Aus diesen Ländern kommen Hamburgs Einbrecher

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Gut die Hälfte stammt vom Balkan, nur 4,6 Prozent haben einen deutschen Pass. CDU-Politiker warnt vor Fehleinschätzung.

Hamburg.  Wenn es um professionelle Einbrecher geht, dann hat es die Sonderkommission „Castle“ fast ausschließlich mit reisenden Tätern aus dem Ausland zu tun. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten und Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders, hervor. Nur in acht von 170 Ermittlungsverfahren, in denen die Täter ermittelt wurden, sind die Verdächtigen in Hamburg oder den angrenzenden Bundesländern gemeldet.

87 Einbrecher sind in den 430 Fällen, die die Soko „Castle“ bearbeitet, bislang festgenommen worden, darunter viele Serientäter. Nur vier von ihnen (4,6 Prozent) haben einen deutschen Pass. Gut die Hälfte aller Täter stammt vom Balkan, vor allem aus Albanien (14) und aus Kroatien (zehn). Auch sechs Chilenen und zwei Kubaner sind unter den Festgenommenen. Die georgische Mafia, die der Bundesvorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, angesichts der hohen Einbruchszahlen vor Kurzem als Tätergruppe ins Spiel gebracht hatte, ist in Hamburg bislang eine Randgruppe. Sieben Verdächtige aus diesem Land wurden als Einbrecher bei den von der Soko bearbeiteten Fällen festgenommen. Bei sieben weiteren Festgenommenen ist die Herkunft unklar.

62 Einbrecher kamen sofort in U-Haft

„Der fehlende feste Wohnsitz ist auch der Grund für die Haftbefehle“, sagt ein Beamter. Schließlich bestehe Fluchtgefahr. 62-mal schickten Richter festgenommene Einbrecher in Untersuchungshaft – doch in mindestens zehn Fällen wurden die Inhaftierten wieder auf freien Fuß gesetzt, obwohl es noch keine rechtskräftige Verurteilung gab. „Das ist für mich nicht im Ansatz nachvollziehbar“, sagt Joachim Lenders. „Hier haben wir Personen, die bei den herausragenden Einbruchs­taten in der Stadt wegen des dringenden Tatverdachts und der Fluchtgefahr in Untersuchungshaft sitzen. Und plötzlich soll der Grund Fluchtgefahr nicht mehr vorliegen.“

Tatsächlich bearbeitet die Sonderkommission nur einen Bruchteil der in Hamburg verübten Wohnungseinbrüche. 9005 Taten gab es im vergangenen Jahr in Hamburg (eine Steigerung um mehr als 20 Prozent im Vergleich zu 2014), 430 Verfahren übernahm die Soko. Diese verbucht für sich aber auch eine Aufklärungsquote von 53,7 Prozent, während die Aufklärungsquote insgesamt bei Wohnungseinbruch im vergangenen Jahr bei mageren 8,7 Prozent lag. Das heißt: Nicht einmal jeder zehnte Wohnungseinbruch wurde vergangenes Jahr in Hamburg aufgeklärt.

Die zum Massendelikt gewordenen Einbrüche sind der Albtraum der Polizei. Dabei hat die Polizei viel Personal in die Bekämpfung der Einbruchs­kriminalität gesteckt: Fast 84.000 Personalstunden wurden geleistet, davon allein fast 28.000 im vorigen Quartal.

279 Einbrecher wurden 2015 in Hamburg zumeist auf frischer Tat gestellt, mehr als ein Drittel von ihnen im vierten Quartal 2015. Gut 45 Prozent aller Einbrecher konnten als Serien­täter eingestuft werden. „Daran sieht man, dass ein großer Teil der Einbrüche von Mehrfachtätern verübt wird“, sagt Lenders. Hier Haftbefehle auszusetzen und die Tatverdächtigen vor Abschluss des Verfahrens wieder auf freien Fuß zu setzen hält er für fatal. „Dieses Verhalten der Justiz wird sicherlich in einschlägigen Kreisen die Runde machen und nicht dazu dienen, Täter abzuschrecken“, warnt Lenders.

Für bundesweites Aufsehen hatte ein Fall im vergangenen September gesorgt. In Wilhelmsburg nahmen Beamte nach Ermittlungen der Soko „Castle“ einen in seiner Heimat bereits einschlägig als Einbrecher bekannten Italiener und einen Rumänen fest.

Viele Verfahren kann die Soko schnell abschließen

Beide Männer waren in einem in Italien unterschlagenen Wohnmobil unterwegs und hatten in Verden einen Einbruch in den dortigen Betriebshof der Stadt verübt. Aus dem aufgebrochenen Tresor erbeuteten sie lediglich eine Digitalkamera, einen Schlüssel und weniger als 50 Euro in bar.

Der Fall war laut Lenders von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Verden wegen der geringen Beute als „minderschwer“ eingestuft worden. Die Männer kamen nicht in Haft. „Diese sogenannten minderschweren Fälle sind ein Problem, weil es unfassbar viele verschiedene Gründe dafür gibt“, sagt Lenders. „Diese Einstufung wird der hohen kriminellen Qualität der Taten und Täter nicht gerecht.“

Viele der von der Soko bearbeiteten Verfahren sind sehr schnell rechtskräftig abgeschlossen worden. „Das ist in ungewöhnlich kurzen Zeiträumen passiert“, sagt Lenders. Ob eine Verhandlung stattfand und welche Urteile gesprochen wurden, weiß Lenders nicht. Das soll jetzt durch eine weitere Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten an den Senat geklärt werden.

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