Solange sich Familien aus anderen Kulturkreisen abschotten, Konflikte in den eigenen vier Wänden mit Gewalt lösen und nur eigene Traditionen gepflegt werden, werden wir diese Menschen nicht integrieren können."

Uwe Koßel, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, warnt davor, dass es künftig ähnliche Probleme geben könnte wie in einigen französischen Vorstädten. Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, fordert langjährige Haftstrafen für die Täter. Der CDU-Kreisvorsitzende Ralf-Dieter Fischer fürchtet, dass die Eskalation der Gewalt "das subjektive Sicherheitsempfinden vieler rechtschaffener Bürger in erheblichem Maß beeinträchtigt".

 

  
erschienen am 29.06.2010

 

 

Pulverfass Neuwiedenthal
Entsetzen über Angriff auf Polizisten - Schläger rotteten sich per
Telefon zusammen - Einer war Chef der "Stubbenhof"-Bande 

 

Nach der Massenschlägerei in Neuwiedenthal, bei dem ein Polizist lebensgefährlich verletzt wurde, hat die Kripo eine heiße Spur! Der Haupttäter soll ein Mann namens Amor S. (31) sein, er ist flüchtig.

 

Bei einem Routine-Einsatz hatten am Wochenende rund 30 junge Leute Polizisten angegriffen und verletzt. Als ein Beamter einen Gewalttäter festnehmen wollte, soll Amor S. dem 46-Jährigen mit dem Fuß ins Gesicht getreten und damit den Kopf zertrümmert haben. Gestern wurde der Polizist operiert.

 

Der mutmaßliche Täter ist bereits einmal zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Als Anführer der „Stubbenhof-Gang“ hatte er Mitte der 90er-Jahre Jugendlichen in Neuwiedenthal mit Gewalt Geld, Kleidung und Drogen abgepresst. Mirco S. († 17), eines der Opfer der Bande, warf sich damals aus Verzweiflung vor eine S-Bahn und starb. Ohne Grund stach Amor S. dann auch seinen Sozialarbeiter nieder.

 

Neuwiedenthal, ein von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenes Viertel im Süden Hamburgs. Hat sich dort unbemerkt ein Pulverfass der Gewalt entwickelt?

Polizeisprecher Ralf Meyer: „Langfristig ist es schon ein Einsatz-Brennpunkt.“ Ruhestörung, randalierende Jugendliche, Körperverletzungen, Diebstähle und Raubüberfälle sind an der Tagesordnung.

 

Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg (CDU): „Neuwiedenthal ist kein einfaches Pflaster. Aber wir dürfen vor dieser Gewalt nicht kapitulieren. Es muss für uns eine Aufforderung sein, dass wir uns an die Seite der Polizei stellen.“

 

Joachim Lenders, Hamburger Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG): „Hier zeigt sich einmal mehr, dass mittlerweile ein gewaltbereiter Mob die Straße regieren kann, wenn sich abzeichnet, dass die Polizei zahlenmäßig unterlegen ist.“

 

 

 

erschienen am 28.06.2010

 

Schlägertrupp überfällt Streifenbeamte

Jüngster Täter ist erst 15 Jahre alt. Politiker entsetzt über Eskalation der Gewalt

Der Festgenommene liegt auf dem Boden. Ein Polizist steht über ihm. Sein Kollege steht einer aufgebrachten Gruppe von etwa zehn jungen Männern gegenüber. Von irgendwoher wird eine Flasche geworfen, die klirrend auf dem Gehweg zerspringt. Die Stimmung ist gereizt. Immer wieder kommen die Angreifer näher, die der zweite Beamte zunächst noch mit seinem Schlagstock in Schach halten kann.

Das sind Szenen auf einem Video, das dem Abendblatt vorliegt. Am Ende sind fünf Polizisten verletzt, einer sogar lebensbedrohlich. 30 junge Männer verprügeln die Beamten während eines Einsatzes. Eine Eskalation der Gewalt, wie sie Hamburgs Polizei gegen ihre Beamten noch nie erfahren hat. Politik und Gewerkschaften reagieren entsetzt.

Was war geschehen? Zunächst waren zwei Beamte zur S-Bahn-Station Neuwiedenthal gerufen worden. Angeblich habe es dort eine Schlägerei gegeben. Als weder Täter noch Opfer zu sehen waren, brechen sie ihren Einsatz ab und fahren zurück. Nur wenige Meter entfernt fällt ihnen ein Mann auf, der in der Nähe von einer Frau und zwei Kindern sein Geschlechtsteil zeigt. Sie halten an, um die Personalien des Exhibitionisten festzustellen.

Die Szene wurde von einem Mitglied der anwesenden Gruppe junger Männer am Sonnabend gegen 21.30 Uhr mit seiner Handykamera aufgenommen. Es dient einigen Bewohnern Neugrabens als Beweis für vermeintliche Polizeigewalt. Die Handykamera macht einen Schwenk. Es sind pöbelnde Männer zu sehen. Plötzlich zwei Schläge. Jetzt zeigt die Kamera, wie der erste Polizist mit seinem Schlagstock vier weitere Male auf den nun am Boden liegenden Exhibitionisten einschlägt. Die Stimmung eskaliert. Immer näher drängen die Männer an die Polizisten und den Festgenommenen, der noch nicht mit Handschellen gefesselt ist.

"Bitte, bitte beruhigt euch mal", sagt einer der Beamten. "Er hat als Erster geschlagen", brüllt einer der Männer zurück. Erneut ist das Klirren von zerschlagenen Flaschen zu hören. Die Beamten bekommen die Lage nicht in den Griff. Sie haben Verstärkung gerufen. "Wo bleiben die denn?", fragt einer. "Weiß nicht. Die sind gleich da", antwortet sein Kollege. In dem Chaos bricht das Video dann ab.

Was danach folgt, ist in dieser Brutalität in Hamburg nie da gewesen. Es versammeln sich immer mehr junge Männer. Kurz darauf sind auch zwei weitere Streifenwagenbesatzungen der Neugrabener Wache am Tatort angekommen. Es ist die komplette Nachtschicht der Wache. Sie wird in wenigen Minuten aufgerieben sein.

Rund 30 junge Männer haben sich versammelt. Sie zerschlagen Gehwegplatten und werfen die Betonbrocken sowie Flaschen auf die Beamten. "Die haben einfach mal durchgezählt und gesehen, dass sie in der Überzahl waren", sagt Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG).

Während die Beamten auf weitere Verstärkung warten, greift der Mob weiter an. Zwei Beamte fallen auf den Boden, werden geschlagen und getreten. Am schlimmsten trifft es einen 46 Jahre alten Polizeikommissar. Einer der Täter tritt ihm mit voller Wucht in das Gesicht. Er erleidet lebensbedrohliche Verletzungen. Sein Jochbein, das Nasenbein sowie sein Kiefer brechen, seine Netzhaut wird verletzt.

Später ermittelt die Polizei den Täter. Es handelt sich um einen 31 Jahre alten Mann. Er ist bereits wegen Schlägereien, Drogenbesitzes und Diebstahls polizeibekannt. Er ist auf der Flucht. Die Mordkommission ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdeliktes.

Auch vier weitere Beamte werden verletzt. Ein Hauptmeister, 46, erleidet einen Nasenbeinbuch, ein Obermeister, 35, Hals- und Nackenverletzungen, ein Hauptkommissar, 44, Rückenverletzungen und ein Oberkommissar, 46, Gesichtsverletzungen. Trotz des schweren Angriffs hat kein Beamter seine Dienstpistole gezogen.

Erst sehr viel später erreichen 30 Streifenwagenbesatzungen den Tatort. Sie nehmen 16 Angreifer fest. Es sind allesamt Deutsche mit unterschiedlichen Migrationshintergründen. "Sie sind überwiegend polizeibekannt", sagt Polizeisprecherin Karina Sadowsky. Unter ihnen ist auch ein 21 Jahre alter Intensivtäter. Alle werden nach Vernehmungen wieder auf freien Fuß gesetzt.

"Dieser brutale und hinterhältige Angriff macht mich fassungslos. Derartig ausufernde massive Gewalt gegen Polizeibeamte, die helfen wollten und nichts ahndend auf diese Weise attackiert werden, ist besonders niederträchtig", sagt Polizeipräsident Werner Jantosch. "Diese brutale Tat zeigt einmal mehr, wie wichtig ein härteres Vorgehen gegen diese Täter ist."

Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) fordert nun ein schleuniges Umsetzen der von der Innenministerkonferenz beschlossenen Strafverschärfung für Gewalttaten gegen Polizisten. "Ich fordere die Bundesjustizministerin auf, endlich ein Mindestmaß an Verantwortung gegenüber unseren Einsatzkräften zu zeigen. Auch wenn wir wissen, dass eine Strafverschärfung allein kein Allheilmittel gegen die wachsende Gewaltbereitschaft gegenüber unseren Einsatzkräften ist: Die Täter müssen deutlich zu spüren bekommen, dass sich der Rechtsstaat nicht auf der Nase herumtanzen lässt."

Auch Uwe Koßel, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), setzt sich für eine Strafverschärfung ein. "Täter, die Polizisten verprügeln, dürften keine Bewährung bekommen." DPolG-Chef Joachim Lenders kritisiert die Sparmaßnahmen des Senats. "Verantwortlich dafür, dass die Beamten dem Mob auf der Straße zahlenmäßig unterlegen sind", seien die CDU-Politiker im Rathaus. "Dass verantwortungsvolle Innenpolitik vom grünen Koalitionspartner nicht zu erwarten ist, war uns schon klar. Dass aber mittlerweile die CDU so grün ist, dass sie sich kaum noch von ihrem Koalitionspartner unterscheidet, ist ein Armutszeugnis."

Ähnliche Kritik kommt auch von der SPD. Innenxeperte Andreas Dressel: "Folgenlose Solidaritätsadressen des Innensenators haben unsere Polizisten nun genug gehört. Die Realität ist leider, dass sich Schwarz-Grün beim Thema Gewalt gegen unsere Polizei seit Monaten gegenseitig blockiert."

 

erschienen am 28.06.2010

Jugendgang greift Polizei an und verletzt Beamte teilweise lebensgefährlich

Mit unfassbarer Brutalität sind am Sonnabend in Neuwiedenthal Jugendliche auf Polizisten losgegangen. Fünf Beamte wurden dabei so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Ein Polizist schwebt in Lebensgefahr, als er am Boden lag, hatte einer der Schläger auf ihn eingetreten. Der Beamte erlitt mehrere Schädelbrüche. Die Mordkommission ermittelt.

Die Polizei zog schließlich Kräfte aus ganz Hamburg zusammen, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Einsatzkräfte nahmen 17 Schläger fest. Die meisten haben einen Migrationshintergrund - was der These von der vorbildlichen Integration aus einer aktuellen Studie (siehe Artikel unten) zu widersprechen scheint.

Besonders hervor taten sich zwei gebürtige Tunesier. Einer der Brüder, der als Intensivtäter geführt wird, wurde festgenommen. Nach dem zweiten Mann, der ebenfalls wegen zahlreicher Straftaten bekannt ist, wird gefahndet. Warum die Bande auf die Beamten losging, ist unklar. Die Polizei war gegen 21.30 Uhr wegen einer Schlägerei zum Rehrstieg gerufen worden. Doch statt auf die Auseinandersetzung stießen die Beamten auf einen Mann, der sich entblößt hatte. Als sie seine Personalien feststellen wollten, rotteten sich etwa 30 Personen, zumeist junge Erwachsene, zusammen. Sie gingen auf die Beamten los. Die setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein. "Wir hatten keine Chance. Es waren zu viele", so ein Polizist. Erst als Verstärkung kam, wurden mehrere Schläger festgenommen.

Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, sprach im Zusammenhang mit den Tätern von "Abschaum". "Hier hat sich der Mob ausgetobt", sagte Lenders. Entlarvend sei, dass viele der Gewalttäter einschlägig bekannt sind. In dem Zusammenhang übte Lenders scharfe Kritik an GAL-Justizsenator Till Steffen. "Er macht sich Gedanken über Frauenquoten in Unternehmen, anstatt sich um die elementaren Probleme zu kümmern. Hier ist eindeutig die Justiz gefordert."

Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) sagte: „Das Maß ist voll. Wer Sprengsätze, Steine oder Flaschen auf Polizisten schleudert, muss die volle Härte des Rechtsstaates zu spüren bekommen. Der Vorfall in Neuwiedenthal belegt die Notwendigkeit der von der Innenministerkonferenz beschlossenen Strafverschärfung für Gewalttaten gegen Polizeibeamte.“ Ahlhaus sieht nun Bundesjustizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger (FDP) in der Pflicht, die die Initiative blockiere. Insgesamt müsse die Justiz solche Taten deutlich schneller und konsequenter als bisher verfolgen, so Ahlhaus.

 

erschienen am 28.06.2010

 

Ein Mob von 30 Schlägern ist am Sonnabend am S-Bahnhof Neuwiedenthal über die Besatzungen dreier Streifenwagen hergefallen.

 

Ein 46-jähriger Kommissar erleidet lebensgefährliche Schädelbrüche. Einem 44-jährigen Hauptmeister wird die Nase gebrochen, drei weitere Polizisten werden durch Steinwürfe und Schläge verletzt.

Gegen 21.30 Uhr bekommt die Besatzung von 'Peter 47/2' der Wache Neuwiedenthal den Funk-Einsatz: 'Schlägerei am Bahnhof Neuwiedenthal'. Reine Wochenend-Routine in dieser Gegend, denken die beiden erfahrenen Polizisten. Minuten später müssen sie um ihr Leben kämpfen Am Bahnhof stellen beide zunächst nichts fest. Dann sehen sie an der Ecke Rehrstieg/Striepenweg den 27-jährigen Pjotr R. Der Mann hat sein Glied entblößt und beschimpft die Polizisten.

Die Festnahme dokumentiert ein Video, das der MOPO vorliegt: Einer der Polizisten bewacht den Mann, der am Boden sitzt. Ein weiterer Beamter hält mehrere Männer mit seinem Schlagstock in Schach, die sich zusammengefunden haben und die Polizisten bepöbeln. Plötzlich schlägt der erste Beamte mehrfach auf den am Boden liegenden Mann ein.

Was weiter geschah, ist nicht weiter dokumentiert, denn das Handy-Video endet nach etwa 4-5 Minuten.

Als die Beamten aussteigen, werden sie von einer Horde Schläger angegriffen. Ein 46-jähriger Kommissar geht zu Boden. Dann nimmt ein Täter Anlauf und tritt ihm mit voller Wucht gegen den Kopf, rennt danach sofort davon. Der Polizist erleidet am Auge einen lebensgefährlichen Schädelbruch. Außerdem sind Kiefer und Jochbein gebrochen. Sein Kollege (35) kommt mit Hals- und Nackenverletzungen davon.

Dann trifft ein ziviler Streifenwagen ein. Auch hier wird der 46-jährige Beamte, ein Oberkommissar, sofort angegriffen und am Gesicht verletzt. Schließlich erreicht 'Peter 47/1' den Tatort. Ein Schläger springt dem Einsatzleiter, einem 44-jährigen Hauptkommissar, in den Rücken. Seinem Kollegen (44) wird das Nasenbein gebrochen. Erst als Dutzende Peterwagen aus ganz Hamburg eintreffen, beruhigt sich die Lage. Die Beamten nehmen 16 Verdächtige fest. Sie heißen Igor, Diyan, Ali, Noor oder Talep und sind Deutsche. Die meisten sind bereits polizeibekannt. Der Mann, der dem Kommissar gegen den Kopf getreten haben soll, ist ein tunesischstämmiger Deutscher (31). Er konnte entkommen. Alle anderen Verdächtigen wurden wieder entlassen. Ihnen konnten außer der allgemeinen Beteiligung an der Schlägerei noch keine konkreten Attacken gegen die Polizisten nachgewiesen werden.

Innensenator Christoph Ahlhaus verurteilte die Attacke: 'Das Maß ist voll. Der aktuelle Vorfall belegt einmal mehr die Notwendigkeit der Strafverschärfung für Gewalttaten gegen Polizeibeamte.' Polizeipräsident Werner Jantosch besuchte gestern die verletzten Polizisten, sagte: 'Dieser hinterhältige Angriff macht mich fassungslos. Gewalt gegen Polizeibeamte ist besonders niederträchtig.' Joachim Lenders von der Deutschen Polizeigewerkschaft bezeichnete die Täter als 'Unterschicht' und 'Abschaum'.
 

 

erschienen am 28.06.2010

 

 

Routine-Einsatz in Neuwiedenthal eskaliert

Straßen-Gang greift Polizisten an

Es begann wie ein Routine-Einsatz. Polizisten wollten einen Wildpinkler festnehmen. Doch plötzlich wurden sie von einer Horde von rund 30 jungen Leuten mit Flaschen

Steinen und Fußtritten attackiert. Am Ende mussten fünf Beamte in Krankenhaus - ein 46-Jähriger erlitt sogar lebensbedrohliche Kopfverletzungen. Die Betonburgen-Siedlung Neuwiedenthal. Kurz nach 21 Uhr bemerkte eine Streifenwagenbesatzung den Deutsch-Polen Mateusz W. (27). Er hatte am Rehrstieg ganz in der Nähe vor einer Mutter mit zwei Kindern seine Hose heruntergelassen.

Als von dem mutmaßlichen Wildpinkler die Personalien festgestellt werden sollten, rotteten sich plötzlich immer mehr junge Leute zusammen, bedrängten die Beamten. Die forderten verzweifelt Verstärkung an, waren mit der Situation offenbar völlig überfordert. Plötzlich flogen Flaschen, Steine auf die Polizisten.

Mehr als 30 Streifenwagen rasten nach Neuwiedenthal. Der Polizeihubschrauber "Libelle" stieg auf. Insgesamt 16 Personen (15-32) wurden festgenommen - fast alle wegen Gewaltdelikten polizeibekannt! Gegen sie wird jetzt wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperveletzung ermittelt. Denn vier Beamte mussten mit schweren Prellungen ins Krankenhaus. Ein Polizist (46) erlitt sogar lebensbedrohliche Brüche am Schädel. Vermutlich ein Tunesier hatte ihm direkt ins Gesicht getreten.

Joachim Lenders, Hamburger Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) kritisierte: "Es ist unfassabar, mit welcher Brutalität diese Straftäter, vorgegangen sind. Hier zeigt sich einmal mehr, dass mittlerweile ein gewaltbereiter Mob die Straße regieren kann, wenn sich abzeichnet, dass die Polizei zahlenmäßig unterlegen ist."

Polizeipräsident Werner Jantosch sagte: "Dieser brutale, hinterhältige Angriff macht mich fassungslos."

 

 

erschienen am 24.06.2010

 

 

Harburg hat zu wenig Polizisten auf der Straße  

 

Die traditionelle Ackersause am Schafshagenberg in Marmsdorf: Darauf hatten sich Torben Stein und Mit-Abiturienten des Immanuel-Kant-Gymnasiums wochenlang gefreut. Viele haben die Prüfungen gut überstanden, eine Schülerin hat einen Traumschnitt von 1,0 erreicht. Nun war es Zeit für die Party, die Stein mit anderen Schülern vorbereitet hat.

 

 

2000 Besucher hatten sich auf einer Wiese im Appelbüttler Tal eingefunden. Wie immer sorgte ein großes Polizeiaufgebot dafür, dass es friedlich blieb. Vier Zivilfahnder, drei Beamte vom Jugendschutz, elf Polizeibeamte von der Harburger Polizeiinspektion, zwei Diensthundeführer sowie zwölf Beamte vom Einsatzzug schlichteten Rangeleien, brachten Störenfriede zur Ruhe und hielten viele Betrunkene davon ab auszurasten. "Ich möchte nicht wissen, wie das hier abgehen würde, wenn wir nicht dabei wären. Man muss sich wirklich fragen, ob diese Feier mit all den sinnlos Besoffenen noch zeitgemäß ist", so ein Polizeibeamter, der vor Ort war. Seine Kollegen waren auch noch gegen Ende der Fete dort, damit es zu keinen Zwischenfällen kommt.

 

Pascal E., 22, verlässt gegen Mitternacht mit seiner Freundin, 21, und einem Bekannten, 23, das Gelände. Sie waren zuvor mit Matthias A., 27, in Streit geraten. Der 27-Jährige folgt ihnen. An der Bremer Straße, auf Höhe des Bäckers Schmidt, sticht A. den E. mit einem Messer nieder, verletzt auch noch den 23 Jahre alten Bekannten. A. rennt danach zu seiner nahe gelegenen Wohnung im Dachgeschoss eines Gebäudes an der Bremer Straße. Die Polizei kann dank Zeugenaussagen schnell reagieren und nimmt A. fest. Die Beamten kennen den 27 Jahre alten Türken schon. Im Mai wurde er aus der Haft entlassen, ist schon mehrfach wegen Messerstechereien aufgefallen, ist Drogenkonsument, wird von der Polizei als aggressiv und gefährlich eingestuft. Während A., der betrunken ist, zur Wache gebracht wird, stirbt E. kurz nach der Einlieferung im Krankenhaus.

 

Erst vor einigen Wochen hatten zwei türkischstämmige Jugendliche vier Passanten im Tunnel an der Neuen Straße überfallen und einen körperbehinderten Radler schwer verletzt. Kurz darauf wurden Leichenteile an der Harburger Poststraße gefunden. Der Täter lag mit Stichverletzungen am Harburger Bahnhof. 

Im vergangenen Jahr hatten Jugendliche mit Migrationshintergrund einen Winsener Dachdecker am Harburger Bahnhof erschlagen. Wird der Stadtteil zur Hochburg für Gewaltverbrechen?

 

"Schon die Zusammenlegung der beiden Polizeikommissariate 2008 und dann die Auflösung der Präsenzgruppe am Harburger Polizeikommissariat haben dafür gesorgt, dass in Harburg weniger Polizeibeamte sind", sagt Joachim Lenders, Sprecher der Polizeigewerkschaft. Außerdem sind auch Harburger Beamte bei der 200 Mann starken Florian-Ermittlungsgruppe dabei, die den Autobrandstiftern auf die Spur kommen soll. "Dann wird es eng bei Einsatzlagen, wie wir sie in Harburg aufgrund der Ackerfete hatten. Es sind nicht genügend Beamte für den Streifendienst da", sagt Lenders. Und es werde unsicher in den Straßen des Stadtteils.

 

Ein weiteres Problem zeigt die Statistik: "Die Anzahl schlimmer Gewalttaten hat auch in Harburg zugenommen - bei der knappen Besetzung in den Revieren eine fatale Entwicklung", so Lenders. Es sei kein Wunder, dass sich Bürger unwohl fühlen.

 

"Harburgs Polizei muss sofort mit mehr Personal ausgestattet werden", sagt Immo von Eitzen, FDP-Abgeordneter in der Bezirksversammlung. Es sei zu prüfen, ob es zu viele Stellen im Innendienst gebe. "Diese Kräfte müssen auf die Straße, um Streife zu fahren."

 

CDU-Kreischef Ralf Dieter Fischer hält die Entwicklung für kein speziell Harburger Phänomen. "Das kann auch auf der Reeperbahn passieren. Bei dem aktuellen Vorfall handelt es sich um eine Art Spontandelikt."

 

Unterdessen hat Torben Stein gestern sein Abiturzeugnis in Empfang genommen. So ganz unbeschwert und glücklich ist er nicht. "Wir sind sehr traurig, dass einer der Gäste nach unserer tollen Fete zu Tode gekommen ist."

 

 

 

 

ersicheinen am 18.06.2010

 

 

Gewerkschaften laufen Sturm gegen die Senats-Sparpläne

 

Polizeigewerkschaft wirft Beust Missbrauch des Beamtenrechts und Wortbruch vor

 

Gewerkschaften haben die Sparpläne des schwarz-grünen Senats als Willkür kritisiert und scharfe Proteste angekündigt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) warfen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gestern einen Missbrauch des Beamtenrechts und Wortbruch vor. Der Regierungschef hatte am Mittwoch in der Bürgerschaft angekündigt, dass den Beschäftigten im öffentlichen Dienst wegen der desolaten Haushaltslage das Weihnachtsgeld gekürzt oder ganz gestrichen werde. Insgesamt will der Senat die Ausgaben des Stadtstaates 2011 um rund 510 Millionen Euro kürzen. Der Wirtschaftsrat der CDU begrüßte dagegen die Sparbeschlüsse des Senats. „Als Tarifpartei werden wir nicht hinnehmen, dass ein Bürgermeister wie ein Gutsherr verkündet, was einen Bediensteten zusteht und was nicht“, sagte Hamburgs Ver.di-Chef Wolfgang Rose. Unter diesen Voraussetzungen müssen das Beamtenrecht geändert werden. „Das Verhandlungs- und Streikrecht muss für alle Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes gelten, ob angestellt oder verbeamtet.“ Rose kritisierte die Sparbeschlüsse scharf, wonach 100 Millionen Euro beim Personal und 150 Millionen Euro durch Effizienzsteigerungen bei Verwaltung und öffentlichen Betrieben erzielt werden sollen. Die restlichen 260 Millionen Euro sollen die Behörden laut Beust bis zum Herbst in ihren Ressorts einsparen. Hamburgs DGB-Chef Uwe Grund fordert Beust auf, über Mehreinnahmen nicht nur laut nachzudenken, sondern im Bundesrat zu handeln und den Spitzensteuersatz wieder auf das Niveau zu Helmut Kohls Zeiten anzuheben und die Erben der Superreichen zu besteuern. Außerdem müsse er dafür sorgen, dass Milliardeneinkünfte nicht mehr an der Steuer vorbeigeschleust werden können. Die Kürzung des Weihnachtsgeldes kritisierte Grund scharf. „Zusammen mit Stellenstreichungen und Mehrarbeit wird, wenn das Sparpaket erst richtig geschnürt ist, ein Protest erwachse, wie ihn dieser Senat nicht besser verdient.“ Nach Ansicht der Deutschen Polizeigewerkschaft hat Bürgermeister Beust das Vertrauen seiner Beamten missbraucht. Noch vor wenigen Monaten habe Beust erklärt, dass bei den Beamten genug gespart worden sei. Genau dies wolle der Senat nun tun, obwohl er dies eigentlich gar nicht könne. Die Bezahlung der Beschäftigten werde nicht per Gesetz, sondern per Tarifvertrag geregelt, betonte die DPolG. Sie wies darauf hin, dass der schwarz-grüne Senat durch seine Leuchtturmprojekte über seine Verhältnisse gelebt habe. Der Hamburger Vorsitzende des CDU Wirtschaftsrats Matthias Leutke nannte die Sparbeschlüsse dagegen „gut und richtig“. „Wenn wir heute nicht bereit sind, verstärkte Einschnitte in der Struktur des Betriebskostenhaushaltes vorzunehmen, dann rollt ein Tsunami zur Konsolidierung auf uns zu.“ Die GAL begrüßte vor allem Beusts Ankündigung, sich für einen höheren Spitzensteuersatz einzusetzen. „Wir freuen uns, dass sich Ole von Beust mit seinem Vorstoß unserer grünen Forderung angeschlossen hat und werden ihn nach Kräften unterstützen“, erklärte Hamburgs Grünen Chefin Katharina Fegebank. Die nicht im Parlament vertretene FDP verlangte ein neutrales Spargutachten für den Hamburger Haushalt. Der schwarz-grüne Senat habe sich mit seinem Haushalt in eine ideologische Einbahnstraße verirrt, aus der er aus eigener Kraft nicht mehr hinausfinde, sagte FDP-Chef Rolf Salo.

