Erschossener Räuber hatte keinen Bewährungshelfer

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Intensivtäter Abdourhamane M., 25, beging nur vier Wochen nach seiner Entlassung aus der JVA Fuhlsbüttel seine nächste Straftat – mit einem Komplizen überfiel er am 23. Juni Hausbesitzer Dieter B., 63, in Jenfeld. Dabei erschoss ihn Dieter B.

Dass Abdourhamane M. sofort wieder straffällig wurde, überrascht den Kriminologen Bernd Maelicke (Uni Lüneburg) nicht. „Gerade in den ersten Wochen ist die Gefahr hoch, dass ein Straftäter rückfällig wird.“ Deshalb sei es wichtig, dass „alle Entlassenen beim Übergang in die Freiheit begleitet und kontrolliert werden.“ Abdourhamane M. hingegen soll nach Abendblatt-Informationen nach seiner Entlassung wieder in die alten, kriminellen Strukturen zurückgekehrt sein. Weder hatte er einen Bewährungshelfer, noch stand er unter Führungsaufsicht.

Dabei gibt es einen begleiteten Übergang in die Freiheit bereits: in der JVA Billwerder. Dort sitzen vor allem Täter ein, die ihre eher kurzen Haftstrafen bis zum letzten Tag absitzen und deshalb keinen Bewährungshelfer haben. Im Juli 2014 wurde dort das EU-geförderte Übergangsmanagement eingeführt. Auf Wunsch können Gefangene sechs Monate vor und sechs Monate nach der Entlassung die Hilfe eines Fallmanagers in Anspruch nehmen. Ziel ist es, die Rückfallquote zu senken. Von 239 Gefangenen in Billwerder nahmen im ersten Quartal 2015 97 das Angebot in Anspruch.

Von den Entlassenen in Fuhlsbüttel waren 2014 nur zehn Prozent „Vollverbüßer“ wie Abdourhamane M. Ein Angebot wie in Billwerder gibt es für sie nicht. „Am Beispiel des Falls wird deutlich: Da sind Lücken im System“, so Maelicke. Ob das neue Landesresozialisierungsgesetz den geforderten Anspruch auf einen begleiteten Übergang für alle Gefangenen enthalten wird, ist unklar. „Es gibt in den Haftanstalten viele Angebote, die die Inhaftierten auf ihre Entlassung vorbereiten und helfen, nach der Haft ein geregeltes Leben führen zu können. Ich möchte die Zusammenarbeit mit Akteuren außerhalb des Vollzugs ausbauen und so die Angebote im Vollzug auch nach innen verbessern“, sagte Justizsenator Till Steffen (Grüne) dem Abendblatt.

Wie berichtet hätte M. lange vor der Raubtat abgeschoben werden sollen. Drei Jahre bemühten sich die Behörden erfolglos darum – offenbar weil der Mann aus Niger seine gültigen Reisedokumente nicht herausgeben wollte. Die Behörden haben immer wieder Probleme mit abgelehnten Asylbewerbern, die ihre Personalien nicht oder falsch angeben. Allein im Mai waren es rund 1600 Fälle. Um die Herkunft von Ausreisepflichtigen zu erfahren, werden sie häufig den Botschaften vorgeführt. Besonders schwer tun sich einige afrikanische Staaten mit der Ausstellung von Ersatzpapieren. „Ein größeres Problem wird es, wenn Personen ihre Herkunft verschleiern, um hier Straftaten begehen zu können“, sagt Joachim Lenders., Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft in Hamburg. „Das ist inakzeptabel. Lösungen sind gefragt, um Täter bis zu ihrer Abschiebung aus dem Verkehr zu ziehen.“

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