Hamburger Abendblatt: Hamburger Polizei fahndet nach Nachwuchs

Die Zahl der Bewerbungen hatte stetig nachgelassen. 250 Stellen sollen pro Jahr neu besetzt werden. Gestern wurde Werbekampagne vorgestellt.

Hamburg. Die Hamburger Polizei braucht dringend Nachwuchs. 250 Stellen sollen pro Jahr neu besetzt werden. Doch die Zahl der Bewerbungen hatte in den vergangenen Jahren stetig nachgelassen. Das soll sich jetzt ändern: Polizeipräsident Werner Jantosch und Innensenator Michael Neumann (SPD) haben gestern vor der Davidwache die neue Werbekampagne vorgestellt: „Wir suchen junge, engagierte Menschen, die diesen Beruf mit Herzblut ausüben“, sagte Neumann.

Dabei sei es nicht entscheidend, „ob ein Bewerber aus Izmir oder Dortmund kommt“. Die deutsche Staatsangehörigkeit ist für den Polizeidienst nicht notwendig. Polizeipräsident Jantosch sagt: „Wir haben diese Werbekampagne in Auftrag gegeben, um auch weiterhin aus einer Vielzahl von qualifizierten Bewerbern unseren Nachwuchs auswählen zu können.“

Die Deutsche Polizeigewerkschaft übt Kritik an der Werbekampagne

Die Hamburger Agentur Crone hat die Kampagne umgesetzt. Aufkleber mit Slogans wie „Streifenwagen statt Nadelstreifen“, „Peterwagen statt Papas Wagen“ oder „Mit Blaulicht durchs Rotlichtviertel“ sind ab sofort auf 278 Streifenwagen zu sehen. Auf sogenannten „Fahndungsplakaten“- dafür wurden eigens vier Models gecastet – wird zudem in U- und S-Bahn-Haltestellen großflächig nach neuem Personal gesucht.

Außerdem soll ein Kurzfilm im Fahrgastfernsehen der Hochbahn Lust auf die Laufbahn als Polizist machen. Die Kosten für die Kampagne liegen nach Abendblatt-Informationen bei rund 50 000 Euro.

Für den Einstellungstermin Anfang August 2012 sind noch 125 Stellen im mittleren Dienst für die zweieinhalbjährige Ausbildung zum Polizeimeister zu besetzen. Die Bewerber müssen mindestens über einen Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung, einen Realschulabschluss oder Abitur verfügen. Außerdem werden die Bewerber auf ihre Diensttauglichkeit hin untersucht. Dazu zählt zum Beispiel eine Mindestkörpergröße von 1,65 Metern. „Wir prüfen natürlich auch, ob der Bewerber zum Beispiel Straftaten begangen hat oder in der Schule durch häufiges Fehlen aufgefallen ist“, sagt Alena Suschka, Leiterin der Einstellungsstelle der Polizei.

Das gilt auch für die 50 Stellen im gehobenen Dienst, die im Oktober 2012 besetzt werden sollen. Dafür ist entweder das Abitur oder die Fachhochschulreife erforderlich. Die Ausbildung umfasst ein dreijähriges Studium an der Hochschule der Polizei.

Wenig begeistert von der neuen Personalwerbekampagne ist die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPoIG): „Diese Aktion geht am eigentlichen Problem vorbei. Wir brauchen keine Aufkleber und Plakate, sondern der Beruf Polizist muss attraktiver werden“, so der Landesvorsitzende Joachim Lenders. Polizisten müssten immer neue Einschnitte wie das „drastisch gekürzte Weihnachtsgeld hinnehmen“.

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