 

erschienen am 18.06.2010

SPARHAMMER
Jetzt brennt's lichterloh!

Bürgermeister Ole von Beust (CDU) lässt den Sparhammer kreisen. Prompt brennt's an vielen Stellen lichterloh, bahnt sich massiver Protest an.

510 Millionen sollen in den kommenden Jahren eingespart werden, verkündete Beust in seiner Regierungserklärung. Die Betroffenen sind empört. BILD druckt die Wut-Liste.

Die Beamtengewerkschaft Komba fordert Beusts Rücktritt. Grund: die angekündigten Einschnitte beim Weihnachtsgeld. Komba-Chef Horst Weidemann: "Viele von uns haben das als schallende Ohrfeige empfunden."

Trabrennfreunde fürchten: Unser Sport wird totgespart! Durch die Streichung der Doppelrennbahn in Horn verlieren die Traber spätestend 2015 ihre Heimat in Bahrenfeld, weil der Senat das Gelände in Autobahnnähe verkaufen will, um den A 7-Deckel zu finanzieren. Der sportpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Wolfhard Ploog: "Bei dem Gedanken blutet einem das Herz. " Sein Vorschlag: "Vielleicht können die Traber ja nach Elmshorn ausweichen." Die Bahn dort ist vor drei Jahren geschlossen worden.

Die Polizeigewerkschaften warnen: keine Politik auf Kosten der Beamten! DPolG-Chef Joachim Lenders: "Mit den Sparplänen bricht Ole von Beust sein Wort. Statt Polizisten ist Portemonnaie zu greifen, sollte er lieber Leuchtturmprojekte beerdigen." Hamburgs BDK-Chef André Schulz: "Wir erwarten, dass die Weihnachtsgeld-Kürzung umgehend zurückgenommen wird."

Der CDU-Wirtschaftsrat mahnt dringend den Verzicht auf das teure Stadtbahn-Projekt an. Chef Matthias Leutke: "Das Kostet mindestens 200 Millionen Euro, ist derzeit nicht darstellbar."

Die Galopp-Sportler sind wütend. Seit 2007 zahlt die Stadt pro Jahr 400.000 Euro beim Deutschen Derby in Horn dazu, weil Sponsorengelder und Wetteinnahmen zurückgingen. Gestrichen! Rennclubpräsident Eugen-Andreas Wahler: "Ich war überrascht, bin niedergeschlagen. Das Derby ist gefährdet."

Die Tennisfans zittern ums Traditionsturnier am Rothenbaum (läuft dieses Jahr zum 104. Mal). Mit rund 200.000 Euro sponsorte die Stadt die Veranstaltung. Vorbei! DTB-Präsident Georg von Waldenfels hofft noch: "Das Turnier muss eine Zukunft haben."

erschienen am 16.06.2010

 

200 Beamte jagen Nacht für Nacht die Autozündler in Hamburg. Ohne Erfolg: Wieder brannten Autos, wieder entkamen die Täter. Jetzt packt ein Beamter aus: „Diese Taktik bringt gar nichts!“

 

Seit zwei Monaten sind sie auf der Jagd. Jede Nacht. 200 Polizisten der Soko „Florian“, die Autobrandstifter fangen soll. Bisher ohne Erfolg. Polizeiintern wurde die Truppe schon umgetauft in „Soko Sinnlos“.

Am Dienstag brannten wieder neun Autos – diesmal in Hohenfelde. Jetzt packt in der MOPO ein Beamter aus, fordert den Stopp des Mega-Einsatzes, weil er zu einer extremen Überlastung der Polizei führt und nichts bringt. Im Gegenteil: Wer 110 wählt, muss bei Routineeinsätzen eventuell mehrere Stunden warten, bis ein Streifenwagen kommt.

Tobias H. (Name geändert) ist 29 Jahre alt und seit fast zwölf Jahren Polizist. Nacht für Nacht sitzt er zusammen mit einem Kollegen zwischen 21 und 7 Uhr in einem Zivilwagen. Bis zu 60 solcher Fahrzeuge der „Ermittlungsgruppe Florian“ sind nachts unterwegs, um die Autobrandstifter zu fassen.

Tobias H.: „Dass etwas gemacht werden muss, ist uns klar. Aber so geht es nicht weiter. Das gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Auf der anderen Seite gibt es kaum Einsätze gegen Gewalttäter auf dem Kiez, wird kaum noch nach Einbrechern oder Dealern gefahndet.“

Vor allem Bereitschaftspolizisten haben bisher die Beamten auf den Revieren regelmäßig unterstützt. Seit dem Dauer-Großeinsatz gegen die Autozündler fällt diese Unterstützung komplett weg. Obermeister H.: „Das ist nicht hinnehmbar. An den Polizeikommissariaten können zeitnah nur noch die dringendsten Einsätze gefahren werden.“

Aktuell gab es an diesem Wochenende bei Routineeinsätzen wie Ruhestörung oder bei Unfällen ohne Verletzte Wartezeiten von bis zu vier Stunden! Die Streifenwagen hetzten teilweise mit Blaulicht nur noch von Einsatz zu Einsatz. Normale Streifenfahrten fallen völlig flach.

Joachim Lenders, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft: „Das Personalproblem in der Polizei ist eklatant. Ständig neue Sokos lindern vielleicht die Not der Politik, die dann nicht ganz so dumm in der Öffentlichkeit dasteht und Tatkraft demonstriert, dem Problem werden sie nicht gerecht, und den Tätern wird die Polizei so nicht Einhalt gebieten.“

 Polizeisprecher Ralf Meyer kontert: „Es ist uns bewusst, dass der Einsatz gegen die Autobrandstifter ein Kraftakt ist, die Mindesteinsatzstärke an den Polizeikommissariaten wird aber nicht angetastet.“ Meyer verweist darauf, dass die Soko-Leute nebenbei auch andere Straftäter fassen.

 

 

erschienen am 11.06.2010

 

Streit um Verkauf der Roten Flora

"Blanker Irrsinn" So urteilt Joachim Lenders, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), über einen möglichen Rückkauf der Roten Flora durch den Senat. Lenders: Ich bin strikt gegen eine staatlich finanzierte Spielwiese
für Linksautonome." Wenn der derzeitige Eigentümer der Roten Flora, Klausmartin Kretschmer, einen Käufer habe, solle man ihn verkaufen lassen.

Hintergrund: Wie BILD berichtete, behauptet Kretschmer, ein US-Sicherheitskonzern sei an der Roten Flora interessiert, biete 19 Millionen Euro. In vertraulichen Gesprächen soll Kretschmer jedoch gleichzeitig signalisiert haben, dass er am liebsten an die Stadt verkaufen würde.

SPD-Innenexperte Dr. Andreas Dressel will nun vom Senat wissen, ob es mit Kretschmer Verhandlungen gibt, ob der Senat ein langfristiges Konzept für den Umgang mit der Roten Flora hat, ob Kretschmer die Flora nur mit Zustimmung des Senats und der Bürgerschaft an Dritte verkaufen kann.

Im Internet machen Sympathissanten der Roten Flora schon jetzt mobil für den Fall des Verkaufs: "Ein Räumungszenario wird nicht ohne massiven Widerstand stattfinden".

 

 

 

erschienen am 02.06.2010

 

Die Polizei wählt den Notruf

Der Polizei reicht's. Der Personalrat lehnt Schwerpunkteinsätze gegen die Brandstifter ab und fordert Verstärkung aus anderen Ländern

Akten können nicht mehr bearbeitet werden, Vernehmungen werden verschoben: Der Polizei reicht's. Der Personalrat hat gestern eine Fortführung der nächtlichen Einsätze gegen die Autobrandstifter abgelehnt. Begründung für den ungewöhnlichen Vorgang: Die Arbeitsbelastung ist zu hoch. Die Polizei ist offenbar am Ende ihrer Kräfte. Zwar wird die "Besondere Ablauforganisation (BAO) Florian" - unter diesem Titel läuft der allnächtliche Einsatz von 200 Beamten - vorläufig weitergehen. Aber Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) ist nun gezwungen, innerhalb von zwei Wochen die Schlichtungsstelle anzurufen. Dort muss eine einvernehmliche Lösung her. Und die könnte teuer werden. Der Personalrat fordert bereits, "für einen längerfristigen Zeitraum auswärtige Einheiten im Hamburger Stadtgebiet einzusetzen". Das heißt im Klartext: Hamburg soll sich Polizisten in anderen Bundesländern ausleihen.

Bei der Sitzung des 25-köpfigen Personalrats, die gestern um 9 Uhr begann, war der Artikel Pflichtlektüre. Mehr als 800.000 Überstunden schieben die Polizisten vor sich her - schon seit mehr als vier Jahren. Und: Ein Abbau dieses gewaltigen Bergs ist nicht in Sicht. Zwar wurden im Mai eine Million Euro bewilligt, um Überstunden zu bezahlen. Allerdings reicht das nur für etwa 60.000 Stunden. Dabei hat die Polizei allein im Mai unter anderem wegen "Florian" rund 150.000 neue Überstunden aufgebaut.

Diese Situation hat gestern im Personalrat dazu geführt, dass eine Art Brandbrief verabschiedet wurde. Darin heißt es unter anderem: "Im Streifendienst kommt es in der zeitlichen Aufarbeitung von Einsätzen zu beachtlichen Zeitverzögerungen. Die Kollegen im Kriminalermittlungsdienst und in den Verkehrsabteilungen, aber auch in anderen Bereichen der Polizei werden im Regelfall zwei Tage aus ihrem Alltagsauftrag herausgenommen. Dies führt dazu, dass Akten nicht oder nur schleppend bearbeitet werden. Vernehmungen werden verschoben, und mögliche Fristen könnten verstreichen. Das Alltagsgeschäft leidet erheblich." Freie Tage sind für Polizisten kaum noch zu bekommen: "Freiwünsche können weder kurz- noch langfristig mehr gewährleistet werden."

Seit dem 20. April gibt es die Kommission "Florian". Ziel: Die Beamten sollen diejenigen schnappen, die nachts immer wieder Autos in Brand setzen. Bislang ist allerdings nichts erreicht worden. Anfangs waren nachts 13 Funkstreifenwagen und drei Züge der Landesbereitschaftspolizei unterwegs, seit dem 11. Mai sind es vier Züge, 23 Funkstreifenwagen, 20 zivile Wagen und der Polizeihubschrauber. Hinzu kommt die Führungsgruppe des jeweils zuständigen Polizeikommissariats.

Laut Personalrat mussten dabei auch Leute Dienst tun, "die bereits jetzt 560 Überstunden vor sich herschieben". Außerdem fehlen die Streifenwagen, die für "Florian" eingesetzt werden, in den Polizeiwachen. Die personelle Notlage hat nach Informationen des Abendblatts auch schon dazu geführt, das nachts Beamte aus den Werkstätten, vom zentralen Personaldienst und sogar aus dem Cuxhavener Revier der Hamburger Wasserschutzpolizei auf Brandstifterjagd gegangen sind. Wie geht es jetzt weiter? Wenn es in der Schlichtungsstelle nicht zu einer Einigung zwischen Personalrat und Innensenator kommen sollte, muss die Einigungsstelle entscheiden.

 

Dort hat ein "Einiger" das letzte Wort - etwa ein angesehener Politiker oder Richter. Er muss dann festlegen, wie die Überstunden abgebaut werden.

Die Innenbehörde kommentierte das Veto des Personalrats gestern wie folgt: "Es ist natürlich unbestritten, dass auch die Polizei momentan durch besondere Einsätze wie rund um den 1. Mai oder auch bei der Jagd nach den Autobrandstiftern personell sehr stark gefordert ist. Die Behördenleitung geht davon aus, dass sich alle Beteiligten ihrer Verantwortung für die Menschen in unserer Stadt bewusst sind", sagte Behördensprecher Thomas Butter.

 

Diese Verantwortung sehen auch die Polizeigewerkschaften. "Aber der bisherige Lösungsweg, immer mehr Überstunden zu machen, ist nicht akzeptabel", sagt der DPolG-Chef Joachim Lenders. Die Forderung des Gewerkschafters: "Wir müssen mindestens eine Hundertschaft aus einem Nachbarland ausleihen."

 

 

 

 

erschienen am 01.06.2010 

 

Kollegen können sich auf schlimme Zeiten gefasst machen

Viele Polizisten sind frustriert: Seit mehr als vier Jahren schieben sie einen gewaltigen Überstundenberg vor sich her. Besserung ist nicht in Sicht.

Gut 800.000 Überstunden schieben Hamburgs Polizisten vor sich her. Seit mehr als vier Jahren ist das so. Jetzt können einige dieser Stunden bezahlt werden. Die Innenbehörde hat eine Million Euro bereitgestellt, um die Arbeit der Ordnungshüter endlich zu entgelten. Polizei-Pressesprecher Ralf Meyer bestätigt: "Das Geld ist da."

Gut 800.000 Überstunden: Das entspricht etwa der Jahresarbeit von 400 Polizisten - wenn sie jeden Tag pünktlich Feierabend machen würden. Eine nennenswerte Reduzierung dieses Bergs ist mit einer Million Euro aber offenbar nicht möglich. Freddi Lohse vom Vorstand der Gewerkschaft DPolG sagt: "Das Geld reicht für rund 60.000 Überstunden. Allein im Mai sind aber nach unserer Schätzung 150.000 neue Überstunden dazugekommen. Wenn wir die Serie von Autobrandstiftungen nicht schnell beenden, sehe ich die Gesundheit einiger Kollegen in Gefahr. Eigentlich brauchen wir 300 bis 500 zusätzliche Beamte."

Die nächtlichen Einsätze der "Besonderen Ablauforganisation Florian" - so die interne Bezeichnung - belasten die Polizei seit gut fünf Wochen. Erst waren es 100, nun sind es sogar 200 Polizisten, die unterwegs sind, um die Brandstifter festzunehmen. Gelungen ist das bislang noch nicht. Einige Sondereinsätze kamen im Mai noch hinzu, zum Beispiel die Krawalle im Schanzenviertel und die Absicherung der Innenministerkonferenz in Hamburg. Ob sich die Beamten die Überstunden bezahlen lassen wollen, können sie selbst entscheiden. Die bei vielen Polizisten eigentlich beliebtere Alternative heißt: abbummeln.

Angesichts der momentanen Arbeitsbelastung ist dies natürlich schwierig. Einer Anfrage des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Andreas Dressel vom Februar ist zu entnehmen, dass zwar Monat für Monat Überstunden abgebummelt werden. Die Zahlen bewegten sich im Jahr 2009 zwischen 35.000 und 51.000. Weil jedoch jeden Monat auch neue Überstunden hinzukommen, ändert sich an der Gesamtmenge wenig. Schon Ende Januar 2006 hatte die Polizei 823.000 Überstunden vor sich her geschoben. Seit Anfang 2006 bis jetzt ist dieser Wert nur in einem einzigen Monat unter die 800.000er-Grenze gefallen - im Mai 2006. Und das, obwohl in den vergangenen Jahren immer mal wieder zusätzliches Geld investiert wurde, um Mehrarbeit abzugelten.

Andreas Dressel, der innenpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, moniert: "Die Bereitschaftspolizisten kommen nicht mehr aus den Stiefeln." Es sei jetzt erst einmal wichtig, dafür zu sorgen, dass nicht immer mehr Überstunden hinzukämen. "Da geht es dann auch darum, Personal von den Verwaltungsbereichen in den Vollzugsbereich umzuschichten", sagt er.

Da helfe die aktuelle Auszahlung von einer Million Euro wenig. Ohnehin haben diese gelegentlichen Geldanweisungen - im vergangenen Jahr sollen es zwei Millionen Euro gewesen sein - für Hamburgs GdP-Chef Uwe Koßel nur Alibi-Charakter. "Natürlich ist es gut, dass jetzt Geld da ist", sagt er. "Aber es ist doch jedes Jahr die gleiche Prozedur. Kurz vor Erreichen der Grenze von einer Million Überstunden wird Geld lockergemacht, damit die Medien keine Schlagzeile bekommen."

Freddi Lohse von der Konkurrenzgewerkschaft DPolG befürchtet, dass die Zahl der Überstunden in den kommenden Wochen und Monaten noch deutlich anwachsen wird. "Nach der Kritik an der Einsatztaktik der Polizei bei den Krawallen im Schanzenviertel ist die Polizeiführung doch übervorsichtig", meint er. "Da werden jetzt bei jedem Einsatz jede Menge Reserven vorgehalten. Die Kollegen können sich auf schlimme Zeiten gefasst machen.

 

 

 

erschienen am 20.05.2010

 

Polizeigewerkschafter sagt Diskussion um Gewalt ab

Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft hat eine Podimunsdiskussion der "taz" im Schanzenviertel zum Thema Polizei und Gewalt abgesagt.

Als Grund gab Lenders gestern Internetaufrufe zur Störung der Veranstaltung an. "Laut Lagebeurteilung der Polizei wären fünf Hundertschaften aufgeboten worden, um die Sicherheit zu gewährleisten", sagt Lenders. Sein Erscheinen würde die ohnehin schon hohe Belastungssituation seiner Kollegen noch einmal verschärfen.

Dies wolle er durch seine Absage verhindern. "Ich halte es für unerträglich, dass ignorante Chaoten ihren Statdteilteror immer weiter ausdehnen können", so Lenders.

 

 

 

erschienen am 20.05.2010

Wegen Gewaltdrohungen: Lenders sagt Diskussionsteilnahme ab

 

Zum Thema "Polizei und Gewalt" sollte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders, bei der Veranstaltungsreihe "taz salon" dabei sein. Jetzt ist die Veranstaltung geplatzt. Chaoten hatten angekündigt, die im Kulturhaus 73 am Schulterblatt geplante Veranstaltung massiv zu stören.

 

"Wir laden alle Chaotinnen und Chaoten ein, diesem einmaligen Event beizuwohnen", heißt es in dem Aufruf. "Ich habe keine Angst und lasse mich nicht einschüchtern", sagt Lenders. "Ich will und werde aber meinen Kollegen angesichts der ohnehin besonders hohen Belastung nicht deswegen zusätzliche Mehrarbeit zumuten." Die hätte gleich Hunderte Beamte betroffen. Laut einer Lagebeurteilung der Polizei sollten für den Schutz dieser Veranstaltung fünf Einsatzhundertschaften aufgeboten werden, um einen sicheren Veranstaltungsablauf gewährleisten zu können. "Ohne diese Gewaltankündigung wäre es für mich selbstverständlich gewesen, der Einladung zu folgen", sagt Lenders. "Dass bei einer solchen Diskussion differenzierte, auch gegensätzliche Meinungen aufeinandertreffen können, ist für mich eine demokratische Selbstverständlichkeit. Dem hätte ich mich gern gestellt."

 

erschienen am 20.05.2010

 

Nach Gewaltdrohung, Diskussion in der Schanze abgesagt!

 

Weil Protestler im Internet dazu aufgerufen hatten, die Veranstaltung zu stören, hat der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders, eine Podiumsdiskussion abgesagt. Das Thema: "Polizei und Gewalt".

Die Podiumsdiskussion im Rahmen des "taz salons" sollte heute direkt neben der Roten Flora im Kulturhaus 73 am Schulterblatt (Sternschanze) stattfinden. Schon vor Tagen wurde im Internet zu Protesten aufgerufen. "Verschiedene Gruppen nehmen diese Veranstaltung zum Anlass, die Proteste gegen die Innenministerkonferenz etwas frühzeitiger zu beginnen. Wir wissen nicht, was die ,taz' geritten hat, einem Scharfmacher wie Lenders ein Forum zu bieten. Wir laden alle Chaotinnen und Chaoten ein, diesem einmaligen Event beizuwohnen", heißt es auf der alternativen Medienplattform "Indymedia" im Internet.

Seine Absage zu der Veranstaltung erklärt Joachim Lenders so: "Für den Schutz dieser Veranstaltung und meiner Person sollten etwa 650 Beamte aufgeboten werden. Die Belastungssituation meiner Kollegen ist in den vergangenen Wochen exorbitant gestiegen, sodass es unverantwortlich für mich ist, diese nochmals zu verschärfen." Allerdings wolle er sich "von ein paar Chaoten bestimmt nicht einschüchtern lassen". Er halte es für unerträglich, dass ein Mob von ignoranten Chaoten ihren Stadtteilterror immer weiter ausdehnen könne.

Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) unterstützt Lenders. "Die Entscheidung verdient Respekt. Es ist bedauerlich, dass er die Teilnahme an der Veranstaltung absagen musste."

 

erschienen am 19.05.2010

Senat schweigt - Opposition bestellt Regierung "zum Rapport"

Im Innenausschuss soll der Fall aufgeklärt werden

 

Der Senat will die Hintergründe des Falls des "S-Bahn-Killers" Elias A. nach eigenem Bekunden zwar aufklären. Offen zu dem Fall und der kriminellen Karriere des jugendlichen Täters äußern mochte sich am Dienstag von den Hamburger Behördenspitzen jedoch niemand. Justizsenator Till Steffen (GAL) lehnte eine Stellungsnahme zu dem Fall und der Rolle der Hamburger Justiz weiterhin ab. Auch die Sozialbehörde schweigt: Inwieweit der mutmaßliche Täter vom Jugendamt betreut wurde, will die Behörde unter Verweis auf Datenschutz nicht preisgeben. Einzig Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) hatte in der WELT Stellung bezogen und gefordert, jugendliche Intensivtäter wie Elias A. müssten schnell mit Strafen rechnen.

 

Jetzt soll eine behördenübergreifende Kommission den Fall aufarbeiten. Mit Ergebnissen wird allerdings erst in einigen Wochen zu rechnen sein. "Das schlechte Gewissen ist deutlich spürbar", sagt der SPD-Innenpolitiker Andreas Dressel. "Wir werden darauf drängen, dass der Senat im Innenausschuss Auskunft erteilt. Dort erwarten wir die Senatoren zum Rapport." Die Aufarbeitung müsse auch gegenüber Parlament und Öffentlichkeit passieren und nicht nur am grünen Tisch der Behörden. Einen entsprechenden Antrag der SPD auf Selbstbefassung im Ausschuss sei in Vorbereitung.

 

Dressel nimmt auch das "Protäkt-Programm" der Justizbehörde für jugendliche Schwerstkriminelle in den Fokus: In einer Senatsanfrage will er das Programm genau hinterfragen. Es müsse geklärt werden, ob dieses Programm durch seinen Ansatz wirklich zukünftige Straftaten verhindern könne. Dressel: "Hierzu müssen die Zahlen auf den Tisch. Zumindest in diesem Fall hat das Senatsversprechen der "Manndeckung" zur Vermeidung weiterer Straftaten erkennbar nicht funktioniert." Dressel erwartet, dass der Senat über den Erfolg des Programms auch wirklich Auskunft geben müsse, denn es müsse auch eine Evaluation dieser Maßnahmen geben. Bei der Vorstellung des Programms im Mai 2007 hatte der damalige Justizsenator Carsten Lüdemann (CDU) noch erklärt, gerade im Bereich der Jugendkriminalität sei es wichtig, den Tätern klare Grenzen aufzuzeigen und Strafen auf dem Fuße folgen zu lassen. Auch Justizsenator Steffen hatte sich wiederholt für das Programm ausgesprochen.

 

Den Blick auf die Opfer richtet Joachim Lenders, Landesvorsitzender der deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). "Es ist natürlich ein Einzelfall. Er zeigt aber auch, dass es Täter gibt, bei denen Hopfen und Malz verloren ist. Sie sind tickende Zeitbomben, die aus einem lächerlich nichtigen Anlass explodieren." Hier müsse der Schutz der Menschen vorgehen. "Der Präventionsgedanke muss dann hinter der Repression kommen", so Lenders. "Die Gesellschaft muss vor solchen Leuten wirksam geschützt werden."

