Hamburgs Kampfansage an die Auto-Brandstifter

 Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) erhöht nach der Serie von Brandanschlägen auf Autos den Fahndungsdruck auf die Täter. Ab sofort werden nachts weitere 100 Polizisten auf den Straßen patrouillieren. „Diese werden unter anderem auch in Uniform unterwegs sein, um sowohl das subjektive Sicherheitsgefühl zu erhöhen als auch um präventiv zu wirken“, sagte Ahlhaus im Abendblatt-Interview. Bereits vor drei Wochen war eine 100 Beamte starke Fahndungsgruppe ins Leben gerufen worden. „Das ermöglicht uns, mit mehr Beamten in mehr Stadtteilen präsent zu sein.“ Seit Jahresbeginn sind bei 55 Brandstiftungen 130 Autos beschädigt worden. Zusätzlich wird auch der Polizeihubschrauber wieder über der Stadt kreisen. Diese Maßnahme war im September nach nur wenigen Tagen wieder aufgegeben worden, weil Anwohner sich über den Lärm beschwert hatten. Der Innensenator begründet den erneuten Helikopter-Einsatz damit, dass die Festnahme der Täter Priorität habe. Es sei besser, von Rotorgeräuschen gestört zu werden als durch „platzende Reifen und berstende Scheiben brennender Autos“.

Außerdem erhöht Ahlhaus die Belohnung für Hinweise, die zur Festnahme von Autobrandstiftern führen, von 2500 Euro auf 20.000 Euro. Dies sei „ein klares Signal an die Menschen dieser Stadt“, sagte Ahlhaus. „Wir wollen die Brandstifter kriegen. Und wir werden sie kriegen. Wir werden diesem Spuk ein Ende bereiten.“ Bei den Polizeigewerkschaften stoßen die Beschlüsse von Ahlhaus auf wenig Gegenliebe. Uwe Koßel, Hamburg-Chef der Gewerkschaft der Polizei, hält die Maßnahmen für übertrieben. „Das ist rücksichtslos gegenüber den Kollegen und den Bürgern.“ Anderen Aufgaben, etwa der Aufnahme von Unfällen, könne dann nur bedingt nachgegangen werden. Joachim Lenders, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, hält den Einsatz von nun 200 Beamten zwar für grundsätzlich notwendig. „Doch wir sind personell überlastet. Die Mehrarbeit ist unverantwortlich.“ Allein im Mai kommen 150.000 Überstunden zusammen, schätzt Lenders. Er fordert Unterstützung aus anderen Bundesländern. André Schulz, Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, spricht von „blindem Aktionismus von Politik und Polizeiführung“.

Als Konsequenz aus den Krawallen rund um den 1. Mai im Schanzenviertel will Ahlhaus jetzt das Gespräch mit den Bewohnern suchen. „Ich reiche ihnen die Hand zu einem gesellschaftlichen Schulterschluss“, sagte der Senator. Er würde sich freuen, wenn auch vonseiten der Bewohner „manche ideologische Scheuklappe abgelegt würde und wir uns an einen Tisch setzen“.

Die Polizei hat nach Ahlhaus‘ Angaben in den beiden Nächten um den 1. Mai 77 zumeist junge Menschen im Schanzenviertel festgenommen. Nur 16 von ihnen gehören der linksextremistischen Szene an. „Der Rest sind junge Leute ohne politischen Bezug, die bislang keine Straftaten verübt haben“, sagte der CDU-Politiker. Zwei Drittel der Straftäter sind Hamburger, die anderen kommen aus dem Umland. Ahlhaus: „Hier spielen offensichtlich junge Menschen ohne jede politische Motivation Räuber und Gendarm in einer erschreckenden Realität.“

Holzdamm 18
20099 Hamburg
040 - 25 40 26-0
dpolg@dpolg-hh.de