Neue Strategie der Hamburger Polizei gegen Einbrecher

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 „My home ist my castle“ – mein Heim ist meine Burg, lautet ein geflügeltes Wort. „Castle“ heißt auch die neue 80-köpfige Sonderkommission der Hamburger Polizei, mit der die Einbruchskriminalität bekämpft werden soll. Dabei sollen nicht nur Polizeikräfte gezielt eingesetzt, sondern möglichst viele Hamburger zu Augen und Ohren der Soko werden. Außerdem möchte man Hausbesitzer und Mieter dazu bringen, ihr Heim besser zu sichern. „Wir wollen den Kriminellen die Arbeit erschweren und ihnen Tatgelegenheiten nehmen“, sagt Polizeipräsident Ralf Martin Meyer.

Im vergangenen Jahr gab es 7490 Einbrüche in der Stadt: plus 8,2 Prozent.

Dass ausgerechnet jetzt der nächste Versuch unternommen wird, der nach einem Tiefpunkt 2006 wieder ansteigenden Einbruchskriminalität verstärkt die Stirn zu bieten, kommt nicht von ungefähr. Bald beginnt die „dunkle Jahreszeit“, in der erfahrungsgemäß die Zahl der Einbrüche ansteigt. 7490 Taten waren es insgesamt im vergangenen Jahr. „Wir wollen uns den steigenden Einbruchszahlen entgegenstemmen“, sagt der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes, Bernd Schulz-Eckhardt. Das, so die offensichtliche Erkenntnis, kann die Polizei nicht allein. Schon 2014 hatte man eine „Herbstoffensive“ gegen Einbruch gestartet. So war zwar die niedrige Aufklärungsquote um einen Punkt auf 8,3 Prozent verbessert worden. Gleichzeitig war aber die Zahl der Taten um gut 500 (plus 8,2 Prozent) gestiegen.

Jetzt sollen die Bürger mithelfen. Eine Werbekampagne ist dazu geplant. Viel zu oft machen sie es den Tätern leicht, wie Schulz-Eckhardt weiß, der gleich vier Fälle aus den letzten 24 Stunden präsentiert, bei denen auf Kipp stehende Fenster oder Leitern im Garten die Taten ermöglichten. Aber vor allem ist „Wachsamkeit“ angesagt. Taxi- und Busfahrer, die viel auf den Straßen Hamburgs unterwegs sind, hat der Polizeipräsident schon als Partner „verschiedener Kooperationen“ im Auge. Aber auch bei dem kleinsten Verdacht, bei der Beobachtung des Ungewöhnlichen, soll, so Schulz-Eckhardt, die Polizei gerufen werden. So will man die Täter bereits in der Phase der Vorbereitung schnappen. „Dabei ist man insbesondere auf die Hinweise der Bürger angewiesen“, sagt Alexandra Klein, die Chefin der neuen Sonderkommission. Die Kriminaloberrätin ist eine Hoffnungsträgerin der Hamburger Polizei – sie hat bereits das Mobile Einsatzkommando und die Sonderkommission Rotlicht geleitet, die gegen das Zuhältermilieu vorging. Bei der neuen Soko ist sie Chefin von 80 Beamten: Das sind in erster Linie operative Kräfte wie Zivilfahnder, aber auch zwei Gruppen des Mobilen Einsatzkommandos, die als professionelle Beobachter Täter frühzeitig erkennen und observieren sollen. Außerdem gibt es ein Team für die Fallanalyse.

Letzteres soll den polizeilichen Teil der Einbruchsbekämpfung deutlich besser machen. Serientäter sollen schnell erkannt und aus dem Verkehr gezogen werden. „Eine geringe Anzahl von Tätern verübt viele Taten“, weiß Klein. Sie sollen zuvorderst ausgeschaltet werden.

Aber es geht auch darum, die Täter möglichst lange in Haft zu halten. In Untersuchungshaft gehen viele Verdächtige – meistens wegen „Fluchtgefahr“, weil 61,5 Prozent von ihnen aus dem Ausland, meistens vom Balkan oder aus Chile, kommen. Doch weil es 2014 nur 504 Verdächtige gab, sind Verurteilungen die Ausnahme. Lediglich bei 2,6 Prozent der Wohnungseinbrüche kommt es auch zu einer Verurteilung. Rund 80 Prozent der Verfahren stellt die Staatsanwaltschaft mangels Täter ein, so ist das Ergebnis einer bundesweit durchgeführten Studie des „Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V.“ von Professor Christian Pfeiffer. Auch hier soll die Soko durch bessere Zuordnung der Taten bessere Beweise und damit mehr Verurteilungen bringen. Die DNA-Analyse spielt dabei eine wichtige Rolle.

Für die neue Strategie Soko gibt es Lob. „Dieser Kräfteeinsatz ist eine deutliche Ansage an die Einbrecherbanden“, meint Jan Reinecke vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Auch Joachim Lenders, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, begrüßt die Soko. „Sie ist ein guter Ansatz, kann jedoch keine dauerhafte Lösung sein“, sagt er mit Blick auf 16 Zivilfahnder, die für die Soko von den Wachen abgezogen wurden. „Der Abzug von 16 Zivilfahndern in die Soko „Castle“ bedeutet, dass 16 erfahrene Zivilfahnder mit exzellenten Orts- und Milieukenntnissen an ihren Polizeikommissariaten fehlen und personell nicht ersetzt werden“. Wenn man die Aufklärungsquote wirklich effektiv verbessern wolle, brauche man mehr Zivilfahnder im gesamten Hamburger Stadtgebiet.

Reinecke geht davon aus, dass weniger im Fokus stehende Aufgaben der Polizei „weniger oder ungenügend“ wahrgenommen werden können. Die CDU nimmt die Soko als Anlass für Kritik. In dieser Form schwäche sie die Kriminalitätsbekämpfung in den Stadtteilen, meint deren Innenpolitischer Sprecher Dennis Gladiator. Er mahnt die Nachbesetzung von 40 unbesetzten Zivilfahnderstellen an.

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