 

erschienen am 12.05.2010

Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) erhöht nach der Serie von Brandanschlägen auf Autos den Fahndungsdruck auf die Täter. Ab sofort werden nachts weitere 100 Polizisten auf den Straßen patrouillieren. "Diese werden unter anderem auch in Uniform unterwegs sein, um sowohl das subjektive Sicherheitsgefühl zu erhöhen als auch um präventiv zu wirken", sagte Ahlhaus im Abendblatt-Interview. Bereits vor drei Wochen war eine 100 Beamte starke Fahndungsgruppe ins Leben gerufen worden. "Das ermöglicht uns, mit mehr Beamten in mehr Stadtteilen präsent zu sein." Seit Jahresbeginn sind bei 55 Brandstiftungen 130 Autos beschädigt worden. Zusätzlich wird auch der Polizeihubschrauber wieder über der Stadt kreisen. Diese Maßnahme war im September nach nur wenigen Tagen wieder aufgegeben worden, weil Anwohner sich über den Lärm beschwert hatten. Der Innensenator begründet den erneuten Helikopter-Einsatz damit, dass die Festnahme der Täter Priorität habe. Es sei besser, von Rotorgeräuschen gestört zu werden als durch "platzende Reifen und berstende Scheiben brennender Autos".

 

Außerdem erhöht Ahlhaus die Belohnung für Hinweise, die zur Festnahme von Autobrandstiftern führen, von 2500 Euro auf 20.000 Euro. Dies sei "ein klares Signal an die Menschen dieser Stadt", sagte Ahlhaus. "Wir wollen die Brandstifter kriegen. Und wir werden sie kriegen. Wir werden diesem Spuk ein Ende bereiten." Bei den Polizeigewerkschaften stoßen die Beschlüsse von Ahlhaus auf wenig Gegenliebe. Uwe Koßel, Hamburg-Chef der Gewerkschaft der Polizei, hält die Maßnahmen für übertrieben. "Das ist rücksichtslos gegenüber den Kollegen und den Bürgern." Anderen Aufgaben, etwa der Aufnahme von Unfällen, könne dann nur bedingt nachgegangen werden. Joachim Lenders, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, hält den Einsatz von nun 200 Beamten zwar für grundsätzlich notwendig. "Doch wir sind personell überlastet. Die Mehrarbeit ist unverantwortlich." Allein im Mai kommen 150.000 Überstunden zusammen, schätzt Lenders. Er fordert Unterstützung aus anderen Bundesländern. André Schulz, Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, spricht von "blindem Aktionismus von Politik und Polizeiführung".

 

Als Konsequenz aus den Krawallen rund um den 1. Mai im Schanzenviertel will Ahlhaus jetzt das Gespräch mit den Bewohnern suchen. "Ich reiche ihnen die Hand zu einem gesellschaftlichen Schulterschluss", sagte der Senator. Er würde sich freuen, wenn auch vonseiten der Bewohner "manche ideologische Scheuklappe abgelegt würde und wir uns an einen Tisch setzen".

Die Polizei hat nach Ahlhaus' Angaben in den beiden Nächten um den 1. Mai 77 zumeist junge Menschen im Schanzenviertel festgenommen. Nur 16 von ihnen gehören der linksextremistischen Szene an. "Der Rest sind junge Leute ohne politischen Bezug, die bislang keine Straftaten verübt haben", sagte der CDU-Politiker. Zwei Drittel der Straftäter sind Hamburger, die anderen kommen aus dem Umland. Ahlhaus: "Hier spielen offensichtlich junge Menschen ohne jede politische Motivation Räuber und Gendarm in einer erschreckenden Realität."

 

 

erschienen am 12.05.2010

Immer mehr Schrott-Laster unterwegs

 

Kaputte Bremsen, übermüdete Fahrer. Die Polizei warnt: Auf Hamburgs Straßen sind immer mehr Schrott-Laster unterwegs. Grund: Gerade Schwertransporte werden in den meisten Fällen nicht kontrolliert.

 

Zwar sind die Beamten verpflichtet, die Brummis zu überprüfen, bevor sie durch Hamburg fahren, doch sie würden Mängel nicht erkennen. Den Polizisten fehlt eine Ausbildung.

"Die Zahl der Schwertransporte ist dramatisch gestiegen", sagt Joachim Lenders, Landes-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Monatlich müssen die Beamten etwa 300 Transporte begleiten. Sie übernehmen die Laster nachts in Höhe der Raststätte Holmmoor an der A7. Zwar müssten die Polizisten die Brummis vorher kontrollieren, allerdings ist auf dem Parkplatz kein Platz, sodass sie die Transporte bei voller Fahrt übernehmen. Nicht das einzige Problem: Selbst wenn Platz wäre, könnten die Beamten die Kontrollen nicht professionell durchführen, da ihnen eine Ausbildung fehlt. "Das sind Polizisten von den Wachen, die keine notwendigen Lehrgänge bekommen haben. Wir fordern, dass diese Arbeit ab sofort von Polizei-Angestellten übernommen wird, die speziell geschult sind", so Lenders.

Dass das nötig ist, zeigt eine kürzlich durchgeführte Kontrolle von Schwertransporten. Mehr als 90 Prozent der Laster hatten Mängel. Darunter ein mit Sprengstoff beladener Lkw, dessen gefährliche Ladung in keiner Form gesichert war.

"Hinzu kommt, dass die Beamten haftbar gemacht werden können." Wenn sich zum Beispiel wegen schlechter Ladungssicherung ein Unfall ereignet, tragen die Beamten eine Mitschuld, da sie nicht kontrolliert haben.

 

 

erschienen am 06.05.2010

 

Die Brennpunkte der Hamburger Polizei

 

Schon wieder standen in der Hansestadt Autos in Flammen. Die Belohnung soll steigen. SPD und Gewerkschaften kritisieren Personalpolitik.

 

Hamburg. Schlechter könnten die Zeiten für Innenbehörde und Polizei kaum sein. Woche für Woche sehen sich die Behörden mit schlechten Nachrichten über die Sicherheit in der Stadt konfrontiert: eine Autobrandstifter-Serie, gestiegene Einbruchszahlen und Fehleinschätzungen der Mai-Krawalle. Dazu die harsche Kritik der Polizeigewerkschaften - und eine Opposition, die jede Form von Schwäche genüsslich auskostet.

 

Es bleibt kaum eine Verschnaufpause. Was fehlt, ist ein Erfolgserlebnis. Nur zwei Wochen nach der Einführung einer 100 Beamte starken Fahndungsgruppe gegen Autobrandstifter geht die Serie mit ungebremster Kraft weiter. Erneut haben unbekannte Brandstifter in der Nacht zum Mittwoch zwölf Autos beschädigt und größtenteils komplett zerstört. Zunächst gingen um 2.30 Uhr am Pilatuspool (Neustadt) - einer Parallelstraße zum Holstenwall - ein zehn Jahre alter Porsche Carrera und ein Audi A4 in Flammen auf. Zwei weitere Wagen wurden durch die Hitze beschädigt.

 

Nur zwei Stunden später brannten Autos im Stadtteil Hummelsbüttel - zum zweiten Mal innerhalb von nur zwei Wochen. Am Poppenbütteler Stieg standen in drei gegenüberliegenden Carports fünf Wagen in Flammen. Auch die Unterstände fingen Feuer. Die Flammen drohten auf die Häuser überzugreifen. Am Straßenrand brannten drei weitere Autos. Anwohnern gelang es noch, einen Wagen und ein Motorrad vor dem Niederbrennen in Sicherheit zu bringen. Es waren dieselben Bilder wie 14 Tage zuvor am 1,4 Kilometer entfernten Kirchenredder. Auch dort brannten Autos aus, Carports standen in Flammen. Es bestand Lebensgefahr für die Anwohner.

 

"Es scheint keine Hemmungen mehr zu geben", sagte Polizeipräsident Werner Jantosch damals und richtete die Gruppe der Sonderermittler ein. Diese ist seitdem jede Nacht in einem anderen Stadtteil unterwegs. In der Nacht zum Donnerstag observierte sie die Straßen rund um die Alster. Freddi Lohse, stellvertretender Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), hält das Konzept für verbesserungswürdig. Er fordert zusätzliche Beamte aus anderen Bundesländern. "Sie sollten die Hamburger Polizei längerfristig unterstützen, damit wir in der Stadt flächendeckend die Brandstifter bekämpfen können." Er schätzt, dass seine Kollegen allein im Mai 150.000 Überstunden schieben werden.

 

Polizeisprecher Ralf Meyer hält das Konzept dagegen für "alternativlos". Man könne nicht in der gesamten Stadt unterwegs sein. Für die vorerst letzte Tat komme eine Tätergruppe infrage, auf deren Konto rund zehn Taten gehen. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir einen Fahndungserfolg haben", sagt Meyer. Bei jeder Tat seien Beweise gesichert worden. "Es ist allerdings besorgniserregend, dass es den Tätern mittlerweile egal ist, Menschenleben in Gefahr zu bringen." Die Polizei prüfe derzeit, die Belohnung für Hinweise, die zur Aufklärung der Taten führen, deutlich zu erhöhen. Die Prämie liegt bislang bei 2500 Euro. Für SPD-Innenexperte Andreas Dressel legt die Brandstiftungsserie das "Personalproblem" der Polizei offen. "Ich habe wenig Vertrauen, dass die Polizeiführung etwa mit der zunehmenden Zahl der Einbrüche fertig wird." Wie berichtet, registrierte die Polizei in den ersten drei Monaten dieses Jahres 2499 dieser Taten. Das sind 41,3 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dabei nahm die Aufklärungsquote von 9,0 auf 4,4 Prozent ab. Und das, obwohl die Polizei bereits im Januar 2009 eine Sonderkommission gegen Einbrecherbanden eingesetzt hat. Auch diese Maßnahme hatte bislang keinen Erfolg.

 

Zuletzt musste die Polizei Fehler bei der Einschätzung der Sicherheitslage rund um den 1. Mai einräumen. Statt der erwarteten 200 gewaltbereiten Jugendlichen waren 700 gekommen. 36 Polizisten wurden verletzt, weil sie zum Teil ohne Vollschutz in die Randale im Schanzenviertel geschickt wurden. Von "verheizten Beamten" sprach anschließend die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Deren Landesvorsitzender Uwe Kossel sagt: "Es brennt bei der Polizeiführung. Sie redet die innere Sicherheit schön." Auch bei der DPolG ist der Ärger über die Fehleinschätzung noch groß. "Das habe ich seit 20 Jahren nicht mehr erlebt, dass man so danebengegriffen hat", sagt Freddi Lohse. Und SPD-Mann Dressel kritisiert, dass es eine Fehlentscheidung war, die Lage vor dem 1. Mai öffentlich als ruhig zu bezeichnen. "Das war eine Einladung, das doch mal zu überprüfen." Polizeisprecher Meyer weiß um die Vorwürfe, aber: "Es ist zwar richtig, dass die Polizei derzeit stark beansprucht wird. Das Thema eignet sich allerdings nicht als politische Spielwiese."

 

Als Reaktion auf die Krawallnächte rund um den 1. Mai wird in der Innenbehörde nun diskutiert, das Schanzenviertel beim nächsten Schanzenfest als ein sogenanntes Gefahrengebiet auszuweisen. Dann dürfte die Polizei auffällige Personen, die das Schulterblatt betreten möchten, kontrollieren (siehe unten). "Das ist sicherlich ein Ansatz, über den man nachdenken kann", sagt Polizeisprecher Meyer. Wichtig sei es aber, die Akzeptanz dieser Maßnahme bei den Bewohnern im Viertel zu überprüfen. Bei aller Kritik an der Polizei - das Sicherheitsgefühl der Hamburger bleibt ungetrübt. In der kürzlich veröffentlichten Abendblatt-Umfrage kam heraus, dass sich 51 Prozent der Hamburger sicher in der Stadt fühlten. Knapp acht Jahre zuvor waren es nur 49 Prozent.

 

erschienen am 05.05.2010

Sternschanze soll als Gefahrengebiet deklariert werden

 

Die Einrichtung eines neuen "Gefahrengebietes" im Schanzenviertel könnte eine Möglichkeit sein, den Gewaltexzessen zu begegnen - die Innenbehörde steht hinter dem Vorschlag der CDU, dem auch die SPD beipflichtet. In einem Gefahrengebiet, auch wenn es zeitlich befristet so deklariert werden sollte, kann die Polizei auch ohne konkreten Anlass Kontrollen durchführen, etwa schon, wenn Jugendliche zu Veranstaltungen anreisen.

 

"Ziel aller Beteiligten muss sein, dass die Ausschreitungen im Schanzenviertel aufhören", betont Thomas Butter, Sprecher der Innenbehörde. "Kontrollgebiete haben sich vielfach in Hamburg bewährt, sodass wir ganz genau prüfen werden, ob dieses erfolgreiche Instrument auch für die Schanze eine geeignete Option ist." Polizeisprecher Ralf Meyer erklärt, dass anrückende Krawallmacher auf diese Weise schon auf den Zugängen zum Schanzenviertel erfasst werden könnten. "Das Gefahrengebiet ist eine Möglichkeit", sagt SPD-Innenexperte Andreas Dressel. "Man könnte verdachtsunabhängige Kontrollen durchführen und so potenzielle Randalierer aus dem Verkehr ziehen." Er betont aber, dass die SPD bereits seit dem Schanzenfest 2008 gefordert habe, die gesamte Bandbreite des Polizeirechts einzusetzen, wie Platzverweise und Unterbindungsgewahrsam.

 

Skeptisch ist Freddi Lohse von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Ein Gefahrengebiet sei sinnvoll, gleichwohl werde man aber viel Personal benötigen. "Ich glaube, dass es bei Kontrollen sehr schnell zu heiklen Situationen kommt, die, wenn man nicht gut aufgestellt ist, in massiven Auseinandersetzungen enden."

 

Zurückhaltend ist die GAL: "Man kann den Vorschlag diskutieren, auch wenn er mich nicht überzeugt", sagt GAL-Innenexpertin Antje Möller. Sie meint, der Fokus müsse auf die Jugendarbeit gelegt werden, in Schulen, Ämtern und Kirchen. Die Linke lehnt das Konzept des Gefahrengebiets ab. Innenexpertin Christiane Schneider pflichtet Altonas Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose bei, der einen Pakt mit den Anwohnern gegen Gewalt anstrebt (die WELT berichtete).

 

 

erschienen am 03.05.2010
Krawall-Touristen erschüttern Schanze

Brennende Barrikaden, verwüstete Läden, verletzte Beamte: Polizei räumt ein, die Situation rund um den 1. Mai falsch eingeschätzt zu haben

Fast eine Stunde wüteten die Randalierer ungestört auf dem Schulterblatt. Entfachten Feuer, zündeten Raketen, schmissen Flaschen auf Autos. Es war eine Walpurgisnacht ganz nach ihrem Geschmack. Und die Polizei? Grüppchen von Beamten schauten zu, aus der Ferne, mit verkniffenen Gesichtern.

Ein Trupp Bundespolizisten wurde mit Steinen in die Flucht geschlagen. Erst nachdem eine Hundertschaft aus ihren Betten geholt worden war, konnte die Polizei gegen drei Uhr am Morgen die Barrikaden überrennen. Der Spuk hatte vorerst ein Ende. Doch er war noch nicht vorbei.

15 Stunden später standen statt der erwarteten 500 Randalierern dreimal so viel gewaltbereite Jugendliche auf dem Altonaer Bahnhofsvorplatz. Ein vermummter Haufen aus Linken, Punks, Hooligans und "gewalterlebnisorientierten Jugendlichen", wie es die Polizei formuliert. Die Demonstration trug das Motto "Kapitalismus zerschlagen" - und endete ab 21.30 Uhr mit zerschlagenen Fensterscheiben und Attacken auf Polizisten im Schanzenviertel. 900 Beamte waren der Aufgabe nicht gewachsen, Randale zu verhindern.

Tags darauf setzte scharfe Kritik an den Polizeieinsätzen ein. Uwe Koßel, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP, spricht von "verheizten Beamten" und einem "großem Frust unter den Einsatzkräften", die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) von einer "völlig falschen Lageeinschätzung".

36 Polizisten wurden an beiden Abenden verletzt. 21 allein in der Nacht des 30. April, weil sie teils ohne "Vollschutz" in die Schanze vorrückten. Steine und Flaschen hinterließen Spuren.

"Die Einschätzung war völlig daneben", sagt der Hamburger Chef der DPolG, Joachim Lenders. "Die Einsatzkräfte wurden gefährdet, weil man sie in Unterzahl in den Einsatz schickte." Die Taktik der "Deeskalation durch Stärke" habe nicht gegriffen, weil es keine starken Kräfte gab.

"Die Lagebeurteilung war falsch, weil man das Verhalten der Linken, aber nicht das der Jugendlichen aus Harburg, Wilhelmsburg oder Hummelsbüttel einschätzen konnte", sagt Koßel. Bis zu 80 Prozent der Randalierer waren Jugendliche ohne politische Ambitionen, so die Polizei. Darunter Minderjährige mit Migrationshintergrund, "die den Frust auf den Staat an der Polizei auslassen wollten", so Koßel.

Die Polizei gesteht einen Tag nach den schweren Ausschreitungen Fehler ein. "Man muss klar einräumen, dass wir die Dimension der gewalterlebnisorientierten Jugendlichen falsch eingeschätzt haben", sagt Polizeisprecher Ralf Meyer. Gerechnet habe man mit maximal 200, gekommen seien 700.

"Wie müssen uns künftig bei allen Planungen dieses Unsicherheitsfaktors bewusst werden", sagt Meyer.

Andreas Dressel, der innenpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, will die Krawalle im Schanzenviertel zum Thema im Innenausschuss machen. "Das muss da auf die Tagesordnung", sagte Dressel. "Die Polizeiführung hat die Situation in Hamburg vollkommen falsch eingeschätzt." Viele Polizisten hätten ihn angerufen, die sich insbesondere über die Lage in der Nacht zum 1. Mai beklagt hätten. "Dass da keine Einsatzreserve vorhanden war, ist ein fataler Fehler gewesen", so Dressel.

Der innenpolitische Sprecher der CDU, Kai Voet van Vormizeele, sieht das ganz anders. "Es war genug Polizei vor Ort, die haben die Gewalttäter in Schach gehalten", sagte er. Für die Krawalle macht Vormizeele eine "neue Tätergruppe" verantwortlich. "Die sind tendenziell sehr jung und vollkommen apolitisch." Die Polizei müsse überlegen, ob sie nicht im Vorfeld der Krawalle in der Schanze Platzverweise aussprechen könne. Viele Gewalttäter seien alkoholisiert. "Deswegen müsste man vielleicht über eine Begrenzung des Ausschanks nachdenken."

Tatsache sei, dass diese Tätergruppe bisher nur ein "Nebenfeld polizeilicher Tätigkeit" gewesen sei. Der Schwerpunkt habe auf der Beobachtung der linken Szene gelegen. Das Problem: "Was apolitische Gewalttäter machen, die die Sau rauslassen wollen und ordentlich einen im Tee haben, lässt sich vorher nicht gut einschätzen. Da ist ein Zufallsprodukt unterwegs."

Ob die Polizei Fehler gemacht hat, will Antje Möller, die GAL-Sprecherin im Innenausschuss, erst nach einer Prüfung der Geschehnisse sagen. "Ich will jetzt keine schnellen Schlussfolgerungen ziehen." Von der innenpolitischen Sprecherin der Linken-Fraktion, Christiane Schneider, war gestern gar nichts zu hören. "Sie war bei den Demonstrationen nicht dabei und möchte deshalb nichts dazu sagen", so Pressesprecher Martin Bialluch.

Fehler endlich eingestehen

Das hat die Polizei überrascht: Kaum ein Linksautonomer in der Stadt, aber trotzdem Gewalt und Randale im Schanzenviertel. Wie schrieb der Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) gestern in einer Pressemitteilung? "Wir hatten in Hamburg die Hoffnung, dass sich die Auseinandersetzungen diesmal in Grenzen halten würden." Hoffnung gibt es immer, aber eine wirkungsvolle Polizeitaktik sollte doch anders aussehen. Dass die Zahl der "Erlebnis-Randalierer" wächst, war seit dem letzten Schanzenfest bekannt. Man hätte sich also durchaus darauf einstellen können, statt eines wohl organisierten Schwarzen Blocks möglicherweise ein paar Hundert spontan zusammenkommende Krawalltouristen bekämpfen zu müssen. Aber die Polizeiführung ist offenbar derart auf politisch motivierte Gewalttäter fixiert, dass alles andere nicht mehr so recht wahrgenommen wird.

Opfer dieser verfehlten Haltung sind die Polizeibeamten, die in zwei Nächten hintereinander im Schanzenviertel ihre Köpfe hinhalten mussten. Opfer dieser Haltung sind aber auch die Bewohner dieses attraktiven Viertels. Haben sie eigentlich kein Anrecht auf Schutz durch die Ordnungsbehörden? Wie müssen sich die Ladenbesitzer fühlen, deren Schaufensterscheiben kaputt, wie die Leute, deren Autos demoliert sind? Kein Wort dazu vom Innensenator. Der behauptete noch gestern, dass "die Polizei die Lage stets unter Kontrolle hatte". Dieser Satz ist leichtfertig. Denn zu einer neuen, zu einer endlich wirkungsvollen Polizeistrategie für künftige Einsätze in der Schanze gehört zunächst das ehrliche Eingeständnis: Es ist ziemlich viel schiefgelaufen am 1. Mai 2010.

Chronik der Ausschreitungen rund um den 1. Mai

Die Ausschreitungen vom Wochenende seien in ihrer Heftigkeit mit den Krawallen nach den Schanzenfesten des Vorjahres zu vergleichen, sagte Polizeisprecher Ralf Meyer. Die Polizei setzte in beiden Nächten Schlagstöcke ein, um Randalierer vom Schulterblatt und aus den Seitenstraßen zu drängen. Am Sonnabend wurden zudem mehrere Wasserwerfer aufgefahren.

In der Freitagnacht hatten 200 "gewalterlebnisorientierte" Jugendliche Feuer aus Mülltonnen, Fahrrädern und Holzpaletten vor der Roten Flora entzündet. Die Polizei ließ sie zunächst gewähren. Ein Zug der Bundespolizei musste nach Stein- und Flaschenwürfen wieder abdrehen. Erst gegen 3 Uhr, verstärkt durch weitere Kräfte, räumte die Polizei das Schulterblatt. Bis 5 Uhr lieferten sich Polizei und Randalierer kleine Scharmützel.

In der Nacht zum 2. Mai lieferten sich knapp 700 Randalierer heftige Straßenschlachten mit der Polizei. Zuvor war ein Demonstrationszug mit 1550 Teilnehmern vom Bahnhof Altona zum Schanzenviertel gezogen. Gegen 21.30 Uhr wurde die Demo von der Polizei beendet, als Steine geworfen wurden. Die Situation eskalierte kurz darauf auf der Kreuzung Weidenallee/Kleiner Schäferkamp und dem Schulterblatt. Die Polizei hatte 1000 Beamte im Einsatz. Sie wurden später durch 114 Bundespolizisten unterstützt, die aus Uelzen mit Hubschraubern und HVV-Bussen zum Schanzenviertel gebracht wurden. Die Krawalle dauerten bis 1.30 Uhr. In beiden Nächten wurden 49 Personen festgenommen. 29 kamen in Gewahrsam. 32 Bereitschafts- und vier Bundespolizisten wurden leicht, ein Feuerwehrmann und ein Anwohner schwer verletzt. (dfe)

"Pubertäre Vorstadt-Guerilleros"
Lieber anonymer Schanzen-Randalierer,

ich war dabei, als Du am 1.-Mai-Wochenende mit Rucksäcken voll Steinen und Brandbeschleunigern anreistest. Mit Mamas Monatskarte aus der Vorstadt, im Kopf viel billiger Fusel und wenig wirkliche Ideen. Die Gedanken leer von wirklich Wichtigem. Die große Sehnsucht nach Chaos spülte dich wie eine Ölpest zu uns in die Schanze, vor meine Haustür. Wo Du bist, erstirbt das soziale Leben. Erstirbt der Diskurs. Denn Dein Ziel ist das Chaos, die Gewalt. Die Zerstörung. Um jeden Preis. Oft auch gegen uns, die Anwohner des Schanzenviertels.

Ich habe Dich gesehen, als Du feige und versteckt unterm teuren Marken-Kapuzenpulli wieder mal sinnentleert mein Schanzenviertel zündeltest. Als Du Plastikmülltonnen und stinkenden Sperrmüll zu einem Feuer mitten zwischen unseren Häusern stapeltest. Ich hab Dich gesehen, als Du Fahrräder der Anwohner in die Flammen warfst. Ich habe dich erwischt, als Du Zweige und Bäume aus dem Park hinter der Flora, der uns Erholung sein soll, in dein stinkendes Straßenfeuer wuchtetest.

Ganz großes Kino? Nein. Ganz große Scheiße! Hey, Möchtegern-Mescalero: Plastik verbrennen? Fahrräder anzünden? Natur zerstören? Geht's denn noch? Wie asozial ist das denn? Von zerschlagenen Scheiben des Kleingewerbes und zerstörten Studenten-Autos in den Nachbarstraßen gar nicht erst zu reden. Auch nicht von dem Ritual rund um die Haspa-Filiale und Deutsche Bank, wo Du und Deines Ungleichen vermeintliche Stärke gegen den Kapitalismus zeigst, indem Du mit riesigen Eisenstangen Geldautomaten und Schaufensterscheiben zerschlägst. Welch jämmerliches Spektakel, das jedem schadet, aber am wenigsten der Bank.

Ich habe Dich beobachtet, wie Du zwei Stunden unter Gejohle herumlungernder Billig-Bier-Teenager und von der Polizei lange ungehindert Krawall machen durftest. Dich hirnlos an Eigentum kleiner Leute, Anwohnerinteressen und sämtlichen Ideen vergingst, für die andere hier jahrelang gekämpft haben. Gekämpft damals auch mit Demos. Sicher auch mal mit Spektakel und Krawall. Aber selten so völlig sinnlos wie heute.

Während die wirklich Radikalen ihren Kick und Kampf diesmal wohl eher in Berlin suchen, wo trotz Krawall zumindest noch ein Rest von Meinung auf der Straße demonstriert und ausgetragen wird, wo Nazis zu verjagen und Spruchbänder zu tragen waren, da bleibst Du lieber brav und spießig zu Hause. Spielst Bürgerkrieg für Arme. Hoffst auf Sekunden-Prominenz in der krawallgeilen Lokalpresse. "Das ist krass-peinlich, Digger", damit Du es auch in Deiner Sprache verstehst.

Du, pubertärer Vorstadt-Guerillero, aber hältst all Dein sinnentleertes Treiben in kompletter Unkenntnis sogar noch für Anarchie. Pinselst "Revolution" an jene Rote Flora, die wir auch mal freikämpften mit Demos, die aber heut meist für nichts mehr steht als für Intoleranz und Gewaltkulisse. Und zu allem Übel grölst Du bei brennenden Plastikplanen, die den hier lebenden Kindern die Lungen verklebt, auch noch "St. Pauli, St. Pauli". Hey. Du verstrahlter Krawallerianer: Wir sind St. Pauli - Du aber definitiv nicht! Die mögen aufsteigen, Du aber, anonymer Asozialist, steigst ab, denn tief bist Du gesunken. Dort, bei "unserem FC St. Pauli", will man Leute wie dich auch nicht.

Wir ticken hier sicher links-liberal, kritisieren gern den Staat, die Polizei. Aber wir ringen hier auch um Menschlichkeit, um Leben, um Lösungen. Du aber zerstörst sie. Und wenn Du stundenlang ungehindert auf dem Schulterblatt zündeln durftest, und dann doch noch die Ach-so-böse-Polizei vorbeikommt, um zumindest mal den Großbrand, der unseren Häusern gefährlich nahe kommt, zu löschen, dann wirfst Du mit Glasflaschen und skandierst gleichzeitig: "Keine Gewalt, keine Gewalt." Hallo? Merkst Du noch was?

Such Dir, schäbiger halbstarker Krawallo, wenn Du zu viel Zeit hast, Arbeit, einen Sportverein, eine Freundin oder zumindest eine Meinung, einen Inhalt, für den es sich zu kämpfen lohnt. Und lass die Schanze, unsere Heimat endlich mal in Frieden, sie hat genug ohne Dich auszuhalten. In den Nachrichten hat man Dich als "Demonstrant" geradezu geadelt - einer, der politische Auseinandersetzungen pflegt, sich deshalb mit der Polizei auseinandersetzt.

Und eines, lieber sinnloser Straßenkämpfer, wisse: Lange lassen wir Anwohner uns das nicht mehr bieten. Dieses Mal haben wir Dich beobachtet - nächstes Mal greifen wir evtl. persönlich ein und vertreiben Dich aus dem Viertel - auch ohne Polizeieinsatz.

Kopfschüttelnde restsolidarische Grüße,

A., ein Anwohner aus dem Schulterblatt

 

erschienen am 03.05.2010

 

Krawall-Skandal

Mai-Randale überrascht Polizei +++ Dramatische Fehlplanung +++
Zu wenig Beamte, weil sie in Berlin aushelfen mussten +++
Chaoten immer jünger, viele Migranten

 

30 verletzte Polizisten, verwüstete Geschäfte und Banken, Plünderungen. 700 Chaoten fielen über das Schanzenviertel her, entzündeten Barrikaden, warfen Steine und Flaschen auf Einsatzkräfte. Dabei hatte die Hamburger Polizeiführung einen ruhigen 1. Mai vorausgesagt! BILD erklärt, wie es zu dieser Fehleinschätzung kam.

 

Polizei-Fehler 1: Die Beamten waren sich sicher, dass die Hamburger Autonomen zum Randalieren nach Berlin fahren. Das taten die meisten auch. Aber stattdessen kamen bis zu 500 meist unpolitische Jugendliche, die Krawall anzettelten. Viele mit Migrationshintergrund.

 

Polizeisprecher Ralf Meyer (50): „Das war etwas, das wir nicht so eingeschätzt hatten.“ Und Joachim Lenders von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DpolG): „Die Lageeinschätzung für das 1.-Mai-Wochenende war vollkommen daneben, hat zu einer Gefährdung unserer Einsatzkräfte geführt.“

 

Polizei-Fehler 2: Am Freitagabend trafen rund 150 vermummte Autonome auf gerade mal 60 bis 70 Polizisten. Beamte einer kompletten Hundertschaft durften zu Hause bleiben, hatten Rufbereitschaft. Sie wurden alarmiert, als die Lage eskalierte. Die Beamten waren dann erst nach zwei Stunden einsatzbereit.

 

Polizei-Fehler 3: Zwei Hamburger Hundertschaften wurden nach Berlin ausgeliehen. Die Hauptstadt war mit 7000 Polizisten gut gerüstet, Hamburg musste am Sonnabend mit 1200 Polizisten auskommen, auch noch das Bundesliga-Spiel HSV gegen den 1. FC Nürnberg bewältigen. Nachts wurde dann eine Reservehundertschaft mit sieben Hubschraubern nach Hamburg gebracht.

 

Auch SPD-Innenexperte Dr. Andreas Dressel kritisierte die Polizeitaktik, kündigte eine Senatsanfrage an.

 

 

erschienen am 03.05.2010

 

"Wir haben den Randalierern die Straße überlassen"

 

Die Polizei sagte "weniger Krawalle" voraus. Dann zerstörten 700 Hooligans in der Schanze Geschäfte, Bars und Banken. Die Ordnungshüter reagierten hilflos

Zerstörte Läden, verstörte Anwohner, verletzte Polizisten. Das von der Polizei als "verhältnismäßig ruhig" prognostizierte erste Mai-Wochenende endete in einer Orgie der Gewalt. Noch nie wurden in einer Krawallnacht so viele Geschäfte zerstört oder sogar geplündert. Fachleute aus Polizeikreisen sprechen von einer "Katastrophe" und einem "Versagen auf ganzer Linie". Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) räumte am Sonntag ein, dass sich die "Hoffnung, es würde ruhiger werden, nicht erfüllt" habe. "Die Prognose war nicht korrekt", gab Ahlhaus unumwunden zu. Die Polizei hätte zwar richtig eingeschätzt, dass viele Linksautonome nach Berlin gefahren seien, um gegen den Neonazi-Aufmarsch zu demonstrieren. Das Potenzial an "erlebnisorientierten" Randalierern habe man aber unterschätzt. Sie waren "nicht Teil der Lageeinschätzung".

Der Senator kündigte Konsequenzen an. "Das Maß ist voll", sagte Ahlhaus. "Wir werden zukünftig noch mehr auf Festnahmen setzen und uns für härtere Strafen einsetzen."

Gleichwohl pocht der Innensenator darauf, dass die Beamten im Einsatz "die Sache unter Kontrolle hatten". Lediglich 30 Beamte wurden in beiden Krawallnächten verletzt.

Auch Polizeisprecher Ralf Meyer räumte ein, dass die von der Polizei abgegebene Prognose "nicht zutreffend" war. Bis zu 700 "Krawalljugendliche", die nicht zur linksautonomen Szene gehören, hatten die Sicherheitskräfte nicht auf der Rechnung. Der jüngste Steinewerfer ist erst 13 Jahre alt.

Anwohner zeigten sich schockiert vom Ausmaß der beiden Krawallnächte. Die Deutsche Bank am Schulterblatt liegt in Trümmern. Die Drogerie Rossmann gegenüber, die Haspa neben der Roten Flora, aber auch viele kleinere Geschäfte, wie ein Telefon- und ein Schallplattenladen, wurden demoliert und zum Teil sogar geplündert.

"Die haben unsere Stühle genommen, die draußen standen, und die Beine abgebrochen, um Knüppel zu haben, oder ganze Stühle in die Scheiben geworfen", sagt ein Wirt, der aus Angst vor gezielten Repressalien lieber nicht mit Namen genannt werden will. Fahrradbesitzer suchten gestern ihre Räder, die ebenfalls durch Scheiben geworfen oder zu Barrikaden verbaut worden waren. Autos mit kaputten Scheiben stehen am Fahrbahnrand.

"Mit unglaublicher Brutalität hat ein randalierender Mob eine Schneise der Verwüstung durch das Schanzenviertel gezogen", sagt der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders. Dabei war schon am Sonnabendnachmittag absehbar gewesen, dass es eine harte Nacht für die Polizei werden würde. Zu der "revolutionären 1.-Mai-Demo" waren wenig "Revolutionäre", dafür jede Menge "gewaltorientierte Jugendliche" gekommen, die ganz offensichtlich dankbar jede Krawallgelegenheit wahrnehmen.

Die Polizei, die mit höchstens 500 Teilnehmern, davon 100 gewaltbereiten, rechnete, sah sich plötzlich 1550 Demonstranten gegenüber, unter denen laut Einsatzprotokoll "kein bürgerliches Klientel war". Schon hier, so Lenders' Kritik, hätte der Leiter des Führungsstabes auf die Situation reagieren und den Großeinsatz gegen Autobrandstifter in dieser Nacht aussetzen müssen. Das tat der Leitende Polizeidirektor Peter Born offenbar nicht.

Die Demonstration endete um 21.24 Uhr am Sternschanzenbahnhof. Drei Minuten später begann die Randale im Viertel. Hektisch wurde eine Hundertschaft Bereitschaftspolizei mit Hubschraubern aus Berlin eingeflogen. Beamte, die im Einsatz gegen Autobrandstifter Streife fuhren, wurden in die Schanze gelotst. Sie konnten nur noch in Zivil zur Aufklärung eingesetzt werden.

"Hier wurde die Straße den Randalierern überlassen", sagt Lenders. "Wer alles schützen will, schützt nichts", tröstet sich ein Polizist. Die, die man nicht schützen konnte, wollen das nicht mehr hinnehmen. "Ich war dabei, als Du am 1. Mai mit Rucksäcken voll Steinen anreistest. Mit Mamas Monatskarte aus der Vorstadt, mit viel billigem Fusel und wenig Ideen im Kopf", schreibt ein Anwohner in einer Mail über seine nächtlichen Erlebnisse. Das passt zu den nüchternen Zahlen, die für das Mai-Wochenende neben 30 verletzten Polizisten auch 40 Fest- und 29 Ingewahrsamnahmen ausweisen. "Fast alle stammen aus Hamburg oder dem Umland", sagt Meyer.

 

B .Z:   erschienen am 30.04.2010

Störung muss schon im Ansatz verhinder werden

Nur etwa 2500 Beamte können Berliner Polizei und Bundespolizei am kommenden Wochenende bereitstellen. Rund 6200 sollen aber auf den Straßen sein, um Krawalle und Randale verhindern zu können. Unmöglich also ohne die Unterstützung von Beamten aus anderen Bundesländern. Einer von ihnen ist der Hamburger Oberkommissar Fabian Rockhausen (28).

Schon am vergangenen 1. Mai war der Gruppenführer einer Einsatzhundertschaft und Mitglied der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Berlin. "Da sind wir verheizt worden, es waren chaotische Zustände", sagt er. Trotzdem kommt er heute nicht mit Angst, sondern in der Hoffnung, dass die Polizeiführung ihre Einsatzstrategie ändert. "Wenn der Eindruck bleibt, dass für vermeintliche Deeskalation verletzte Polizisten in Kauf genommen werden, zerrt das an der Motivation. Doch wir kneifen nicht, wollen unsere Berliner Kollegen unterstützen. Es braucht dafür aber mehr Kräfte und auch der Einsatz von technischen Mitteln muss möglich sein." Der frühzeitige Einsatz von Wasserwerfern zum Beispiel könne eine bedrohliche Situation klären, bevor die Lage eskaliert. "Störung muss im Ansatz verhindert werden", meint Rockhausen. In Hamburg habe man mit dieser Strategie Erfolg und weniger verletzte Beamte.

 

Wie verhält sich ein Profi-Randalierer? Nachhilfe für linke Mai-Aktivisten in einer Neuköllner Kneipe.

 

Das Hinterzimmer der Neuköllner Kneipe „Friedel 54“, Mittwochabend, 21 Uhr: Rund 40 linke Mai-Aktivisten lassen sich von zwei jungen Frauen „Tipps im Umgang mit Justiz, Verhaftung, Kessel und dem ganzen miesen Rest“ geben.

 

Es ist ein Treffen von potenziellen Gewalt-Demonstranten, die offenbar längst damit abgeschlossen haben, dass die Mai-Protestaktionen am Samstag friedlich ablaufen könnten. „Schmeißt vor der Demo alles weg: Feuerzeugkanister, Grillanzünder, Tagebuch. Löscht auch euren PC, vernichtet eure Skizzen“, rät eine der zwei jungen Frauen, die im Auftrag einer linken Rechtshilfegruppe, dem „Berliner Ermittlungsausschuss (EA)“, spricht.

 

Viele Teilnehmer schreiben mit. Die wichtigsten Krawall-Gebote werden zum Nachlesen in einer Broschüre mit der Aufschrift „Was tun, wenn’s brennt“ verteilt. Danach wird Schritt für Schritt die Tagesordnung von „Hausdurchsuchung, U-Haft bis Abtransport“ durchgegangen. „Wer schon mal bei Aktionen dabei war, kennt das“, brüstet sich eine der Sprecherinnen. „Letztes Jahr haben sie mich 48 Stunden festgehalten“, legt ein Teilnehmer nach. Zum 1. Mai, versprechen die Frauen der Rechtshilfegruppe dann noch, sind die Telefone des „Berliner Ermittlungsausschusses“ rund um die Uhr besetzt.

 

erschienen am 29.04.2010

Befördern verboten

Polizei sucht nach einem neuen Laufbahnverlaufsmodell. Opposition fühlt sich getäuscht

 

Das verfassungswidrige Laufbahnverlaufsmodell (LVM) der Hamburger Polizei sorgt weiter für Streit. Die SPD-Bürgerschaftsfraktion wirft der Innenbehörde nun vor, "die Bürgerschaft hinters Licht geführt zu haben". Anlass für die scharfe Attacke des innenpolitischen Sprechers der Sozialdemokraten, Andreas Dressel, ist ein bislang geheim gehaltenes Gutachten des renommierten Verwaltungsjuristen Helmut Schnellenbach. In diesem Gutachten, das dem Abendblatt vorliegt, kam Schnellenbach schon 2007 zum Schluss, dass das Laufbahnverlaufsmodell gegen die Verfassung verstößt. Dennoch wurde es Anfang 2008 eingeführt und kurz vor der Bürgerschaftswahl in jenem Jahr auch für zahlreiche Beförderungen genutzt. Im Februar 2010 urteilte das Oberverwaltungsgericht: Das LVM ist verfassungswidrig.

 

"Wenn man sehenden Auges einen Verfassungsverstoß in Kauf nimmt, ist das ein Skandal", sagt Andreas Dressel. Ralf Meyer, Sprecher der Polizei, sagte hingegen zur Bedeutung dieses Gutachtens: "Wenn Sie vier Juristen fragen, kriegen Sie fünf Meinungen." Hat es denn damals mehrere Gutachten zu dem LVM gegeben? "Ob es Gutachten gab, weiß ich nicht. Aber es gab andere juristische Aussagen."

 

Diese anderen Aussagen haben dann offenbar den Ausschlag gegeben. Hamburgs Polizisten sind deshalb jetzt in einer misslichen Lage. Nach dem OVG-Urteil wurden alle Beförderungen gestoppt. 652 sollen es derzeit sein. Niemand weiß, wie es weitergehen soll.

 

Bei der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) ärgert man sich darüber, dass das Gericht den Karriereplänen mancher Beamten einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Geklagt hatte ein Polizist, der sich benachteiligt fühlte, weil nicht er befördert wurde, sondern ein Kollege, der schon ein paar Jahre länger auf einen Gehaltssprung gewartet hatte. Natürlich, sagt DPolG-Chef Joachim Lenders, "hätte das nicht passieren dürfen, dass das LVM verfassungswidrig ist". Schlecht sei es deshalb aber noch lange nicht. "Leistungsträger sollen eher befördert werden, das ist ja in Ordnung. Aber die anderen müssen auch eine Chance haben."

Die anderen - das sind die, die keine Spitzenleistungen erbringen, aber dennoch die Möglichkeit haben sollen, mit der Gehaltsstufe A 11 in den Ruhestand zu gehen und eine entsprechend hohe Pension zu bekommen. Das war das Ziel des LVM, das Lenders auch weiterhin unterstützt. Weniger gut hat ihm gefallen, dass die ganze Beförderei bei der Polizei haushaltsneutral sein sollte - das 2008 eingeführte LVM sollte also nicht teurer sein als die vorherige Beförderungspraxis. Das engte den finanziellen Spielraum für Beförderungen deutlich ein.

 

Die Konkurrenzgewerkschaft zur DPolG, die GdP, hat das LVM von vornherein kritisch gesehen. "Wir wussten nichts von dem Gutachten", sagt Hamburgs GdP-Chef Uwe Koßel. "Aber es gab damals schon ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, aus dem man ablesen konnte, dass das LVM problematisch ist."

 

Koßel plädiert für die Umwandlung der bisher dreigeteilten Laufbahn in eine zweigeteilte. Damit würde sich auch das Einstiegsgehalt für Polizisten erhöhen. "Das ist ganz wichtig", sagt Uwe Kossel. "Wir bekommen sonst Probleme beim Nachwuchs: Der Dienst wird ja immer anspruchsvoller.

 

"Wie das neue LVM aussehen wird, ist unbekannt. Im Juni soll es vorgestellt werden. Ralf Meyer, der Sprecher der Polizei, sagt: "Das ist ein laufendes Verfahren, dazu kann ich nichts sagen." Gewerkschafter Koßel hofft, dass die neue Beförderungspraxis der Polizei das bringt, was sie eigentlich selbst produziert: Sicherheit. "Wir brauchen jetzt endlich ein Laufbahnverlaufsmodell, auf das Verlass ist", sagt er.

 

erschienen am 24.04.2010

Polizeigewerkschaft kritisiert Belastung

Nach der Einführung der 100 Beamten starken Fahndungsgruppe gegen Autobrandstifter kritisiert Joachim Lenders, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), die "ständig wachsenden Aufgaben der Polizei". Laut Lenders gefährde der Personalnotstand die innere Sicherheit. Zwar seien die Maßnahmen wie die gegen Brandstifter, Einbrecher oder Einsätze auf St. Pauli unstrittig. Doch die Belastungsgrenze sei überschritten. "Das führt irgendwann zu einem sicherheitspolitischen Kollaps", sagte Lenders. (sba)

erschienen am 24.04.2010

Sorgt die Zündler-Jagd für den Polizei-Kollaps?

 

Gut 100 Polizisten jagen jede Nacht die Auto-Brandstifter. Hamburgs Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Joachim Lenders schlägt Alarm.

Die Polizisten konzentrieren sich bei ihrer Jagd schwerpunktmäßig auf nur wenige Stadtteile. Nun schlägt Joachim Lenders, Hamburger Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Alarm: "Das führt zu einem sicherheitspolitischen Kollaps." Die Belastungsgrenze der Polizei sei überschritten.

Laut dem Gewerkschafter gibt es schon jetzt Polizeireviere, die 70000 Menschen betreuen müssen, aber keine Streifenwagen zur Verfügung haben. Lenders: "Statt normal Streifen zu fahren, sind die drei Peterwagen des Polizeikommissariats abkommandiert, Autobrandstifter zu jagen, Schwertransporte zu begleiten, oder sie sind im Demo-Einsatz." Innenbehörden-Sprecher Ralf Kunz widerspricht: "Die Polizei kann alle Aufgaben professionell bewältigen."

Am Sonnabend ruft der "Flüchtlingsrat" zur Demo durch die City auf. Um 18.30 Uhr wollen knapp 1000 Demonstranten ab Glockengießerwall unter dem Motto "Abschiebehaft sofort abschaffen" über den Jungfernstieg Richtung Schanze laufen. Ein Marsch durch die Mö wurde von der Polizei untersagt.

 

erschienen am 24.04.2010

Polizeigewerkschaft sieht innere Sicherheit auf Dauer in Gefahr

 

Hamburgs Polizei ist überstrapaziert. So sieht es jedenfalls die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG). "Das wird in absehbarer Zeit zu einem sicherheitspolitischen Kollaps führen", warnt Landeschef Joachim Lenders angesichts vieler neuer Schwerpunkteinsätze. "Die Belastungsgrenze in allen Bereichen der Polizei ist nicht nur erreicht, sondern überschritten." Dass die Aufgaben bewältigt werden müssten, sei unstrittig. Dafür müsse aber umgehend eine entsprechende Personalaufstockung stattfinden.

 

Dass die nicht schnell umsetzbar ist, ist Lenders klar. Es müssten aber die jetzigen Zustände geändert werden. "Bei der Bereitschaftspolizei sind 80 Stellen unbesetzt", sagt Lenders. "Bei den Zivilfahndern sind es 30 Stellen." Nur in diesen beiden Bereichen würden mehr Beamte fehlen als jetzt für die allnächtlichen Schwerpunkteinsätze der Ermittlungsgruppe "Florian" bei der Jagd nach den Autobrandstiftern benötigt werden. "Wir fordern die Polizeiführung und die politische Führung auf, den Bürgern offen zu sagen, dass sie deutliche Einschränkungen bei der Gewährleistung von innerer Sicherheit hinnehmen müssen", sagt Lenders. "Unter den derzeitigen Bedingungen ist die innere Sicherheit auf Dauer nicht zu gewährleisten."

erschienen am 21.04.2010

100 Polizisten in Zivil sollen Hamburgs Auto-Brandstifter fassen

Neue Ermittlungsgruppe gegründet. "Täter sind ohne Rücksicht auf
Menschenleben unterwegs"

Die Polizei will Hamburgs Autobrandstifter endlich dingfest machen. Nach einem neuen Anschlag in Hummelsbüttel, bei dem in der Nacht zum Dienstag sechs Wagen ausbrannten und ein Einfamilienhaus beschädigt wurde, lässt die Polizei ab sofort jede Nacht 100 Zivilpolizisten in der Hansestadt patrouillieren.

"Das ist langsam etwas, das nicht mehr zu ertragen ist", sagte Polizeipräsident Werner Jantosch. "Wir haben hier Verbrecher am Werk, die ohne Rücksicht auf Menschenleben unterwegs sind."

Kurz nach 4 Uhr hatten Unbekannte in der Straße Kirchenredder fünf Autos angezündet, die zum Teil in Carports standen. Die Feuerwehr konnte laut Jantosch "nur mit Glück" verhindern, dass die Flammen auf ein Wohnhaus übergriffen und die Bewohner - ein Paar mit zwei kleinen Töchtern - in Lebensgefahr brachten.

"Es scheint keine Hemmungen mehr zu geben für die Täter", sagte der Polizeipräsident. Er kündigte den Aufbau einer neuen Ermittlungsgruppe an, deren Kern die 100 Zivilfahnder bilden. Sie sollen jede Nacht "völlig unberechenbar in den unterschiedlichsten Stadtteilen auftauchen. Heute hier, morgen da".

Die Polizei glaubt, dass die Autobrände auf das Konto von Serientätern gehen, denen seit Mitte März insgesamt acht Anschläge zur Last gelegt werden. Seit Jahresanfang brannten im gesamten Stadtgebiet bereits 67 Wagen aus.

Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) sprach nach der Brandnacht von Hummelsbüttel von einer "erschreckend neuen Qualität. Hier spielen Hirnlose mit dem Leben unserer Bürger." Uwe Koßel, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, hält die "konzertierte Aktion der Polizei für dringend notwendig". Er glaubt allerdings nicht an einen schnellen Fahndungserfolg. "Wir brauchen einen langen Atem." Koßel wies darauf hin, dass die 100 Beamten an anderer Stelle fehlen werden.

Dies kritisiert auch Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in Hamburg: "Nun rächt sich unsere Personalnot. Die Polizei ist für derartige Phänomene nicht entsprechend aufgestellt." Lenders befürchtet, dass Bürger etwa bei Blechschäden oder Ruhestörungen nun länger auf die Polizei warten müssen.

SPD-Innenexperte Andreas Dressel nannte den Einsatz der Ermittlungsgruppe zwar "begrüßenswert". Dies sei aber auch ein Eingeständnis, dass die bisherigen Aktivitäten der Polizei nicht gegriffen hätten.

Diesmal traf es eine ruhige Wohnstraße mitten im gediegenen Hummelsbüttel: Entlang eines knapp 60 Meter langen Wegstücks am Kirchenredder zündeten die Täter am frühen Dienstagmorgen kurz nach 4 Uhr fünf Autos an. Auf ein weiteres sprangen die Flammen über. Die Wagen der Marken Skoda, BMW, Mercedes, Volkswagen und Saab brannten alle völlig aus. Äußerst brisant ist, dass drei der Wagen noch in ihren Carports standen, die dadurch ebenfalls in Flammen aufgingen. Dabei verbrannten fünf Fahrräder und ein Kinderroller.

Das Feuer drohte zudem auf zwei Einfamilienhäuser überzugreifen. In einem Haus, in dem ein Paar mit seinen beiden kleinen Töchtern wohnt, barsten aufgrund der großen Hitze zwei Fenster. "Nur mit Glück" habe die Feuerwehr verhindern können, dass das Feuer die Familie in Lebensgefahr brachte, erklärte Polizeipräsident Werner Jantosch wenige Stunden nach den Anschlägen. "Jetzt haben wir einen für mich unerträglichen Höhepunkt der Geschichte. Es scheint keine Hemmungen mehr für die Täter zu geben."

Die Brandstifter vom Dienstag sind den Ermittlern des Landeskriminalamts (LKA) nicht unbekannt. Ihnen werden bereits sieben weitere große Brandstiftungen seit Mitte März zur Last gelegt. Allein 200.000 Euro Schaden sollen sie verursacht haben, als sie am 15. März an der Kreuzung Mövenstraße/Blumenstraße in Winterhude sechs luxuriöse Autos anzündeten - die erste Tat, mit der sie in Verbindung gebracht werden.

Wie viele Täter die Polizei vermutet, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass die Ermittler sie unter anderem aufgrund der Art, wie sie die Autos anzünden, als Serientäter identifizieren. Am Dienstagmorgen beobachteten Anwohner des Kirchenredders einen weißen Volkswagen Golf Variant, der schnell davon fuhr. Die Polizei vermutet, dass die Täter in dem Kombi flüchteten, und fahndet jetzt nach dem Wagen.

Polizeichef Jantosch kündigte gestern neue Ansätze im Kampf gegen Brandstifter an: 100 zivile Beamte will er ihnen ab sofort entgegenbringen. "Unter Zurückstellung anderer Sachen bis auf Weiteres", so Jantosch, sollen sie auf Brandstifterjagd gehen. "Die werden völlig unberechenbar in unterschiedlichsten Stadtteilen auftauchen. Heute hier, morgen da."

"Ich will die Täter jetzt haben", gab sich der Polizeichef kämpferisch. Seine Einheit soll Verunsicherung bei Trittbrettfahrern schaffen und die Serientäter vom Dienstag fassen. Die Zivilfahnder sollen sich Nacht für Nacht ausschließlich um die Brandanschläge kümmern, "unter Vernachlässigung notfalls auch anderer Aufgaben". Das Thema habe für ihn absolute Priorität. Bislang allerdings haben alle angekündigten Wege keinen vorzeigbaren Erfolg gebracht. Die Aufklärungsquote ist äußerst niedrig. Seien es die Streifen per Polizeihubschrauber "Libelle", die aus Kostengründen nach wenigen Nächten wieder eingestellt wurden.

Oder die Belohnung über 2500 Euro, ausgesetzt für Hinweise, die zur Festnahme eines Brandstifters führen, die bislang noch nicht eingelöst wurde. 38 "Brandlegungen" registrierte die Polizei seit Beginn dieses Jahres. "Damit liegen wir im Schnitt", sagte eine Polizeisprecherin. Nach Abendblatt-Zählung brannten dabei bereits 67 Fahrzeuge aus oder wurden schwer beschädigt, oftmals durch überspringende Flammen. Trotz verstärkter Polizeipräsenz ruft Jantosch alle Hamburger zu Wachsamkeit auf. "Wir brauchen die Hilfe aus der Bevölkerung. Denn wir können nicht überall gleichzeitig sein." Ob Bus- oder Taxifahrer, Schichtarbeiter oder diejenigen, die nicht schlafen könnten: Alle sollten die Augen offen halten.

 

       

erschienen am 20.04.2010

Teeflaschen gegen Gewerkschaft

Unbekannte haben einen Anschlag auf die Landesgeschäftsstelle der Deutschen Polizeigewerkschaft am Holzdamm in Hamburg-St. Georg verübt. In der Nacht zu Montag warfen sie zwei mit Teer gefüllte Flaschen gegen die Eingangstür sowie eine Scheibe des Gebäudes. Die Täter hinterließen mit Parolen beschriebene Zettel. Die Ermittler wollen nun die Aufnahmen der Überwaschungskamera des benachbarten Hotels "Atlantic" sichten.

erschienen am 20.04.2010

Teer Anschlag auf Polizei

Gegenüber dem Atlantic-Hotel haben Unbekannte in der Nacht zu gestern einen Anschlag verübt - auf die Geschäftsstelle der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) am Holzdamm. Die Täter warfen zwei Glasflaschen, die offenbar mit Teer gefüllt waren, gegen die Tür und ein Fenster. Zudem ließen sie Zettel mit der Aufschrift "Fight Cops" zurück. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Besonders ärgerlich: Die Fassade wurde gerade erst renoviert.

 

erschienen am 20.04.2010

Teer-Attacke auf die Polizeigewerkschaft in St. Georg

 

Die Täter hinterließen zudem kleine mit Parolen beschriebene Zettel. Die DPolG ist bereits im vergangenen Jahr zweimal angegriffen worden.

 

Unbekannte haben einen Anschlag auf die Landesgeschäftsstelle der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) am Holzdamm in St. Georg verübt. In der Nacht zu Montag warfen sie zwei mit Teer gefüllte Flaschen gegen die Eingangstür sowie eine Scheibe des Gebäudes. Die Täter hinterließen zudem kleine mit Parolen beschriebene Zettel. "DPLG abwracken" in falscher Schreibweise war darauf geschrieben oder "Fight Cops" und "No State". Der Staatsschutz der Polizei ermittelt. Die Beamten stellten etwa 15 dieser Zettel sowie Scherben der zerbrochenen Glasflaschen sicher.

 

"Dieser Anschlag ist sinnlos. Es wäre absurd zu glauben, dass wir uns dadurch einschüchtern oder in unserer Meinung beeinflussen lassen", kommentierte DPolG-Vorsitzender Joachim Lenders den Angriff. Er vermutet die Täter im "linksautonomen Umfeld". Er hatte in der Vergangenheit unter anderem die Ausschreitungen von Autonomen nach dem Schanzenfest und deren Angriffe auf Polizisten scharf verurteilt und in diesem Zusammenhang auch härtere Strafen für die Täter gefordert. Lenders selbst hatte am Montagmorgen die klebrigen Teerspuren entdeckt und die Polizei gerufen. Der Hamburger DPolG-Vorsitzende kündigte an, die Sicherheitsmaßnahmen an dem Gebäude weiter auszubauen.

 

Die DPolG ist bereits im vergangenen Jahr zweimal angegriffen worden - jeweils in Berlin. Unbekannte hatten Ende des Jahres aus Gas-Kartuschen einen Sprengsatz gebaut und vor dem Eingang der Landesgeschäftsstelle zur Explosion gebracht. Wenige Wochen zuvor war ein Bus der DPolG angezündet worden. Die Taten sind bislang nicht aufgeklärt.

 

In welchem Zusammenhang der jüngste Anschlag steht, ist nicht klar. Die Ermittler wollen nun die Aufnahmen der Überwachungskamera des benachbarten Hotels Atlantic auf Verdächtige sichten. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur.

erschienen am 20.04.2010

Farbanschlag auf Büro der Polizeigewerkschaft

 

Farbanschlag auf die Geschäftsstelle der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) am Holzdamm: In der Nacht zum Montag warfen bislang unbekannte Täter mit schwarzer Farbe gefüllte Gläser gegen das Gebäude, in dem sich das Büro der Gewerkschaft befindet. Die Gläser zerplatzten an der roten Tür und der historischen Fassade. Außerdem wurden Papierschnipsel wie Konfetti vor der Tür verteilt. Darauf waren Sprüche gegen die Polizei, die Gewerkschaft und die in Hamburg stattfindende Innenministerkonferenz abgedruckt.

 

Die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes ermittelt. Dort geht man davon aus, dass der oder die Täter der linksautonomen Szene zuzurechnen sind. Konkrete Spuren gibt es nicht. Niemand hatte den Farbanschlag bemerkt, der sich in unmittelbarer Nähe zum Hotel "Atlantic" abspielte. "Wir gehen davon aus, dass es höchstens zwei Täter waren", sagt ein Beamter.

 

Bei den Betroffenen hat die Tat wenig Eindruck hinterlassen. "Ein typischer feiger und hinterhältiger Anschlag", sagt Joachim Lenders, Landeschef der DPolG. "Wir lassen uns nicht beirren und nicht unter Druck setzen. Wer das glaubt, hat sich mächtig geschnitten. Unsere Linie behalten wir bei." Bei der DPolG lief am Montag laut Lenders das Tagesgeschäft normal weiter.

erschienen am 19.04.2010

So heiß wird der 1. Mai!

 

Hamburg steht in diesem Jahr ein besonders heißes 1.-Mai-Wochenende bevor: Neben den zu erwartenden Krawallen in der Schanze gibt es vier Veranstaltungen, die die Polizei zusätzlich in Atem halten werden.

- Freitag, 30. April, Sternschanze: In der Walpurgisnacht wird es wohl rund um die "Rote Flora" am Schulterblatt auch in diesem Jahr zu Ausschreitungen zwischen Autonomen und der Polizei kommen. 2009 wurden bei dem Randale-Ritual sechs Polizisten verletzt und 23 Krawallmacher festgenommen.

- Sonnabend, 1. Mai, 11 Uhr, St. Georg: Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) veranstaltet am Besenbinderhof seine alljährliche 1.-Mai-Demo. Im Museum für Arbeit (Wiesendamm, Barmbek) gibt es anschließend (13 Uhr) eine Kundgebung.

- Sonnabend, 1. Mai, 12 Uhr, Billstedt: Die Betreiber der Kneipe

"Place" (Everlingweg) laden zum "Spring-Bike-Day" ein. Der Laden gilt als Stammkneipe der Rockergruppe Hells Angels. Versprochen werden "Barbecue, Drinks, Musik und Spaß". Jeder sei "willkommen". Dass es bei der Veranstaltung zu Ärger kommen wird, ist eher unwahrscheinlich. Dennoch wird der "Spring-Bike-Day" unter verschärfter Beobachtung der Polizei stehen.

- Sonnabend, 1. Mai, 15.30 Uhr, Volkspark: Beim Bundesligaspiel des HSV gegen Abstiegskandidat Nürnberg ist eigentlich nicht mit Ausschreitungen zu rechnen. Trotzdem wird die Polizei auch hier mit ausreichend Personal vor Ort sein müssen.

- Sonnabend, 1. Mai, 18 Uhr, Bahnhof Altona: Das "revolutionäre 1.-Mai-Bündnis" ruft zur Anti-Kapitalismus-Demonstration auf. Unter dem Motto "Kapitalimus bedeutet Krieg und Krise" wollen die Veranstalter auf Missstände im deutschen Sozial- und Wirtschaftsystem aufmerksam machen. Anschließend soll es ein Konzert von Deichkind geben. Auf linken Internetseiten freuen sich viele Teilnehmer schon auf die Demo: "Erst die Bullen stressen und später beim Deichkind-Konzert auschillen", schreibt einer von ihnen.

Verschärft wird die Situation durch einen angekündigten Naziaufmarsch in Berlin, bei dem vermutlich auch Hamburger Beamte im Einsatz sein werden (siehe Text rechts). Eine offizielle Einschätzung der Polizei zum 1. Mai gibt es noch nicht. Für eine verlässliche Beurteilung der Lage sei es noch zu früh. Man werde "die Situation bis zuletzt auswerten", heißt es. Deutlicher wird Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG): "Dieses Wochenende wird eine extrem hohe Belastung für die Polizei mit sich bringen. Die Einsatzlage ist angespannt."

erschienen am 12.04.2010
Koalition diskutiert Aufnahme von Guantánamo-Häftlingen

GAL plädiert dafür, ehemalige Lagerinsassen nach Hamburg zu holen - Meinungen in der CDU geteilt - Innensenator hält sich bedeckt

 

Im schwarz-grünen Senat bahnt sich ein Streit über eine Aufnahme ehemaliger Insassen des US-Gefangenenlagers Guantánamo in Hamburg an. Die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Antje Möller, sagte der WELT, sie plädiere dafür, frühere Häftlinge des Lagers in Deutschland aufzunehmen. Auch Hamburg müsse sich dann an der Aufnahme beteiligen. "Entscheidend wird sein, den Bundesländern deutlich zu vermitteln, dass es keine Risiken für sie gibt", sagte Möller.

 

CDU-Innenpolitiker André Trepoll dagegen fehlt "jegliches Verständnis" für diese Aufnahmebereitschaft. "Ich sehe das sehr kritisch und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es in der Fraktion auf breite Zustimmung stößt. Ich sehe keinen Grund, warum Hamburg diese Menschen aufnehmen sollte."

 

Auslöser der Diskussion ist ein Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach drei der noch 183 Insassen des US-Gefangenenlagers auf Kuba nach Hamburg kommen sollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe darüber mit Bürgermeister Ole von Beust gesprochen, so "Bild". Bei den Männern soll es sich um zwei Palästinenser und einen Syrer handeln.

 

Senatssprecherin Kristin Breuer dementierte gestern zwar das angebliche Gespräche zwischen Bürgermeister und Kanzlerin: "Weder hat es ein Gespräch zwischen Herrn von Beust und Frau Merkel zu diesem Thema gegeben, noch gibt es eine offizielle Anfrage, noch hat sich der Hamburger Senat damit befasst." Zu der Frage, ob eine Aufnahme in Hamburg grundsätzlich denkbar sei, mochte sich jedoch niemand aus dem Senat äußern. Auch Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) beließ es gestern bei der Feststellung, ihm liege keine offizielle Anfrage des Bundes vor.

 

Inoffiziell verlautete derweil aus der Innenbehörde, dass man von den sehr konkreten Ankündigungen überrascht worden sein. "Dass es da Gespräche gibt, ist ja schon eineinhalb Jahre bekannt", sagte ein Beamter. "Da ging es aber nicht konkret um Hamburg." Ohnehin könne sich die Stadt voraussichtlich nicht gegen den Zuzug von Ex-Guantánamo-Insassen wehren. "Es sind ja keine Asylbewerber. Diese Leute würden eine Duldung bekommen. Damit können sie auch selbst entscheiden, ob sie nach Hamburg wollen oder nicht." Mehr noch: In einigen Jahren können sie dann die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Das Hamburg jetzt so konkret ins Spiel gebracht wurde, ist für Insider ein Hinweis darauf, dass es bereits konkrete Äußerungen der Noch-Häftlinge geben könnte, wo sie in Deutschland leben wollen. Hier würden sie zunächst nicht als "Gefährder" oder Unterstützer der islamistischen Szene eingestuft. "Wir haben über diese Leute keine Informationen. Die Amerikaner werden kaum die Akten über sie mitschicken", hieß es. Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft und früherer Bürgerschaftsabgeordneter der CDU, sagte, er sei "strikt" gegen eine Aufnahme. "Man kann nicht mal ernsthaft über eine solche Möglichkeit nachdenken", so Lenders. "Diese Leute hier zu haben birgt Risiken, die wir nicht brauchen können. Wir haben auch so schon genug Problemfälle in der Stadt. Es gibt für ganz Deutschland keinen Grund, amerikanische Gefangene zu nehmen. Vor allem, weil die USA selbst noch keinen der Häftlinge aufgenommen haben."

 

Der Hamburger CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Schira mochte sich gestern nicht zu einer inhaltlichen Positionierung bei dem Thema durchringen. Bisher sei ja nicht einmal klar, ob Deutschland Guantánamo-Insassen aufnehme, wie viele kämen und wie sie auf die Länder verteilt würden, hieß es aus der Partei. Dabei räumen führende CDU-Mitglieder ein, dass eine Aufnahme vor allem für die eigene Klientel sehr problematisch sei. Nicht alle aber lehnen eine Aufnahme rundweg ab. Der Bürgerschaftsabgeordnete Klaus-Peter Hesse etwa sagte der WELT, es gehe dabei vor allem um Solidarität und gerechte Verteilung auch zwischen den Bundesländern.

 

SPD-Innenpolitiker Andreas Dressel verlangte gestern Klarheit. "In dieser für die Menschenrechte und unsere Sicherheit zentralen Frage reichen lauwarme Dementis nicht", so Dressel. "Hier erwarte ich vom schwarz-grünen Senat und vom Innensenator eine klare Ansage. Der Innensenator ist als Vorsitzender der Innenminister-Konferenz in der Pflicht, die Kakophonie der unionsgeführten Länder zu beenden."

 

erschienen am 30.03.2010

 19-Jähriger fast totgeprügelt: Massive Kritik am Senatskonzept

 

Sie sind erst 14 und 15 Jahre alt. Trotzdem sieht Polizeigewerkschafter Lenders keine Hoffnung für die beiden Schläger aus Billstedt.

 

Der brutale Überfall auf einen 19-Jährigen vor gut einer Woche in Billstedt hat die Diskussion um die Wirksamkeit des Senatskonzepts gegen Jugendgewalt neu entfacht. Zwei der drei Täter sind bereits mehrfach bei der Polizei auffällig geworden. Die erst 14 und 15 Jahre alten Jungen haben schon Vorstrafen oder warten auf ihren Prozess. Trotz der Tatsache, dass es sich bei ihnen um Intensivtäter handelt, hat das Senatskonzept hier offenbar nicht gegriffen.

 

Wie berichtet, hatte die Polizei Robin A. (15) und Ayhan K. (14) bereits am Mittwoch festgenommen. Polizisten hatten sie auf den Videoaufzeichnungen einer Überwachungskamera am ZOB erkannt. Nach den Vernehmungen führte die Spur zu dem mutmaßlichen Haupttäter Candan A. (18). Gemeinsam sollen die drei den 19 Jahre alten Stephen S. an der Maukestraße angefallen haben. Die Täter traten auf das am Boden liegende Opfer ein. Es erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen. Anschließend raubten sie dessen Portemonnaie. Die Täter sitzen in Untersuchungshaft. Der Haftgrund bei dem mutmaßlichen Haupttäter ist Fluchtgefahr. Bei den beiden Jüngeren sah das Gericht Wiederholungsgefahr.

 

Nicht ohne Grund. "Sie sind vielfach und einschlägig bekannt", sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Die Zahl und das Ausmaß der Taten sind erschreckend. So ist der erst 15 Jahre alte Robin A. im vergangenen Mai wegen eines versuchten Raubes zu zehn Monaten Jugendhaft auf Bewährung verurteilt worden. Er war Mitglied einer Bande, die im Internet zum Schein Autos angeboten hatte. Im Januar 2009 hatten die Täter ein Opfer nach Steilshoop gelockt, um diesem den vermeintlichen Wagen zu verkaufen. Doch stattdessen tauchten der damals erst 14 Jahre alte A. und seine Komplizen auf, um den Käufer auszurauben. Sie schossen mit Gas-Pistolen auf dessen Wagen und schlugen mit Eisenstangen gegen die Fenster. Dem Mann gelang im letzten Augenblick die Flucht.

 

Gegen Ayhan K. hat die Staatsanwaltschaft erst im Januar Anklage wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung erhoben. Darüber hinaus sind die beiden in den vergangenen Jahren immer wieder mit Köperverletzungsdelikten in Erscheinung getreten, aber auch mit Raub, Diebstahl, Sachbeschädigung und Bedrohung. "Viele Verfahren sind eingestellt worden, weil die Verdächtigen zur Tatzeit Kinder und damit nicht strafmündig waren", erklärt Oberstaatsanwalt Möllers. "Wir konnten sie daher strafrechtlich nicht zur Verantwortung ziehen."

 

Immer wieder zeichnen sich kriminelle Laufbahnen von Jugendlichen schon früh ab. Zuletzt hatten zwei junge Männer im Februar einen 19-Jährigen in einem Bus in Bahrenfeld ebenfalls mit Tritten lebensgefährlich verletzt. Auch deren Schulschwänzer- und Gewalt-Biografien hätten Anlass für ein eigentlich im Senatskonzept gewolltes frühes Einschreiten der Behörden gegeben. Vor diesem Hintergrund kritisiert Wolfgang Sielaff, Landesvorsitzender der Opferschutzeinrichtung Weisser Ring, die schleppende Umsetzung des Programms. "Meine Wahrnehmung ist, dass es auf dem Gebiet der Prävention nicht nachhaltig genug umgesetzt wird. Die Ursachen von Jugendgewalt sind bekannt. Es werden aber lediglich die Erscheinungsformen bekämpft."

 

SPD-Innenexperte Andreas Dressel hat im aktuellen Fall eine Senatsanfrage gestellt, die das behördliche Handeln klären soll. "Wir wollen wissen, ob das Senatskonzept gegriffen hat oder nicht." Die für das Konzept federführende Sozialbehörde bezeichnete ihr Konzept "als grundsätzlich gut".

 

Joachim Lenders, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), hat wenig Hoffnung, dass die beiden Jugendlichen wieder in die Gesellschaft integriert werden können. "Wer in diesem Alter schon mit derartigen Taten auffällt, der strebt eine Karriere als Berufsverbrecher an. Da ist Hopfen und Malz verloren."

 

erschienen am 26.03.2010

Schanze droht Krawall-Sommer

Im Schanzenviertel braut sich was zusammen. Das Straßenfest im vergangenen Jahr wurde zum Symbol für Gewalt und Zerstörung. Dieses Jahr soll das Fest von vornherein verboten werden – die autonome Szene wird das nicht kümmern.

MIt dem angekündigten Verbot zieht Altonas Bezirkschef Jürgen Warmke-Rose (parteilos) die Konsequenz aus dem politischen Ärger von 2009. Werde in diesem Jahr erneut kein offizieller Veranstalter benannt, sei Schluss. Das Amt prüft eine Verfügung, mit der jedes nicht genehmigte Stadtteilfest untersagt werden kann.

Heißt: Meldet sich kein Veranstalter, wird schon der traditionelle Flohmarkt vor dem Fest von der Polizei geräumt.


 

Mit seinem Vorstoß macht sich Warmke-Rose in seinem Bezirk nicht nur Freunde. Altonaer Politiker befürchten: Sein Befreiungsschlag könnte nach hinten losgehen und die Spirale der Gewalt verschärfen.

 

Andreas Grutzeck (CDU) kritisiert: „Das ist ein Alleingang, der nicht mit der Politik abgestimmt ist und der ohne Not zur Eskalation beitragen kann.“

 

Beunruhigt ist auch SPD-Fraktionschef Thomas Adrian: „Diese Entscheidung birgt die Gefahr, die Schanzen-Bewohner in die Arme der gewaltbereiten Hooligans zu treiben.“ CDU-Fraktionsvize Sven Hielscher vermutet, dass Warmke-Rose nicht länger vom Innensenator den Schwarzen Peter für die Ausschreitungen zugeschoben bekommen will. SPD-Innenexperte Andreas Dressel: „Wer so agiert, nimmt einen Krawall-Sommer in Kauf.“

 

Allein von Joachim Lenders, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, kommt Lob: „Man darf den Chaoten nicht das Spielfeld Schanze überlassen.“

 

erschienen am 26.03.2010

Stürmt der Mob den Frühlings-Dom?

Alarmstufe Rot vor dem St. Pauli-Spiel gegen Rostock. So schätzen Schausteller, Polizei und Experten die Lage ein

 

St. Pauli gegen Hansa Rostock ­ wenn die beiden Zweitligisten aufeinandertreffen, sorgt das stets für Zündstoff. Das Spiel an diesem Sonntag steht unter besonderer Hochspannung, weil dem Gegner aus Ostdeutschland wegen der befürchteten Krawalle nur 500 Karten zur Verfügung gestellt wurden (MOPO berichtete).

Die hat der Verein aus Protest zurückgewiesen, Fans riefen per Flyer zum Randale-Trip nach Hamburg auf. Vor allem auf dem Dom herrscht nun Nervosität, denn das Volksfest neben dem Stadion haben die Gewaltbereiten speziell im Visier.

"Sonntag 13.12 Uhr ­- Spuk unterm Riesenrad". Den aufrührerischen Flyer der Rostocker Fans kennt auf dem Heiligengeistfeld jeder. Jeder Imbissbesitzer, jeder Autoscooter-Betreiber, jeder Schießstand-Inhaber. Sie alle sind verunsichert.

"Ich habe Angst", sagt Bierzelt-Inhaber Thomas Lübcke. Vor allem um seine Zwillinge, zwei 14-jährige Mädchen, die für die Zeit des Frühlingsdoms mit ihm und seiner Frau im Wohnwagen auf dem Platz leben, macht der 42-Jährige sich Sorgen. "Ich werde sie am Sonntag nicht aus dem Wagen lassen." Auch Adolf Fischer (73) von "Elektronikschießen Koken" fühlt sich nicht wohl: "Was da auf uns zukommt, da kann einem angst und bange werden!"

Um eine komplette Eskalation zu verhindern, hat Dom-Referatsleiter Michael Jenke vorgeschlagen, die Schausteller sollten alle beweglichen Gegenstände vor ihren Buden wegräumen, damit sie nicht von den Hooligans als Wurfgeschosse eingesetzt werden können. Thomas Lübcke findet das gut: "Ich werde die Blumenvasen und Aschenbecher reinstellen." Adolf Fischer wird die Infrarot-Gewehre auf den Boden legen. Nur Yvonne Vorlop von der "Bowling-Bahn", die um ihr Geschäft fürchtet, weil am Sonntag vermutlich weniger Menschen auf den Dom kommen, meint: "Es ist nicht unsere Sache, für Sicherheit zu sorgen, sondern die der Polizei."

Das meint auch Andy Grote (SPD Mitte): "Damit werden die Schausteller verantwortlich gemacht, dabei ist die Polizei zuständig. Der Dom muss in die Bannmeile rund um das Stadion miteinbezogen werden." Nach MOPO-Informationen werden rund 250 gewaltbereite Pauli-Fans und 300 bis 500 Hansa-Hooligans erwartet. Hinzu kommen etwa 250 Anhänger des SV Babelsberg 03. Die Potsdamer pflegen aufgrund ähnlicher politischer Ansichten eine Fan-Freundschaft mit dem FC St. Pauli. Sie sollen offenbar bei möglichen Krawallen mit den eher rechten Rostock-Hools "aushelfen".

"Das ist eine schwierige Situation. Es gibt Anzeichen für eine sogenannte dritte Halbzeit mit Ausschreitungen", sagt Joachim Lendersvon der Polizeigewerkschaft. Die Polizei wird mit rund 800 Beamten im Einsatz sein.

Am Sonntagnachmittag ist es Rostock-Fans verboten, sich zwischen Schanze, Reeperbahn, Messe und Heiligengeistfeld aufzuhalten. "Da es keine Tickets für Gäste gibt, gibt es für Rostocker Fußball-Fans auch keinen Grund, sich in der Nähe des Millerntors aufzuhalten", so Polizeisprecher Ralf Meyer. Wer sich nicht daran hält, muss mit Platzverweis und Ingewahrsamnahme rechnen.

Es gibt auch friedliche Signale von der Ostsee. Ex-Hansa-Spieler Stefan Beinlich forderte die Rostocker auf, nicht nach Hamburg zu reisen: "Alles andere wäre mehr als kontraproduktiv."

 

Riesenwirbel um Verbotsdrohungen

Zündelt der Bezirks-Chef in der Schanze? Jürgen Warmke-Rose will gegen Straßenfest vorgehen. Alle Parteien sind darüber empört

Kurz nach Mitternacht ließ Altonas Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose (parteilos) die Bombe im "Elysee"-Hotel platzen: Wenn sich auch diesmal beim Schanzenfest kein Veranstalter meldet, will der Bezirkliche Ordnungsdienst das Fest nicht mehr dulden. Seine Drohung: Die Stände der friedlichen Teilnehmer werden abgeräumt. Die CDU ging gestern auf Distanz zu Warmke-Rose.

Auch Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) hörte bei der Veranstaltung der Landespressekonferenz im Hotel "Grand Elysee" die vollmundige Ankündigung Warmke-Roses, nahm sie offenbar nicht ernst. Gestern ließ seine Pressestelle verlauten, die Innenbehörde wisse von nichts. Bei NDR 90,3 konkretisierte der Bezirkschef dann sein Vorhaben: "Stadtteilfeste ohne Anmeldung und damit auch ohne Verantwortliche vor Ort können nicht mehr geduldet werden." Der parteilose Verwaltungschef erklärte weiter: "Aus dem Schanzenfest heraus kommt es ja immer wieder zu unerträglichen Gewaltanwendungen." Man habe in den Vorjahren immer wieder versucht, im Vorfeld durch Gespräche Krawalle zu verhindern - ohne Erfolg.

Die CDU in Altona reagierte überrascht. Der Präsident der Bezirksversammlung Altona, Andreas Grutzek: "Das ist ein Alleingang, der nicht abgestimmt ist und ohne Not zur Eskalation beitragen kann." Auch die GAL, die in Altona mit der CDU koaliert, distanzierte sich.

Die SPD Altona griff Warmke-Rose scharf an. Fraktionschef Thomas Adrian: "Diese Entscheidung birgt die Gefahr, die Bewohner im Schanzenviertel in die Arme gewaltbereiter Hooligans zu treiben." Er forderte einen Runden Tisch, um eine Strategie zu entwickeln, die eine Eskalation wirkungsvoll verhindert. Warmke-Rose dagegen würde nur "Öl ins Feuer gießen".

Zustimmung bekam Warmke-Rose dagegen von Joachim Lenders, dem Hamburger Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft: "Für die Polizei würde das größere Handlungs- und Rechtssicherheit bringen. Die Chaoten hätten das Problem, dass sie sich nicht mehr hinter den friedlichen Besuchern des Festes verstecken können."

 

erschienen am 18.03.2010

DNA-Dusche: Hightech-Flüssigkeit markiert Räuber und Einbrecher

 

 

Nach großen Erfolgen in Großbritannien wird auch in Hamburg über die Einführung sogenannter DNA-Duschen nachgedacht. Die künstliche DNA schreckt Kriminelle ab.

Großbritannien feiert sie bereits als "Wunderwaffe" gegen Überfälle: künstliche DNA. Laut Polizei schreckt die synthetische Flüssigkeit die dortigen Kriminellen derart ab, dass die Zahl der Überfälle auf Geschäfte und Tankstellen schlagartig gesunken ist. Jetzt wird auch in Hamburg über die Einführung sogenannter DNA-Duschen nachgedacht.

 

Das Ganze funktioniert so: Über dem Eingang des Geschäfts wird ein schuhkartongroßer Kasten angebracht. Inhalt: 140 Milliliter künstliche DNA (Info-Kasten). Wird der Laden überfallen, sprühen die am Boden des Kastens installierten Drüsen den flüchtenden Täter mit der farblosen Lösung ein. Die Anlage kann auf zwei Arten scharf gestellt werden: Entweder der Angestellte aktiviert das System per Knopfdruck oder aber das Geschäft verfügt über eine "intelligente Kasse", die, wenn sie auf einen Schlag komplett entleert wird, automatisch Alarm auslöst.

 

Die Substanz hält mindestens eine Woche auf der Haut. Der Räuber kann sich so oft waschen, wie er will - die DNA-Spuren bleiben. Sinn der Sache: Die Polizei kann bei der Überprüfung von Verdächtigen mithilfe spezieller UV-Taschenlampen sofort erkennen, ob es sich um den Täter handelt. Selbst wenn der Räuber die Beute längst versteckt oder verprasst hat, kann ihm die Tat nachgewiesen werden.

 

Die Technik stammt aus England. Nach Polizeiangaben ist dort seit ihrer Einführung im Jahr 2001 die Anzahl der Raubüberfälle in einigen Städten um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. In Deutschland gibt es die Duschen bislang nur in Bremen. Das Bundesland wurde auserkoren, ein Pilotprojekt zu starten. Hintergrund: In keiner anderen deutschen Stadt wird statistisch gesehen so viel eingebrochen und geraubt wie in Bremen. Günther Wiechert vom Bremer LKA: "Die Anlagen haben vor allem präventiven Charakter. Wenn ein potenzieller Täter das Warnschild sieht, überlegt er es sich zwei Mal, ob er einen Raub begeht." Zwei besonders von Überfällen geplagte Bremer Tankstellen haben die Duschen seit drei Monaten in Betrieb. "Seitdem hatten wir keinen einzigen Überfall mehr," sagt deren Sprecher Willi Winckel.

 

Auch in Hamburg wird über die Einführung von DNA-Duschen nachgedacht. Joachim Lenders, Hamburg-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft: "Ich halte das für eine revolutionäre Sache und eine tolle Idee. Die Technik ist eine entscheidende Neuerung bei der Beweissicherung." Bei der Innenbehörde gibt man sich zurückhaltender. "Wir müssen erst einmal den Abschlussbericht abwarten. Dann sehen wir weiter", sagt Sprecher Ralf Kunz.

 

Das Bremer Pilotprojekt läuft noch bis November. Wenig später könnten dann auch in Hamburg die ersten DNA-Duschen montiert werden.

 

Info:

Künstliche DNA

 

Künstliche DNA ist eine farb- und geruchlose Substanz, die nur unter ultraviolettem Licht sichtbar wird. Die Flüssigkeit besteht aus Wasser, einem UV-Indikator und künstlicher DNA. Mit dem Erbgut von Lebewesen hat die Labor-Flüssigkeit allerdings nichts gemein. Die Bezeichnung "DNA" hat lediglich etwas mit der Einzigartigkeit zu tun: Der Code der Flüssigkeit ist in jedem Fläschchen einzigartig und kann so dem Herkunftsort zugeordnet werden. Die Substanz ist nicht gesundheitsschädlich.

 

Zitat:

"Das ist eine revolutionäre Sache und eine tolle Idee" J. Lenders, Polizeigewerkschaft

 

 

erschienen am 03.03.2010

Ein Polizist tötet in Notwehr -  und kämpft mit den Folgen

"Ich habe einen Menschen erschossen"

Jeder zweite der mehr als 700 Hamburger Bereitschaftspolizisten ist in den vergangenen sechs Jahren im Dienst verletzt worden.

Mehr noch als die Zahlen bereiten die Hemmungslosigkeit der Täter und die Brutalität der Angriffe Sorgen. Krawalle und Randale - das ist die eine Seite. Die andere: Gewalt, die jederzeit und überall unvorhergesehen ausbrechen kann. Der Polizist Christian S. stoppte einen Angreifer mit tödlichen Schüssen. Er musste lernen, mit den Folgen zu leben.

Die Nacht vom 5. auf den 6. März 2009 war verhältnismäßig mild. Milder, als die Nächte jetzt, ein Jahr später. Aber natürlich war es noch winterlich. Christian S., damals 35 und Polizeihauptmeister auf der Davidwache, saß am Lenkrad des Streifenwagens Peter 15/2. Bei ihm eine Praktikantin und eine Kollegin. Ihr Wagen rollte über den Holstenkamp, als der Funkspruch sie erreichte: Ein Mann habe über Notruf angekündigt, sich und alle anderen umzubringen. Man möge die Lage vor Ort überprüfen. Die Adresse: Hamburger Hochstraße, Hausnummer 4, 3. Stock. Der Name des Anrufers: Sven B., 24. Bis dahin kein ungewöhnlicher Einsatz für S., Polizist seit bereits neun Jahren.

Wenig später jedoch gab es keine Routine mehr. Nichts war mehr sicher. Sven B. griff den Beamten mit einem Fleischermesser an. Der Polizist schoss - und tötete den Mann. Seitdem versucht er, mit den Folgen des tödlichen Einsatzes zu leben. Gestern berichtete er darüber vor Kollegen auf der Tagung "Gewalt gegen Polizeibeamte" der Polizeigewerkschaft DPolG.

Wegen der angekündigten Bewaffnung waren S. und seine Kollegin an jenem Abend mit gezogenen Pistolen durch das Treppenhaus nach oben gegangen. Als sie die Tür des 24-Jährigen erreichten, klopften sie - und zogen sich etwas zurück. Nichts tat sich, sie klopften erneut und hörten ein Geräusch. Die Praktikantin ging die Treppe hinunter. Sie war unbewaffnet. Die Polizistin wartete auf der Treppe, S. stand versetzt vor ihr. Der Polizist: "Plötzlich riss jemand die Tür auf. Ein Mann kam mit einem Fleischermesser auf uns zugestürzt. Er hatte es über den Kopf erhoben. Wie in einem schlechten Horrorfilm." An die Sekundenbruchteile, die dann folgten, erinnert sich Christian S., so sagt er, als lägen sie hinter einem Schleier. Er habe die Waffe auf den Mann gerichtet. Und offenbar geschossen. Danach habe er auf die Waffe geblickt und realisiert, dass er sich nicht in einem Albtraum befand. Seine Kollegin und er riefen Notarzt und Kollegen. Beamte seiner Wache hätten ihn nach unten geleitet, erinnert sich der Beamte. Dabei habe er sie noch auf das Messer hingewiesen, das dort im Flur lag. "Ich wollte sichergehen, dass sie das nicht übersehen.

Es war doch die Waffe, mit der wir angegriffen wurden", sagt S. Man fuhr ihn zur Davidwache, zog sich dort zurück. S. wollte nicht viel reden. 1000 Gedanken kamen gleichzeitig. Angst, vor Gericht zu müssen, Angst um die berufliche Zukunft, die Frage, wie er all dies der Familie sagen könne. Der Chef der Wache kam zu ihm, der Polizeiseelsorger, jemand vom Personalrat. Spurensicherer, die Schmauch an seinen Händen sicherten, die Mordkommission. Im Laufe des Abends teilte man Christian S. mit, dass die Ärzte einen einstündigen Kampf um das Leben des Sven B. verloren hatten, dass er achtmal geschossen und viermal getroffen hatte. Und dass der komplette Einsatz auf Band festgehalten war: Sven B. hatte den Hörer nicht eingehängt. Ein Beamter in der Einsatzzentrale hörte das Klopfen an der Tür durch das Telefon. Dann sagte Sven B.: "Jetzt kannst du zuhören, wie ich die Bullen absteche."

"Die Traurigkeit", erinnert sich Christian S., die sei bei ihm später gekommen: "Immerhin habe ich einen jungen Mann getötet." Am darauf folgenden Tag sei er wieder zur Arbeit gegangen. Die Sekundenbruchteile, in denen er einen Mann erschoss, durchlebte er jedoch immer wieder. "Ich bin mit den Bildern eingeschlafen und aufgewacht", sagt S. "Und ich habe mich geändert. Freunde sagen, dass ich reizbarer wurde und zeitweise gleichgültig gegenüber den Problemen anderer." Er träumte, wie er einen Tankwart für ein Überraschungsei erschoss, und dass Sven B. ihn niedersticht. Bis Dezember 2009 ließ der Hauptmeister sich seelsorgerisch betreuen. Die Angst, sagt er, hat er im Griff. "Ich betrachte es als Geschenk, dass ich wieder normal arbeiten kann", sagt Christian S. "Viele andere, die so etwas erlebt haben, können das nie wieder." Die Polizei geht davon aus, dass Sven B. seinen Tod durch eine Polizeiwaffe plante.

 

erschienen am 03.03.2010

Christian S. (36) erzählt im Polizeipräsidium vom schlimmsten Tag seines Lebens. Er hat in Notwehr einen Menschen erschossen - und wird damit nicht fertig.

Der 5. März 2009 war der Tag, der das Leben des Polizisten Christian S. für immer veränderte. Es war der Tag, an dem der 36-Jährige auf dem Kiez einen Menschen erschoss. Eindeutig in Notwehr - daran besteht kein Zweifel. Doch der Beamte der Davidwache leidet bis heute unter dem Vorfall, hat Albträume. Gestern sprach er im Polizeipräsidium dazu erstmals vor einem größeren Publikum.

Anlass war die Fachtagung "Gewalt gegen Polizeibeamte" der Deutschen Polizeigewerkschaft. In den vergangenen zehn Jahren haben sich Gewaltakte gegen Ordnungshüter in Hamburg auf knapp 1200 Delikte jährlich fast verdoppelt. Etwas unsicher, ja verletzlich wirkt der Streifenbeamte, als er die Zuhörer begrüßt: "Schönen guten Tag an alle." Als der 36-Jährige den Abend des 5. März schildert, ist es mucksmäuschenstill im überfüllten großen Tagungssaal.

Der Einsatz an der Hamburger Hochstraße war eigentlich Polizei-Alltag: Ein offenbar verwirrter 24-Jähriger hatte über 110 angerufen und seinen Selbstmord angekündigt. Christian S. geht mit einer Kollegin (35) in das Mietshaus. "Wir entschieden uns, Kontakt mit dem Mann aufzunehmen, und klopften. Doch nichts passierte", so S. Dann sprechen die beiden Polizisten mit einem Nachbarn, als sie plötzlich an der Tür des 24-Jährigen ein Geräusch hören und instinktiv zurückweichen.

Christian S.: "Was dann geschah, ist schwer in Worte zu fassen. Das muss man erlebt haben. Die Tür wurde aufgerissen, und der Mann kam mit einem hoch erhobenen großen Fleischermesser auf uns zugestürmt. Wie in einem Horrorfilm. Alles, was ich noch weiß, ist, dass ich mehrfach geschossen habe und der Mann zusammengebrochen ist."

Sekundenlang starrt Christian S. den 24-Jährigen an: "Ich hatte Angst, dass er wieder hochkommt." Dann blickt der Polizist auf seine Pistole: Sie ist leer geschossen. Er hat acht Mal gefeuert. Vier Kugeln haben den Angreifer getroffen. Ein Treffer in die Brust ist tödlich. Kollegen bringen den Polizisten zur Davidwache. "Ich wollte nicht viel reden, hatte Angst um meine Zukunft. Am nächsten Tag geht er trotzdem wieder zum Dienst: "Ich wollte nicht allein zu Hause sein. Ich wäre dort die Wände hochgegangen."

Christian S. bekommt Albträume. Immer wieder erschießt er einen Menschen, wacht schreiend auf. Ein Mal träumt er, dass er einen Tankstellenpächter für ein Überraschungsei erschießt. Bekannte reagieren unsensibel. Der Polizist bekommt zu hören, so schlimm sei das doch nicht, das sei doch schließlich sein Beruf. "Das hat mich getroffen. Ich war natürlich froh, überlebt zu haben, doch dann kam die tiefe Traurigkeit dazu, einen erst 24 Jahre alten Menschen getötet zu haben." Christian S. wünscht, dass auch die Kollegin geschossen hätte: "Dann hätte ich die Schuld mit jemandem teilen können."

Im Dienst ist er überängstlich, zieht oft die Pistole, um sich sicherer zu fühlen. Er geht zum Polizei-Psychologen: "Herrn Sch. habe ich es zu verdanken, dass ich heute wieder wie früher meinen Dienst machen kann. Ich bin seit neun Jahren bei der Polizei und hoffe noch auf viele schöne Jahre." Es klingt ein wenig wie eine Bitte. Und dann folgt eine Anklage: "Ich hätte mich damals über einen Anruf von der Polizeiführung gefreut, das hätte mir gutgetan."

Tief betroffen hört Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) den 15-minütigen Vortrag, sagt: "Es zeigt ein Stück Hamburger Polizeikultur, dass Christian S. hier offen über seine Probleme reden kann. Und nicht als Weichei bezeichnet wird, sondern verdienten Beifall für seinen Mut bekommt."

 

erschienen am  03.03.2010

Wenn ein Polizist schießen muss

 

Wie lebt man mit der Gewissheit, einen Menschen getötet zu haben? Christian S. erzählt seine Geschichte

Einen Menschen zu erschießen, ihm sein Leben zu nehmen - nein, das gehört nicht zu seinem Beruf - auch wenn er im Dienst eine Pistole trägt. Christian S. weiß das. Dennoch ist es ihm passiert. Am 5. März 2009 in einem Treppenhaus an der Hamburger Hochstraße auf St. Pauli. Es war Notwehr. Als Polizist müsse man damit rechnen, sagen ihm Freunde. Doch das hilft nicht. "Man lebt mit dem Bewusstsein, einen Menschen getötet zu haben. Wer das nicht selber erlebt hat, kann das nicht nachvollziehen", sagt der Polizist.

An den 5. März erinnert sich der Beamte der Davidwache ganz genau. Minutiös schildert er auf der Fachtagung "Gewalt gegen Polizeibeamte", den die Deutsche Polizeigewerkschaft organisierte, was damals passierte. "Ich war mit einer Kollegin und einer Praktikantin auf den Peterwagen 15/2 eingeteilt", erzählt er. Gegen 22 Uhr erhielten sie den Einsatzbefehl: In einer Wohnung randalierte ein mit einem Messer bewaffneter Mann. "Auf der Anfahrt haben wir noch den Zusatz bekommen, dass die Person unberechenbar sei, dass sie jeden angreifen würde, der sich ihr nähert", erinnert sich der 36-Jährige.

Was dann passierte, könne er nur schwer in Worte fassen. Es sei wie in einem schlechten Horrorfilm gewesen. "Die Tür wurde schlagartig aufgerissen. Ein Mann erschien. Er hat nicht gezögert oder auch nur irgendwie inne gehalten. Er ist sofort mit einem hoch erhobenen Fleischermesser auf mich los", erzählt der Polizist. "Alles was ich noch weiß ist, dass ich die Waffe hochgerissen und mehrfach geschossen habe."

Der Angreifer brach zusammen. Etwas später, so erzählt er, "lief alles wie durch Watte ab". Hinzu kam die Angst. "Man hat Angst vor der beruflichen Zukunft, Angst, dass man jetzt vor Gericht gestellt wird."

Am Tag danach ging Christan S. zum Dienst. Auf viele wirkte das cool. "Aber ich wollte einfach nicht Zuhause sein. Ich wäre die Wände hochgegangen", erinnert er sich. Die Nächte waren geprägt von Schlaflosigkeit. In den folgenden Monaten durchlebte er den Vorfall vom 5. März in seinen Träumen immer wieder. Jedes Mal wachte er schreiend auf. Heute gehe es ihm wieder so gut, dass er, wie er sagt, "völlig normal arbeiten kann". Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Ein Psychologe half ihm, das Erlebte zu bewältigen. Vielleicht ist es auch die Tonbandaufnahme aus der Polizeieinsatzzentrale, die ihm bewusst macht, dass er nicht anders hätte handeln können. Bis zuletzt hatte der Angreifer eine Beamtin am Hörer. Seine letzte Worte waren: "Jetzt kannst du zuhören, wie ich die Bullen absteche". Dann fielen die Schüsse.

Allein in diesem Jahr gab es bereits 94 Angriffe auf Hamburger Polizisten. 19 Polizisten wurden verletzt. Vier so schwer, dass sie dienstunfähig sind. Die Angriffe passierten nicht bei gewalttätigen Demos, sondern bei Routineeinsätzen.

 

 

  erschienen am 19.02.2010

Wasserschutz-Polizei soll doch in Cuxhaven bleiben

Für die Wache der Hamburger Wasserschutzpolizei in Cuxhaven scheint eine Lösung in Sicht: Wie die Polizeigewerkschaft DPolG gestern mitteilte, soll der Standort doch nicht aufgelöst werden (wie die Innenbehörde Ende 2009 angekündigt hatte), sondern zu einer Stützpunktwache umorganisiert werden - als Teil des Wasserschutzkommissariats 1, das seinen Sitz in Waltershof hat.

Dieses Vorhaben habe Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) in einem Gespräch bekannt gegeben, sagte DPolG-Chef Joachim Lenders. 30 der 38 Stellen sollen an der Wache erhalten bleiben, die dann kein eigenes Revier mehr bildet, sondern als "Sachgebiet Unterelbe" den Waltershofer Wasserschützern zugeschlagen wird. Ein Wachbetrieb ist nicht vorgesehen, das Dienstgebäude soll verkleinert werden.

Lenders begrüßte die Vorschläge: "Fast alle Cuxhavener Kollegen können auch in Zukunft ihren Dienst von der jetzigen Dienststelle aus verrichten." Ob das Konzept auch langfristig trage, werde die Zukunft zeigen müssen.(dfe)

 

 

erschienen am 19.02.2010

 

Hamburger Polizei behält Wache in Cuxhaven

 

Die Hamburger Polizei wird ihre Wache in Cuxhaven behalten. Das hat Innensenator Christoph Ahlhaus gegenüber der Deutschen Polizeigewerkschaft bestätigt. Danach wird die Wache zukünftig ein "Stützpunkt" sein.

Die Hamburger Polizei wird ihre Wache in Cuxhaven behalten. Das hat Innensenator Christoph Ahlhaus gegenüber der Deutschen Polizeigewerkschaft bestätigt. Danach wird die Wache zukünftig ein "Stützpunkt" sein. Der Wachbetrieb wird eingestellt. Anzeigen beispielsweise können dort nicht mehr erstattet werden. Auch räumlich will die Polizei sich dort verkleinern. Von den bislang 38 Beamten sollen mindestens 30 in Cuxhaven bleiben.

Aus gewerkschaftlicher Sicht ist die DPolG mit der Entscheidung zufrieden. "Wir bewerten den Verbleib von rund 30 Stellen am Standort Cuxhaven als Erfolg und vor dem Hintergrund des Senatsbeschlusses als soziale Lösung im Sinne der Mitarbeiter", sagt der Landesvorsitzende Joachim Lenders. Das Wasserschutzrevier Cuxhaven sollte ursprünglich aufgegeben werden, um so im Rahmen der Sparmaßnahmen vom Jahr 2012 an mindestens eine Million Euro im Jahr weniger auszugeben.

erschienen am 03.02.2010

Polizisten sauer über das "Kopf-Kondom"

Kopfbedeckung: Gewerkschaft will eine Wollmütze, der Polizeipräsident beharrt auf einer Fleece-Kappe, auch "Kopf-Kondom" genannt.

Es ist kalt, auch die 5000 Hamburger Streifenpolizisten frieren. Darüber herrscht Einigkeit zwischen Polizeipräsident Werner Jantosch und Klaus Vöge, dem stellvertretenden Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft. Doch darüber, wie die Ohren der Ordnungshüter warm gehalten werden sollen, ist es zu einem skurrilen Mützenkrieg gekommen: Die Gewerkschaft will eine Wollmütze, doch Jantosch beharrt auf einer Fleece-Kappe, die die Beamten abschätzig als "Kopf-Kondom" bezeichnen.

Widerwillig stülpt sich Klaus Vöge das "Kopf-Kondom" über. Dann setzt der 50-jährige Hauptkommissar seine Dienstmütze drüber. Nein, toll sieht das wirklich nicht aus. Der Hauptkommissar: "Wir machen uns damit zum Gespött der Öffentlichkeit. Die Einführung dieses Teils ist an Schwachsinn nicht zu überbieten."

Neben der Geschmacksfrage gibt es auch einen handfesten Grund, die Fleece-Kappe abzulehnen. Vöge: "Das Ding trägt auf, die Dienstmütze passt nicht mehr. Viele Kollegen haben sich deswegen schon eine zweite Dienstmütze anschaffen müssen." Oder sie haben sich verbotenerweise bereits die Wollmütze mit Polizeistern besorgt. Das Teil ist in fast allen Bundesländern in Gebrauch. Nur Hamburgs Polizeipräsident Werner Jantosch lehnt es strikt ab. Sein Sprecher Andreas Schöpflin: "Das Mützenproblem ist keines. Wir haben uns einvernehmlich mit dem Personalrat geeinigt. Im Übrigen ist die Unterziehmütze weltweit bei diversen Polizeien eingeführt."

Kurios: Wasserschützer auf Booten, die Bereitschaftspolizei bei Großeinsätzen und Schutzleute im Wachdienst brauchen das "Kopf-Kondom" nicht überzuziehen. Sie dürfen die Wollmütze tragen. Die hat gegenüber der Unterziehmütze einen weiteren Vorteil: Sie ist mit knapp sechs Euro gegenüber 25,90 Euro fürs "Kopf-Kondom" deutlich billiger.

 

erschienen am 02.02.2010

 

Glasflaschenverbot auf der Reeperbahn zeigt keine Wirkung

Zahl der Gewaltdelikte auf St. Pauli verharrt auf hohem Niveau - Nur moderater Rückgang durch Kälte - Senat hält an Strategie fest - SPD hakt mit Anfrage nach

Die Zahl der Gewaltdelikte ist nach Einführung des Glasflaschenverbots auf dem Kiez nicht signifikant zurückgegangen. Das geht aus einer internen Erhebung der Polizei hervor. Damit steht die Wirksamkeit dieses Instruments, aber auch die Sicherheit auf St. Pauli erneut zur Debatte.

Nach den Daten wurden in den knapp vier Monaten vor der Einführung laut Statistik 2,32 Gewalttaten pro Tag gezählt. Im letzten Quartal 2009 waren es täglich 2,09 Taten. Experten gehen davon aus, dass der minimale Rückgang eher auf die kalte Witterung denn auf die Gesetzesänderung zurückzuführen ist.

Auch auf die Zahl der Raubüberfälle hat die Einführung des Glasflaschenverbots offenbar keine Auswirkung gehabt. Waren es in den Monaten vor der Einführung statistisch 0,77 Taten pro Tag, stieg die Zahl im letzten Quartal 2009 die Zahl leicht auf 0,8 Taten an.

Die Fälle träten konzentriert auf, wie ein Polizeibeamter erklärt. Allein an den Wochenenden würden rund 75 Prozent aller Gewalttaten verübt; die meisten davon in der Nacht von Sonnabend auf den Sonntag. Der Dienstag sei der ruhigste Tag für die Polizei. Bereits am Donnerstagabend sei ein Anstieg der Taten zu beobachten. Einen erheblichen Einfluss auf die Lage hat auch das strenge Winterwetter. Im letzten Quartal zählte die Polizei 192 Gewalttaten auf dem Kiez. Im Dezember begann dann die Kälteperiode. "Die Entwicklung hält an. Die Leute halten sich hauptsächlich in den Clubs auf, in denen es eine gute Security gibt", so der Polizist. Auf der Straße sei dagegen wenig los. "Man muss aber auch feststellen, dass das Glasflaschenverbot akzeptiert wird", so der Beamte. An den Zugängen der Verbotszone würden sich regelmäßig Glasflaschen in großer Zahl finden, die dort von Kiezbummlern abgestellt wurden.

"Die Verbote von Waffen- und Glasflaschen auf dem Kiez oder Maßnahmen wie die Videoüberwachung im öffentlichen Raum sind richtig und gut", sagt der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders. Die Zahl der Taten sage nichts über deren "Qualität" aus. "Gerade abgebrochene Flaschenhälse können schwerste Verletzungen verursachen", so Lenders. "Wenn sie weniger eingesetzt werden, ist das ein Erfolg." Die Entwicklung zeige aber sehr deutlich, dass der Kiez ein Brennpunkt bleibe. Lenders streicht heraus, dass neue Verbote, die überwacht und geahndet werden müssten, keinesfalls dazu genutzt werden dürften, Personal abzuziehen.

Die Innenbehörde hält die Daten für eine "Momentaufnahme", die analysiert werden müsse, so Sprecher Frank Reschreiter. "Im Bereich Gewaltkriminalität lassen wir nicht nach. Das Glasflaschenverbot sollte seinen Beitrag leisten, es ist ein sinnvolles Instrument, das in das Maßnahmenpaket aus Videoüberwachung, Waffentrageverbot, intensiveren Kontrollen und hoher Polizeipräsenz gehört."

Bei der Polizei kann man den Trend noch nicht bestätigen. "Die Auswertung für die Jahresstatistik ist noch nicht abgeschlossen", sagt Polizeisprecher Ralf Meyer. Es deute sich aber an, dass die Zahl der Gewaltdelikte über das Jahr 2009 gesehen leicht ansteige. Das habe auch mit der hohen Polizeipräsenz auf dem Kiez zu tun. Das Dunkelfeld werde aufgehellt.

Das sieht Lenders genauso. "Viele Taten, gerade die leichteren, wurden früher der Polizei nicht bekannt. Einerseits werden durch die Beamten selbst Fälle festgestellt. Andererseits ist die Anzeigebereitschaft höher, wenn man, wie auf dem Kiez, schnell einem Polizisten begegnet", so Lenders.

Ein halbes Jahr nach Einführung des Glasflaschenverbots bemängelt die SPD, dass es keine Evaluation des Gesetzes gibt. Erst zum Sommer 2011 soll eine solche Überprüfung vorgenommen werden. Dem SPD-Innenexperten Andreas Dressel reicht das nicht, er hat aufgrund der neuen Daten eine Kleine Anfrage an den Senat gestellt. "Die Zahlen zeigen: Verbotsmaßnahmen müssen auch mit Leben gefüllt werden, auf dem Kiez muss eine hohe Polizeipräsenz gehalten werden. Die Gewalt geht dort nicht zurück."

 

 

erschienen am 29.01.2010

 


Polizeigewerkschaft gegen Zentralstelle für Bürgerrechte
 

Eine neue Stelle, die die Einhaltung der Bürgerrechte vonseiten staatlicher Organe überwachen soll, steht kurz vor der Einrichtung. Sie soll an der Senatskanzlei angesiedelt werden. GAL-Innenpolitikerin Antje Möller bestätigt, dass der Koalitionsvertrag in diesem Punkt umgesetzt wird. 

Eine neue Stelle, die die Einhaltung der Bürgerrechte vonseiten staatlicher Organe überwachen soll, steht kurz vor der Einrichtung. Sie soll an der Senatskanzlei angesiedelt werden. GAL-Innenpolitikerin Antje Möller bestätigt, dass der Koalitionsvertrag in diesem Punkt umgesetzt wird. Die neue "Zentralstelle für Bürgerrechte und Transparenz" ist nicht unumstritten: Als "verkappte Polizeikommission" bezeichnet Joachim Lenders von der Deutschen Polizeigewerkschaft die Einrichtung. "Wenn man so etwas will, sollte man es auch beim Namen nennen und nicht mit grünem Anstrich als etwas Neues verkaufen." Rund 270 000 Euro Steuergeld soll laut Lenders die Einrichtung jährlich kosten. Möller widerspricht der Kritik. Sie legt Wert darauf, dass die Stelle keineswegs die Polizei, sondern die Arbeit sämtlicher Behörden und Ämter im Auge behalte.

 

erschienen am 22.01.2010

 

Richter müssen ständig für Blutproben bereitstehen

 

Justizbehörde reagiert auf Kritik - Seit Gerichtsurteil Alkohol-Bluttest nur mit Richterbeschluss

 

Für Alkoholkontrollen und Blutproben ist künftig eine richterliche Bereitschaft rund um die Uhr gewährleistet, heißt es aus der Justizbehörde. Sie reagiert damit auf Kritik aus der Polizeigewerkschaft. In der Vergangenheit war die Zahl der Blutprobenentnahmen drastisch zurückgegangen, nachdem das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat, dass ein Richter darüber entscheiden muss. Als Folge müssen Beamte warten, bis ein Richter die nötige Anordnung trifft. In Einzelfällen dauert dies sogar Stunden.

 

Aktuelle Zahlen zeigen: Im Dezember wurde in 27 Fällen ein Richter wegen einer Blutprobenentnahme angerufen. In zwei Fällen war keiner erreichbar. "Hier muss dringend gehandelt werden", sagt Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Die Regelung ist unpraktikabel." Vor allem die präventiven Maßnahmen, also Kontrollen schon bei geringem Verdacht, würden unter den Tisch fallen.

 

Die Justizbehörde handelte und strukturierte um. "Der richterliche Bereitschaftsdienst wurde ab 1. Dezember neu organisiert, um der in der letzten Zeit vermehrten Inanspruchnahme durch Polizei und Staatsanwaltschaft gerecht zu werden", ließ Justizsenator Till Steffen (GAL) verbreiten.

Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU)ist dennoch unzufrieden. "Ich bin mir mit Dr. Steffen einig, dass die derzeitige Situation nicht akzeptabel ist und die Verfahrensweise deshalb zügig geändert werden muss." Die Praxis vergangener Jahrzehnte habe sich bewährt. Ahlhaus: "Deshalb sollte es auch künftig wieder möglich sein, dass Polizeibeamte Blutproben anordnen können, ohne auf die Entscheidung eines Richters und deren Übermittlung über die Staatsanwaltschaft warten zu müssen."

 

erschienen am 20.01.2010

40 Prozent weniger Alkoholkontrollen nach Blutproben-Urteil

 

Vor allem zufällige Kontrollen der Fahranfänger - zur Vorbeugung sogenannter Disco-Unfälle - werden in Hamburg kaum noch durchgeführt.

Die Zahl der Alkoholkontrollen in Hamburg war im November und Dezember 2009 um rund 40 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Vor allem zufällige Kontrollen der Fahranfänger - zur Vorbeugung sogenannter Disco-Unfälle - werden in Hamburg kaum noch durchgeführt. Das bestätigt Joachim Lenders, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft DPolG.

 

Wie bereits berichtet, sind Hamburger Polizeibeamte seit November 2009 verpflichtet, deutlich konsequenter als bisher vor der Anordnung einer Blutprobenentnahme auf die entsprechende Anordnung eines Richters zu warten. Dies geht auf einen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zurück. Die Konsequenz: Teilweise stundenlanges Warten gemeinsam mit dem Verdächtigen an Ort und Stelle, bevor der mutmaßliche Alkoholsünder überhaupt mit zur Wache genommen werden darf. Ein leitender Beamter der Hamburger Polizei: "Kaum ein Kollege tut sich so etwas derzeit an. Da wird tatsächlich lieber weitergefahren, auch wenn man den Verdacht hat, dass zum Beispiel neben einem an der Ampel ein betrunkener Fahrer steht."

 

Wie berichtet, müssen Hamburger Beamte, wenn sie einen offenbar betrunkenen Fahrer angehalten haben, nun einen höchst bürokratischen Weg einschlagen: Sie wenden sich telefonisch an einen Staatsanwalt, der - sofern er zustimmt - einen Richter um dessen Zustimmung zur Blutprobe anhalten muss. In Einzelfällen kann das Prozedere, in dessen Verlauf mancher der kontaktierten Juristen noch die Übersendung schriftlicher Unterlagen wünscht, bis zu fünf Stunden dauern. Vor der Neuregelung hatten die Beamten den Verdächtigen mit zur Wache genommen und von dort den Richter kontaktiert. Da aber schon die "Verbringung" - wie es im Amtsdeutsch heißt - zum Prozess der Blutprobenentnahme gehört, muss nach den Gerichtsbeschlüssen vor Ort ausgeharrt werden.

 

"Diese Regelung gilt nicht allein in Hamburg", sagt Innenbehördensprecher Frank Reschreiter, sie wird auch in anderen Bundesländern umgesetzt. Bayern und Nordrhein-Westfalen verfahren hingegen wie vor dem Richterspruch. In Schleswig-Holstein warten die Beamten nach Abendblatt-Informationen eine halbe Stunde, nehmen den Fahrer dann wegen "Gefahr im Verzug" mit zur Wache.

 

SPD-Innenexperte Andreas Dressel fordert vor allem den Justizsenator auf, schnell auf eine Verstärkung des Richter-Bereitschaftsdienstes hinzuwirken, denn hier entstehen offenbar die größten Verzögerungen. Er sieht einen Streit in der Koalition heraufziehen Denn: Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) will schon auf der diesjährigen Innenministerkonferenz über eine mögliche Änderung der Strafprozessordnung diskutieren, in der der strittige Paragraf steht. Justizsenator Till Steffen (GAL) sieht hingegen nach derzeitigem Stand keine Notwendigkeit, Gesetze oder Vorschriften zu ändern. Justizbehördensprecherin Pia Kohorst: "Bevor wir über Gesetzesänderungen reden, sollten wir uns gemeinsam anstrengen, das derzeitige Verfahren zu verbessern." Richter, Staatsanwälte und Polizei seien hier gefordert.

erschienen 19.01.2010

Beamte gegen neue Polizei-Kommission

 

Hamburgs größte Polizeigewerkschaft DPolG (5500 Mitglieder) macht Front gegen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und den schwarz-grünen Senat. Es geht um eine neue Beschwerdestelle für aufgebrachte Bürger, die sich von Hamburgs Beamten schlecht behandelt fühlen.

„Der Bürgermeister überlässt den Grünen die Polizei als Spielball“ schimpft DPolG-Chef Joachim Lenders. Auslöser für den Zorn ist die neue „Zentralstelle für Transparenz und Bürgerrechte“. Die GAL hatte sie in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU durchgesetzt, jetzt wird sie eingerichtet.

Die Zentralstelle, die der Senatskanzlei des Bürgermeisters angegliedert wird, soll Beschwerden von Bürgern entgegennehmen, die der Ansicht sind, „durch das Handeln einer hamburgischen Behörde in Bürger- und Menschenrechten verletz zu sein“.

„Hier wird wieder Misstrauen gegen die Polizei gesät“, so Lenders. „Das Gesetz bezieht sich zwar auf alle Behörden, zielt aber auf die Polizei. Mit der Zentralstelle bekommen wir eine noch viel schlimmere Polizeikommission als die von Rot-Grün.“

Die umstrittene Kommission (wurde nach dem Regierungswechsel 2001 abgeschafft) war mit drei ehrenamtlichen Mitgliedern besetzt. Die Zentralstelle bekommt einen vom Senat für sechs Jahre berufenen Vorsitzenden und drei Mitarbeiter, alle hauptamtlich. Allein für Personalkosten veranschlagt der Senat pro Jahr rund 270.000 Euro.

Die Mitarbeiter haben jederzeit unangemeldet Zutritt zu allen Dienststellen, dürfen in alle Akten Einsicht nehmen, haben das Recht, alle Beamten und Angestellten als Zeugen zu vernehmen.

Lenders: „Wir lehnen das ab, haben für Bürger eine zentrale Beschwerdestelle und zudem die Dienststelle interne Ermittlungen.“

 

erschienen 05.01.2010

Freie Fahrt für Alkoholsünder?

Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) fordert eine Novellierung der Strafprozessordnung. Polizisten soll wieder erlaubt werden, Blutproben anzuordnen, wenn sie betrunkene Autofahrer erwischen.

Seit Oktober dürfen in Hamburg Blutentnahmen nur noch durchgeführt werden, wenn sie von einem Richter genehmigt wurden. Die Folge: „Die Zahl der Blutproben sank um 40 Prozent“, sagt Joachim Lenders, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Früher brachten Polizisten Autofahrer bei Verdacht auf Trunkenheit zur Wache und ließen dort von einem Arzt eine Blutprobe nehmen. Jetzt müssen sie mit dem Verdächtigen dort warten, wo sie ihn erwischt haben, bis sie über einen Staatsanwalt eine richterliche Erlaubnis für eine Blutprobe bekommen. Das dauert mindestens 45 Minuten, kann aber bis zu sechs Stunden dauern, sagt Lenders. So lange fällt die Streife für den normalen Dienst aus.

Offenbar ist vielen Polizisten dieses Verfahren zu umständlich. Verdächtige Autofahrer werden nach BILD-Informationen häufig nicht mehr angehalten, vor allem dann nicht, wenn es kurz vor Schichtende der Polizisten ist – freie Fahrt für Trunkenbolde?

Die Innenbehörde will das nicht bestätigen. Sprecher Thomas Butter gibt aber zu, dass die Zahl der Blutentnahmen stark rückläufig ist. Innensenator Ahlhaus sagt: „Ich werde das Problem mit meinen Kollegen aus den anderen Ländern besprechen. Wir müssen die Abläufe schneller und unbürokratischer gestalten. Es geht hier um die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen. Alkohol am Steuer ist eine der Hauptursachen für schwerste Unfälle. Hier können wir uns keine Einschränkungen leisten.“

Nach BILD-Informationen hofft Ahlhaus, dass das Bundesinnenministerium eine Änderung der Strafprozessordnung veranlasst. Falls der Bund nicht aktiv werden sollte, will Ahlhaus im Senat eine entsprechende Bundesrats-Initiative beantragen.

 

erschienen am 17.12.2009

Polizei sagt Großkontrollen wegen Personalmangel ab 

Aktionen der linken Szene binden zu viele Beamte – Gewerkschaft: „Müssen Prioritäten setzen“ – Verkehrschaos für Freitag befürchtet

Die Belastung der Hamburger Polizei durch Aktionen der linken Szene hat mittlerweile konkrete Auswirkungen auf die Sicherheitslage. So wurden wegen der Demonstration in der Vorweihnachtszeit, der Anschläge und der in dem Zusammenhang angekündigten weiteren Gewaltaktionen bereits zwei fest eingeplante Verkehrsgroßkontrollen angesagt. Die Polizei hat nicht genügend Beamte zur Verfügung, um diese durchzuführen.

Ursprünglich sollten am Freitag an zahlreichen Kontrollstellen Fahrzeuge angehalten und kontrolliert werden. Doch für den Tag ist eine Großdemonstration unter dem Tenor „Recht auf Stadtparade“ angemeldet worden. 1500 bis 2000 Teilnehmer, so die Schätzung der Polizei, werden durch Hamburg ziehen. Darunter sollen bis zu 600 gewaltbereite Linksautonome sein.

Die Polizei wird an dem Tag mit einem Großaufgebot den Aufzug begleiten. Die Alarmhundertschaften, die sich aus den Beamten der Wachen zusammensetzen, werden aufgerufen. Es gibt ein Raumschutzkonzept, durch das die Demonstration an diesem letzten Freitag vor Heiligabend, der als einer der umsatzstärksten Tage im Vorweihnachtsgeschäft gilt, von den Weihnachtsmärkten und aus den Einkaufsstraßen ferngehalten werden sollen. Weil die Hamburger Polizei nicht genug Beamte hat, werden mindestens vier Hundertschaften aus anderen Bundesländern zur Unterstützung anrücken. Rund 2000 Polizisten werden am Freitag im Einsatz sein.

„In so einer Situation kann man nur noch Prioritäten setzen. Auch wenn Verkehrskontrollen zu einer der ganz wichtigen Aufgaben der Polizei gehören“, sagt Freddi Lohse von der Deutschen Polizeigewerkschaft.

„Hamburg wird aber deshalb für die Autofahrer keine kontrollfreie Zone sein“, sagt dazu Hauptkommissar Andreas Schöpflin. „Natürlich wird auf der Ebene der Polizeikommissariate verstärkt in dieser Zeit auf den Verkehr geachtet.“

Autofahrer können sich für den Freitag auf extreme Behinderungen im Innenstadtbereich einstellen. Die Anmelder der Demonstration wollen einen Marschweg direkt durch die City. Das lehnte die Polizei aus Sicherheitsgründen ab. Es wird befürchtet, dass diese Route genutzt wird, um Krawall zu machen. Stattdessen wurde ein Marschweg angeboten, der an der Innenstadt vorbeiführt. Welche Strecke der Demonstrationszug nehmen darf, müssen jetzt die Gerichte klären. Eine erste Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht verzögerte sich, weil die Behörde den eigenen Bescheid zurückzog, um ihn nachzubessern. Eine Entscheidung lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Erfahrungsgemäß wird die Entscheidung ohnehin von einer der beiden Seiten angefochten, dass Oberverwaltungsgericht muss dann letztinstanzlich entschieden.

Vor Gericht wird außerdem noch über den Platz einer Kundgebung von Gegnern der Pelztiernutzung gestritten. Auch diese für den Freitag angemeldete Aktion will die Polizei aus dem direkten Innenstadtbereich heraus haben. Es wird befürchtet, dass sie sonst als Anlaufstelle für Krawallmacher genutzt wird, die anders nicht in den Citybereich kommen. Für Autofahrer wird es auf jeden Fall eng. Selbst wenn es keinen Aufzug im Kern der Innenstadt6geben wird, dürfen die Fahrzeugkolonnen der Polizei und der Ausweichverkehr für starke Behinderungen sorgen.

erschienen am 15.12.2009

 Gewerkschaft kritisiert Ausstieg aus Gewalt-Studie

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, hat den Ausstieg Hamburgs aus der sogenannten "Gewalt-Studie" kritisiert. Dabei griff er Innensenator Christoph Ahlhaus scharf an. Ihm sprach Freiberg in dem Zusammenhang die Kompetenz ab, bei der anstehenden Innenminister-Konferenz in Hamburg Vorsitzender zu werden. Gleichzeitig fordert Freiberg einen eigenen Paragrafen, der Angriffe auf Polizisten nicht nur als Angriff auf einen Menschen, sondern als Angriff auf den Staat wertet.

Mit dem Ausstieg aus der geplanten Gewalt-Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) habe sich Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus in Hinblick auf die 2010 in der Hansestadt stattfindende Innenministerkonferenz disqualifiziert, ist die Meinung Freibergs. Ahlhaus könne "nur Versammlungsleiter werden, aber nicht IMK-Vorsitzender". "Das ist ein Trauerspiel", meint Freiberg. "Man kann nur davon ausgehen, dass die Innenminister Angst haben vor dem Ergebnis, vor der Dimension der Gewalt und vor allen Dingen vor der Anklage der Polizisten."

Das sieht Hamburgs Innensenator ganz anders. "Die Fragestellungen in der KFN-Studie machen aber aus Polizisten Täter statt Opfer, das ist nicht hinnehmbar", sagt Ahlhaus. "Ich befinde mich in guter Gesellschaft des Bundesinnenministers und meines Kollegen aus Sachsen." Nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), die die Studie ebenfalls ablehnt, sind nicht nur Hamburg und Sachsen, sondern auch der Bund und Nordrhein-Westfalen aus der Untersuchung ausgestiegen. "Das wird nicht das Ende sein", sagt der Hamburger DPolG-Landeschef Joachim Lenders. "Es wird noch weitere Absagen geben." Ohnehin sei ihm "politisches Handeln" lieber als lange Studien.

Innensenator Ahlhaus möchte auf "wissenschaftliche Munition" für geplante Gesetzesverschärfungen nicht verzichten. Grundsätzlich sei er nicht gegen eine Studie. "Die muss aber so angelegt sein, dass wir eine breite Akzeptanz bei den Polizisten erreichen", sagt der Innensenator. "Intime, sehr persönliche Fragen verletzten die Persönlichkeitsrechte der Polizisten auf unerträglicher Weise."

Die GdP will jetzt selbst Gewaltforschung betreiben. Freiberg kündigte an, dass die Gewerkschaft notfalls eine eigene Studie initiiert, die sich mit dem Thema Gewalt gegen Polizeibeamte beschäftigt. Das ist pikant: Im Personalrat der Hamburger Polizei hatten die Vertreter der GdP noch mit gegen die Studie gestimmt, die ihr Bundesvorsitzender jetzt einfordert.

erschienen am 10.12.2009

Hamburg neue Hochburg der Chaoten

Verfassungsschutz verzeichnet noch mehr linke Gewalt als in Berlin

Die Polzisten im Kommissariat an der Stresemannstraße  mussten Angst um ihr Leben haben, als letzte Woche Verbrecher aus dem linken politischen Lager ohne jeden Grund angriffen. Heute berät die Bürgerschaft über Konsequenzen. Bei dem Anschlag war ein Streifenwagen abgefackelt, die Polizeiwaceh mit Steinen beworfen worden.

Hamburg ist die deutsche Hauptstadt linker Gewalt. Schon 2008 wurden erstmals in keinem Bundesland von Linksradikalen mehr Straftaten - gemessen an der Bevölkerungszahl - begangen als in Hamburg. Das geht aus dem Jahresbericht  2008 des Bundesamtes für Verfassungsschutz hervor. Bisher war Berlin der traurige Spitzenreiter.

Der Sturm auf das Kommissariat im Schanzenviertel war der bisherige Höhepunkt von Gewaltaktionen aus dem linken Lager, dem auch mehr als 100 Brandanschläge auf Privat- und Firmenautos angelastet werden - allein in diesem Jahr.

SPD-Innenexperte Dr. Andreas Dressel fordert hartes Durchgreifen gegen die linken Verbrecher: "Von konsequenter Strafverfolgung wird viel geredet, doch es kommen viel zu wenige linke Gewalttäter wirklich hinter Schloss und Riegel. Das ist bitter für das Sicherheitsempfinden der Bürger." Wichtig sei aber auch, der linken Gewalt den Nährboden und das Unterstützerumfeld zu nehmen. Aber auch hier versage der Senat.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) verdoppelte gestern die von der Polizei für die Ergreifung der Täter ausgesetzte Belohnung auf 10.000 Euro. Landeschef Joachim Lenders: "Das war ein feiger und hinterhältiger Anschlag auf unsere Kollegen im Kommissariat 16." Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts.

 

 

erschienen am 10.12.2009
Belohnung nach Brandanschlag verdoppelt

Attacke auf Polizeiwache: Jetzt 10 000 Euro für Hinweise auf Täter

Nach dem Angriff von Vermummten auf die Hamburger Polizeiwache Lerchenstraße in der vergangenen Woche hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) die Belohnung zur Ergreifung der Täter verdoppelt. Aus Sicht der Gewerkschaft sei dies ein zusätzlicher Anreiz dafür, dass sich Zeugen oder Mitwisser gegenüber den ermittelnden Behörden offenbarten, sagte der Hamburger Landesvorsitzende der DPolG, Joachim Lenders. Hinweise zur Tat würden nun mit 10 000 Euro belohnt. Konkrete Spuren zu den Tätern liegen den Behörden derzeit allerdings noch nicht vor, wie ein Polizeisprecher sagte.

In der Nacht zum Freitag hatten etwa zehn Unbekannte das Polizeikommissariat im Stadtteil St. Pauli mit Steinen angegriffen. Mehrere Beamte mussten sich in Sicherheit bringen. Bei dem Anschlag wurden zwei Streifenwagen sowie mehrere Fensterscheiben des Kommissariats zerstört. Verletzt wurde niemand. Vermutet wird ein linksextremistischer Hintergrund der Taten.

Nach dem Angriff war bei der "Hamburger Morgenpost" ein Bekennerschreiben eingegangen. Darin wurde die Attacke als Racheakt für den am 6. Dezember 2008 in Griechenland vermutlich von einem Polizisten erschossenen Jugendlichen Alexandros Grigoropoulos bezeichnet.

Man befinde sich in einer "Revolte" gegen die "Repressionsorgane", hieß es in dem Schreiben. Die Wahl sei auf die Wache gefallen, weil diese für "Misshandlungen und rassistischen Terror" bekannt sei. Zugleich drohten die Täter, bei einer Räumung der Roten Flora am Schulterblatt werde "ein munteres internationales Völkchen aus allen Ecken Europas für eine fulminante unvergessliche Erfahrung sorgen".

Die Polizeigewerkschaft bezeichnete den Anschlag als "feige und hinterhältig". "Die Gesellschaft, Politik und Bürger müssen gemeinsam zur Ächtung einer solchen massiven Gewalt beitragen, und die Täter müssen zu spüren bekommen, dass die Luft für sie jetzt dünner wird", sagte Lenders. Der Angriff habe die Kollegen nicht nur empört. "Wir haben auch überlegt, wie es am besten gelingen kann, die Täter zur Strecke zu bringen."

Das Landeskriminalamt hatte zu Beginn der Woche eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise zur Ergreifung der Täter ausgesetzt.

erschienen am 10.12.2009

Belohnung verdoppelt

Nach dem Anschlag auf die Wache 16 an der Lerchenstraße (St. Pauli) hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) die Belohnung für Hinweise auf die Täter auf 10000 Euro erhöht. Die vom Landeskriminalamt ausgesetzte Belohnung lag zuvor bei 5000 Euro. Etwa zehn Vermummte hatten in der Nacht zum Freitag in einer generalstabsmäßig geplanten Aktion Streifenwagen vor der Polizeiwache angezündet und mehrere Fensterscheiben eingeworfen.

 

erschienen am 09.12.2009

Gewalt gegen Polizisten um 40 Prozent gestiegen

Der Überfall auf die Polizeiwache an der Lerchenstraße reiht sich ein in eine lange Serie von Übergriffen auf Polizeibeamte. Seit zehn Jahren steigt die Zahl derartiger Delikte stetig an. Allein im vergangenen Jahr wurden 1153 Fälle in Hamburg gezählt. Das sind 7,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor und gut 40 Prozent mehr als noch 1999. Gerade bei Anschlägen von Autonomen ist die Hemmschwelle, Polizisten zu verletzen, niedriger als in Bezug auf andere Personen. Während sie etwa bei Wirtschaftsgrößen lediglich Autos oder Fensterscheiben zerstören, müssen Beamte nicht selten um ihr Leben fürchten. Wie berichtet, haben die Angreifer vom vergangenen Donnerstag faustgroße Steine auf ungeschützte Beamte geworfen.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft haben die Täter dabei den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen. Auch bei den Ausschreitungen nach dem Schanzenfest im September warfen Autonome mit Steinen. Bei dem Protest gegen eine NPD-Kundgebung zwei Tage zuvor wurden Polizisten in einem Streifenwagen mit einer Gehwegplatte angegriffen. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes sind Polizisten für die Angreifer Repräsentanten des ihrer Meinung nach "repressiven Staates", die "Aktion" sei deshalb zu rechtfertigen. Doch auch bei einfachen Einsätzen sehen Polizisten sich immer häufiger und immer heftigeren Angriffen ausgesetzt.

"Wenn früher Beamte bei Festnahmen mal weggedrückt oder geschubst worden sind, so sehen sie sich heute Schlägen mit Flaschen ausgesetzt", sagt Joachim Lenders, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft. Aber auch die Zahl der niedrigschwelligeren Widerstände steigt, sagt Uwe Koßel von der Gewerkschaft der Polizei. "Die Kollegen berichten, dass sie beschimpft und bespuckt werden. Oft heben die Richter dann nur den Zeigefinger." Viele Polizisten würden derartige Angriffe schon gar nicht mehr anzeigen. "Es sind bestimmte junge Erwachsene, die unter Alkoholeinfluss Beamte angreifen", sagt Polizeisprecher Ralf Meyer. "Der Respekt schwindet. Um sich diesen zu verschaffen, müssen heute bei einigen Einsätzen mehr als zwei Beamte vor Ort sein." SPD-Innenxeperte Andreas Dressel will Schwere und Hintergründe derartiger Gewalttaten nun mit einer Großen Anfrage an den Senat klären lassen.

 

erschienen am 07.12.2009

Neue radikale Gruppe droht mit weiteren Anschlägen

Bekennerschreiben nach Angriff auf Polizeiwache: Angeblich Rache für Vorgänge in Griechenland - Erneut Gewalt gegen Beamte

Nach dem gezielten Angriff auf die Polizeiwache an der Lerchenstraße ist ein Bekennerschreiben eingegangen. In dem eineinhalbseitigen Dokument übernimmt eine Gruppe namens "Koukoulofori" die Verantwortung für die Tat. "Koukoulofori" ist Griechisch und bedeutet so viel wie "die Kapuzenträger" oder "die Vermummten". Was die Sicherheitsbehörden alarmiert: Die Täter drohen mit weiteren Anschlägen.

Es ist eine weitestgehend von den üblichen politischen Floskeln frei bleibende Bekennung, die die Täter an die "Hamburger Morgenpost" geschickt hatten. Mit dem Anschlag auf die Wache, bei der Beamte mit Steinen beworfen und Brandsätze in Peterwagen geschleudert wurden, wolle man an den Tod des Griechen Alexandros Grigoropoulos am 6. Dezember 2008 erinnern. Er war in Griechenland von Polizisten erschossen worden. Man befinde sich in einer "Revolte" gegen die "Repressionsorgane". Die Wahl sei auf die Wache gefallen, weil diese für "Misshandlungen und rassistischen Terror" bekannt sei.

Bei den Sicherheitsbehörden wird das als "vorgeschobener Grund" gewertet, mit dem die Täter eine international vernetzte Gruppe vorgaukeln wollen.

Als "zu weit weg" wird der letzte Teil des Schreibens, in dem es um die Rote Flora geht, eingestuft. Bei einer Räumung, so die Ankündigung, werde "ein munteres internationales Völkchen aus allen Ecken Europas für eine fulminante unvergessliche Erfahrung sorgen". Doch eine Räumung ist bislang nicht absehbar oder gar geplant. Frühestens 2011 würde dort, sollte der Eigentümer eine neue Nutzung wollen, etwas passieren.

"Hier hat sich eine neue Gruppe gebildet, die eine neue Eskalationsstufe betreten hat. Sie will sich jetzt in der Szene etablieren", meint der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders. Dafür habe man einen Anlass gesucht und ihn mit dem Vorfall in Griechenland gefunden. "Es wird vermutlich nicht das letzte Mal sein, dass aus dieser Richtung Anschläge verübt werden", sagt Lenders.

Der SPD-Innenexperte Andreas Dressel fordert jetzt mehr Schutz für die Polizei. "Nach diesem schrecklichen Anschlag und angesichts weiterer perfider Drohungen müssen alle Schutzkonzepte für unsere Polizei schnell auf den Prüfstand", sagt Dressel. "Der Rechtsstaat muss nach diesem abscheulichen Anschlag klare Kante zeigen. Ich hoffe, dass genügend Ermittlungsansätze bestehen, um die Täter zu fassen und konsequent zu bestrafen. Hier geht es nicht um Sachbeschädigung, das war versuchter Totschlag."

Von diesem Vorwurf sind die Ermittlungsbehörden allerdings noch weit entfernt. Die Staatsanwaltschaft sieht in der Tat eine "Brandstiftung" und "versuchte gefährliche Körperverletzung". Beim Staatsschutz geht man zudem von Landfriedensbruch aus.

Derweil dreht sich die Gewaltspirale weiter. Am Wochenende griffen Besucher der Kneipe "Ahoi" in der Hafenstraße Polizisten an, weil die einen Kokaindealer festnehmen wollten. Fahnder hatten den Schwarzafrikaner bei dem Drogengeschäft beobachtet. Danach verschwand der Täter in der Kneipe, die vornehmlich von der linken Szene frequentiert wird. "Die Fahnder nahmen den Beschuldigten in der Gaststätte vorläufig fest und wollten aus dem Gebäude gehen, als Gäste die Polizisten bedrängten und den 25-Jährigen befreiten", schildert ein Hauptkommissar den Ablauf. Als Bereitschaftspolizisten anrückten, um die Festnahme durchzusetzen, wurden sie mit Flaschen beworfen und geschlagen. Drei Polizisten wurden verletzt. Einer der Beamten ist dienstunfähig. Der Dealer und drei Krawallmacher konnten festgenommen werden. Während der Rauschgifthändler der Ausländerbehörde überstellt wurde, kamen die Schläger wieder auf freien Fuß.

 

Auf der Großen Freiheit bewarfen zwei Männer Beamte mit Steinen, als die eine Überprüfung durchführten. Beide Täter, die betrunken waren, wurden festgenommen.

   

erschienen am 07.12.2009

 

 

100 Chaoten greifen Polizisten an

Der Terror linker Chaoten in unserer Stadt nimmt kein Ende! Knapp 24 Stunden, nachdem Autonome die Polizeiwache  16 an der Stresemannstraße
attackiert und zwei Streifenwagen angezündet haben, girff ein Mob von 100 Randalierern Polizisten auf St. Pauli an!

Die Beamten wurden geschlagen, getreten, mit Flaschen beworfen. Ein Bereitschaftspolizist (30) erlitt eine schlimme Augenverletzung, drei weitere wurden verletzt. Um 0.55 Uhr wollen Zivilfahnder des Rauschgiftdezernates Jersey J. (25) an der Balduintreppe verhaften. Der Mann aus Sierra Leone soll mit Kokain handeln.

Plötzlich flüchtet er in die linke Szene-Kneipe "Ahoi" an den Hafenstraße-Häusern. Im Lokal stehen die Fahndern einer Horde aggressiver Chaoten gegenüber. Sie
bedrohen und schlagen die Beamten, befreien den Verdächtigen! Die Polizisten ziehen sich zurück, fordern Verstärkung an. 100 Randalierer rotten sich zusammen, bewaffnen sich mit Knüppeln.

Als eine Hundertschaft anrückt, fliegen Flaschen und Steine! Erst als die Polizisten Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen, kann der mutmaßliche Dealer festgenommern werden. Er hat keinen festen Wohnsitz, wird der Ausländerbehörde übergeben. Auch drei Randalierer (20 bis 31) werden geschnappt.

Joachim Lenders von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) ist besorgt: "Die Gewalt wird immer schlimmer! Was wir in den letzten Tagen erleben mussten, ist nicht normal. Offensichtlich hat sich eine schwer radikale Gruppe formiert, die nicht vor massiver Gewalt zurückschreckt."

Bundestagspräsident Norbert Lammert wertete die Serie linksextremistischer Anschläge in Berlin und Hamburg als eine "neue Form demonstrativer Gewalt, der ebenso demonstrativ entgegen getreten werden muss".

 

erschienen am 06.12.2009

Gezielter Angriff auf Polizeiwache

Gewalt eskaliert

 

Der Angriff traf die Polizisten der Wache Lerchenstraße am Rande des Schanzenviertels völlig unvorbereitet. In der Nacht zum Freitag lockten Vermummte die Beamten vor die Tür, sie bewarfen die ungeschützten Polizisten mit Steinen. Dann zündeten sie zwei Peterwagen an.

Der Angriff traf die Polizisten der Wache Lerchenstraße am Rande des Schanzenviertels völlig unvorbereitet. In der Nacht zum Freitag lockten Vermummte die Beamten vor die Tür, sie bewarfen die ungeschützten Polizisten mit Steinen. Dann zündeten sie zwei Peterwagen an. Ein Fahrzeug brannte aus. Politiker, Polizeiführer und Polizeigewerkschafter zeigten sich schockiert. Sie sehen mit der Tat eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, sprach angesichts der massiven, gezielten Steinwürfe auf ungeschützte Polizeibeamte von einer Tat, bei der der Tod von Menschen billigend in Kauf genommen werde. Dass die Wache 16 Ziel von Angriffen wird, ist nicht neu. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Attacken auf das Gebäude, bei denen Scheiben zu Bruch gingen oder Peterwagen vor der Tür demoliert wurden. Zuletzt hatte es im Umfeld des sogenannten Schanzenfestes einen Angriff auf die Wache gegeben, an dem mehr als 100 Täter beteiligt waren. Damals waren nach Einschätzung der Polizei viele als "Spaßrandalierer" bezeichnete Täter dabei. Der Angriff in der Nacht zum Freitag war eine koordinierte Aktion: In Hammerbrook brannten Autos des Zolls. Möglicherweise waren die Anschläge sogar mit gewaltbereiten Tätern in Berlin abgestimmt, die dort zündelten. Die Behörden werteten das als Radikalisierung einer immer kleiner werdenden Extremistengruppe.

 

erschienen am 05.12.2009

Angriffe auf Polizisten erreichen neue Dimension

Revierbeamte werden in lebensgefährliche Falle gelockt, dann brennen Peterwagen - Offenbar koordinierte Aktion

Bei dem massivsten Angriff auf Polizisten seit Jahren ist vor der Wache Lerchenstraße ein Peterwagen in Flammen aufgegangen. Die Attacke einer Gruppe Vermummter war offensichtlich Teil einer breiter koordinierten Aktion. In Hammerbrook gingen später Autos des Zolls in Flammen auf. Auch in Berlin gab es offensichtlich abgesprochene Aktionen. Die Polizei spricht von einer neuen Qualität der Gewalt.

Es waren offenbar fingierte Hilferufe, mit denen Polizisten gegen 23 Uhr aus der Wache Lerchenstraße gelockt wurden. Einen Beamten, der aus der Garage kam, empfingen die Vermummten mit einem Steinhagel. Gleichzeitig versuchte einer der Angreifer die Tür der Wache mit einem Kettenschluss zu verriegeln, durch die eine Polizistin wollte. Steine flogen in die Tür und in die Scheiben zweier Peterwagen. Dann ging ein Fahrzeug in Flammen auf. Auch der zweite Peterwagen wurde schwer beschädigt. Ein in den Innenraum geschleuderter Brandsatz zündete nicht richtig. Dann flüchteten die Täter, dabei verstreuten sie sogenannte Krähenfüße, in die anrückende Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge fahren sollten.

Die Polizei zog Einsatzkräfte aus ganz Hamburg zusammen. Täter konnten nicht festgenommen werden.

Gegen 2.40 Uhr entdeckte eine Polizeistreife in der Sachsenstraße zwei brennende Autos. Der BMW-Kombi und der VW Polo waren im Bereich des Motors angesteckt worden. Die Fahrzeuge standen auf dem Gelände des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge. "Dieser Angriff stellt eine bisher nicht da gewesene Gewalt gegen Menschen dar, die mich fassungslos macht", sagt Polizeipräsident Werner Jantosch. Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), spricht von einem Mordversuch. "Die Tat zeigt einmal mehr, dass billigend in Kauf genommen wird, dass Menschen schwer verletzt oder sogar getötet werden." Uwe Kossel, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sprach von einem "feigen Angriff". Innensenator Christoph Ahlhaus nannte die Tat einen "extremistischen Angriff auf unsere Demokratie". "Von diesen hinterhältigen Taten lassen wir uns in keinster Weise einschüchtern", so Ahlhaus. Olaf Scholz sprach von einer "erschreckenden Dimension der Gewalt". "Erschreckend ist auch, dass sich Straftäter jetzt schon trauen, Polizeiwachen anzugreifen. Das sind Vorfälle, die wir aus Hamburg wie aus ganz Deutschland bisher nicht kennen", sagte der SPD-Landesvorsitzende.

 "Die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes arbeitet mit Hochdruck, um diese Tat so schnell wie möglich aufzuklären", kündigt Polizeipräsident Jantosch an. Auch die GdP übt sich in Zuversicht. "Wir gehen davon aus, dass die Täter schnell gefasst werden und eine entsprechende Strafe erhalten", sagt Uwe Koßel, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Woher der Optimismus stammt, ist offen. Konkrete Hinweise auf die Identität der Täter gibt es nicht.

Wie wenig erfolgreich die Polizei auf dem Sektor ist, zeigt die Vergangenheit. Kaum eine der schweren politisch motivierten Straftaten durch Linksextremisten konnte aufgeklärt werden. Den Sicherheitsbehörden ist es nicht gelungen, die Netzwerke der gewaltbereiten linken Gruppen zu unterwandern. Bislang hatte man sich damit getröstet, dass autonome Kleinstgruppen die Taten verübten, die sich nach außen völlig abschotten können. Aber auch der Angriff auf die Wache Lerchenstraße während des "Schanzenfestes", in dessen Umfeld über 100 Randalierer gezielt das Gebäude attackierten, Scheiben zerschlugen oder aufhebelten und Böller in die Wache warfen, konnte nicht aufgeklärt werden.

 

erschienen am 05.12.2009

Anschlag entsetzt Polizei: „Das war ein Mordversuch“

Die Täter werden in der autonomen Szene vermutet. Politiker sprechen von einer „neuen Qualität linksextremistischer Gewalt“

Politiker und Polizei sprechen von einer "neuen Qualität linksextremistischer Gewalt" und von einer Grenze, die überschritten worden ist: Eine Gruppe von zehn bis 15 Vermummten vermutlich aus der autonomen Szene hat in der Nacht zu Freitag das Polizeikommissariat (PK) 16 an der Lerchenstraße nahe dem Schanzenviertel angegriffen. Die Täter versuchten, die Eingangstür zu verriegeln und die Wache anzuzünden. Beamte wurden mit Steinen beworfen, zwei Streifenwagen gingen in Flammen auf, ein weiterer wurde durch "Krähenfüße" beschädigt. Die Täter hatten zusammengeschweißte Nägel verstreut, um die Polizei aufzuhalten.

Joachim Lenders, Hamburg-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, sagte dem Abendblatt: "Das war ein Mordversuch." Auch Polizeipräsident Werner Jantosch nannte den Angriff auf das PK 16 "eine Attacke auf Leib und Leben der Beamten". Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) sprach von "einem extremistischen Angriff" auf die Demokratie: "Wer Verletzungen von Polizisten billigend in Kauf nimmt, begeht eine schwere Straftat."

In Hammerbrook zündeten Unbekannte wenige Stunden nach der Attacke auf die Wache zwei Fahrzeuge des Zolls an. In Berlin verübten Autonome fast zeitgleich einen Brandanschlag auf ein Gebäude des Bundeskriminalamts (BKA) und warfen mit Farbe gefüllte Weihnachtskugeln gegen das Bundeskanzleramt. Die Ermittler vom Staatsschutz der Kripo sehen Zusammenhänge zwischen den Taten in Berlin und an der Hamburger Wache und glauben, dass sie vor dem Hintergrund der Innenministerkonferenz in Bremen verübt wurden. Diese endete am Freitag unter anderem mit einer Forderung nach höheren Strafen bei Attacken auf Polizisten. Im Internet tauchte nach der Tat in Berlin ein Bekennerschreiben auf, in dem der Brandanschlag auf die BKA-Außenstelle mit Unmut über die "herrschenden Verhältnisse" und dem daraus resultierenden Klimawandel begründet wurde. Zu den Hamburger Taten lag bis zum späten Freitagabend noch kein Bekennerschreiben vor.

Sie nahmen den Tod von Menschen in Kauf

Es begann mit dem Abschuss einer Leuchtrakete. Am Donnerstagabend um 23.04 Uhr. Es war das weithin sichtbare Zeichen an alle Mitglieder der offenbar autonomen Gruppe, die akribisch geplante Aktion zu starten. Die rund zehn Vermummten lockten Polizisten mit Hilfeschreien aus der Wache (PK 16) an der Lerchenstraße/Ecke Stresemannstraße (St. Pauli) und bewarfen sie anschließend mit Steinen. Fast zeitgleich warfen sie Molotowcocktails auf zwei Peterwagen. Einer brannte aus, der zweite wurde schwer beschädigt. Menschen kamen nicht zu Schaden. "Dieser Angriff stellt eine bisher nicht da gewesene Gewalt gegen Menschen dar, der mich fassungslos macht und den ich aufs Schärfste verurteile", sagte Polizeipräsident Werner Jantosch. Und Joachim Lenders, Hamburg-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, ergänzte: "Das war ein Mordanschlag."

Als die Beamten die Schreie hörten, glaubten sie zunächst an eine Schlägerei. Ein Beamter, der helfen wollte, ging durch eine Hintertür der Wache nach draußen. Sofort warfen die Unbekannten mit Steinen auf ihn und schoben einen brennenden Müllcontainer in Richtung des Eingangs. Mit gezogener Waffe flüchtete er zurück in die Wache.Fast zeitgleich versuchten weitere Täter, den Vordereingang der Wache mit einem Fahrradschloss zu verschließen. Eine Polizistin verhinderte dies im letzten Augenblick, indem sie an der Tür zog. Auch in ihre Richtung wurden Steine geworfen. Mehrere Fensterscheiben gingen dabei zu Bruch.

"Mit der Tat am PK 16 ist eine Form der Gewalt erreicht, die endgültig abgekoppelt ist von eventueller Gewalt gegen Sachen. Hier geht es eindeutig um Gewalt gegen Menschen", sagte Polizeipräsident Werner Jantosch dem Abendblatt. "Wer Türen zu verschließen versucht und brennende Mülleimer an die Türen schiebt, der nimmt in Kauf, dass Menschen verbrennen. Das ist unerträglich." Den Tätern gelang es trotz eines Großaufgebots der Polizei zu fliehen. Auch dafür hatten sie sich offensichtlich vorbereitet. Sie hatten sogenannte Krähenfüße, zusammengeschweißte Drahtnägel, auf der Lerchenstraße und der Thadenstraße verteilt. Die Räder eines Peterwagens wurden dadurch zerstört.

Um 2.37 Uhr kam es zum nächsten Großalarm an der Sachsenstraße (Hammerbrook). Auf dem Parkplatz des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge brannten ein BMW-Kombi und ein VW Polo. Sie gehören zum Zoll, der im selben Gebäudekomplex untergebracht ist. Die Wagen waren als Behördenfahrzeuge erkennbar, weil sie lediglich ein Hamburger Kennzeichen mit einer Zahlenkombination hatten. Beide Autos brannten komplett aus.

Bislang ist noch kein Bekennerschreiben aufgetaucht. Polizeipräsident Werner Jantosch hält einen Zusammenhang mit der Innenministerkonferenz, bei der sich die Minister eine Strafverschärfung bei Gewalt gegen Polizisten ausgesprochen haben, oder dem Klimagipfel in Kopenhagen für "sehr wahrscheinlich". Er kündigte an, das PK 16 sowohl personell als auch baulich zu verstärken, um die Beamten besser zu schützen. Es ist bereits der zweite Angriff auf dieselbe Wache in diesem Jahr. Mitte September versuchten rund 200 Autonome nach dem Schanzenfest, das PK 16 zu stürmen. Dabei gingen mehrere Fensterscheiben zu Bruch. Anschließend lieferten sich die Autonomen mit der Polizei eine Straßenschlacht im Schanzenviertel.

Auch in Berlin kam es in der Nacht zu Freitag zu politisch motivierten Anschlägen. Unbekannte schleuderten Farbbeutel gegen einen Verwaltungsflügel des schwer bewachten Bundeskanzleramts. In Berlin-Treptow warfen Täter drei Molotowcocktails und mit Farbe gefüllte Flaschen auf die Außenstelle des Bundeskriminalamts. Auch dort wurden "Krähenfüße" auf den Straßen verteilt, um der Polizei die Verfolgung zu erschweren. Außerdem verübten vermutlich Autonome Farbanschläge auf die Büros der Bundestagsabgeordneten Petra Merkel (SPD) und Karl-Georg Wellmann (CDU). In einem Bekennerschreiben, das bei der CDU-Fraktion einging, heißt es, dass sich die Täter exemplarisch zwei Abgeordnete für ihre Anschläge ausgesucht hätten, die für die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan gestimmt hätten.

Bereits vor eineinhalb Wochen haben ebenfalls bislang Unbekannte in Hamburg und Berlin zeitgleich Brandanschläge verübt. In Altona zündeten sie sechs Autos der Bahn an. In der Hauptstadt gingen fünf Transporter des Unternehmens in Flammen auf. In einem Bekennerschreiben hieß es, dass mit den Anschlägen "Profiteure" der Atomenergie getroffen werden sollten. Und nur vier Tage zuvor warfen unbekannte Täter Steine und mit Farbe gefüllte Flaschen auf das Haus von Fritz Vahrenholt. Der ehemalige Hamburger Umweltsenator arbeitet als Manager für den Stromkonzern RWE. Zeitgleich ging der Mercedes des Werbers Jean-Remy von Matt in Flammen auf. Seine Agentur Jung von Matt verantwortet Reklamespots für den Stromriesen. Kurz nach diesen Anschlägen kündigten Extremisten an, dass weitere folgen würden. Ob all diese Taten zusammenhängen, untersucht nun der Staatsschutz der Polizei.