Polizeigewerkschaft fordert nachts fünf Euro mehr für Polizisten

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Die Polizeigewerkschaft fordert einen Nachtzuschlag am Wochenende für Hamburger Polizisten, um den Schichtdienst attraktiver zu machen. Dieser werde immer unbeliebter, gehöre aber zur Kernaufgabe der Polizei.

Schichtdienst bei der Hamburger Polizei wird immer unbeliebter. Der Grund, so die Einschätzung des Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders, sei eine unangemessene Entlohnung. Er fordert eine deutliche Nachbesserung. „Für eine im Nachtdienst an Wochenenden oder Feiertagen geleistete Stunde, sollte ein Hamburger Polizist einen Zuschlag von fünf Euro bekommen“, sagt Lenders. Damit, so hofft er, wird der Schichtdienst wieder attraktiv. „Die Stadt hat es in der Hand, das zu realisieren.“

„Der Schichtdienst ist natürlich nicht wegzudenken“, sagt Lenders. „Durch ihn wird erst die Kernaufgabe der Polizei möglich – nämlich rund um die Uhr und an allen Tagen des Jahres für den Bürger da zu sein.“ Für die so eingesetzten Beamten bringt das aber viele Belastungen mit sich. „Schichtdienst ist nun mal für den Körper belastend und gesundheitsschädlich. Auch unter sozialen Gesichtspunkten müssen die Kollegen deutliche Abstriche machen. Es ist beispielsweise nicht möglich, sich als Mitarbeiter im Schichtdienst, der ja auch die Wochenenden und Feiertage umfasst, im Rahmen eines Vereins in einer Mannschaft zu engagieren.“ Was noch schwerer wiegt sind die körperlichen Belastungen. Vor allem, wenn die Polizisten älter werden. „Als junger Beamter steckt man das weg“, sagt der Polizist Flemming Schade. „Da hat Schichtdienst, wenn man nicht verheiratet ist und keine Kinder hat, sogar seinen Reiz, weil man nicht so an die Wochenenden gebunden ist.“ Jetzt ist er 45 Jahre alt. Da sei das anders, meint das Gewerkschaftsmitglied, der im Schichtdienst am Polizeikommissariat 38 in Rahlstedt arbeitet. „Vor allem die Nachtdienste schlauchen einen doch ganz schön.“

Bislang erhalten Polizisten im Nachtdienst 1,28 Euro pro Stunde extra

Das bestätigen auch Kollegen, die im normalen Tagesdienst arbeiten. Polizeiinterne Programme, durch die zusätzliche Beamte auf die Straße gebracht werden sollen, stoßen daher in nicht wenigen Fällen bei den Betroffenen auf Widerstand, die in den Schichtdienst sollen. „Es ist mir schon bewusst, dass bestimmte Nachteile entstehen“, sagt Lenders. „Hier ist der Dienstherr gefordert, wenigstens einen angemessenen finanziellen Ausgleich zu schaffen, wie es in vielen Branchen üblich ist. Das schafft zumindest einen Anreiz und sorgt für mehr Berufszufriedenheit.“

Bislang bekommen Polizisten im Nachtdienst 1,28 Euro zusätzlich pro Stunde. Für die Sonnabenddienste sind es in der Zeit zwischen 13 Uhr und 20 Uhr 77 Cent zusätzlich. Wer als Polizist am Sonntag, an einem gesetzlichen Feiertag, an den Sonnabenden vor Ostern und Pfingsten nach 12 Uhr oder Heiligabend und Silvester im Einsatz ist, der erhält 2,98 Euro pro Stunde zusätzlich. Dazu kommt theoretisch für Polizeibeamte im Schichtdienst die sogenannte Wechseldienstzulage in Höhe von 102,26 Euro. „Die wird aber bei den Polizisten halbiert, weil sie eine Polizeizulage in Höhe von 127,38 Euro erhalten“, sagt Lenders.

Die Forderung der Gewerkschaft dürfte beim Finanzsenator nicht gut ankommen. In der Hansestadt arbeiten mehrere Tausend Polizisten im Schichtdienst. Zu ihnen gehören unter anderem die Beamten der Bereitschaftspolizei, die Streifenwagenbesatzungen der Wachen sowohl bei der Schutz- als auch bei der Wasserschutzpolizei und die Beamten des Kriminaldauerdienstes. Eine bessere Bezahlung der Nacht- und Wochenendarbeit dürfte Millionen Euro kosten.

Menschlich gesehen/Schichtdienstler

Polizist sein, das ist für Flemming Schade eine echte Berufung. Das weiß er genau. Seit August 1987 ist er „dabei“. Zwischendurch war er in der Wirtschaft selbstständiger Programmierer. Drei Jahre, die ihm gezeigt haben, dass er diesen Job „definitiv“ nicht ein ganzes Arbeitsleben lang machen möchte – den ganzen Tag am Computer sitzen und auf den Bildschirm starren. Das war es einfach nicht. Also ist er zurück zur Polizei. Auch wenn das Gehalt deutlich schmaler ausfällt als sein früherer Verdienst in der Softwarebranche.

Trotz seiner drei Jahre Auszeit ist der 45-Jährige ein Polizist, der sein Handwerk von der „Pike“ auf gelernt hat. Erst Ausbildung, dann Bereitschaftspolizei, später Schichtdienst. Jetzt ist er am PK 38, der Wache Rahlstedt. Drei Wochen Spät- und Nachtdienst. Eine Woche Frühdienst. Das ist sein Rhythmus, der auch das Leben seiner Frau und seiner Kinder beeinflusst. „Ich hab es nie bereut, Polizist zu sein“, sagt er. Schichtdienst in einer Wache erscheint ihm als i-Tüpfelchen. „Das ist für mich die Art der Polizeiarbeit, die den Kern des Berufsstandes ausmacht.“

Und wenn er neben seinem Gewerkschaftsengagement in der Freizeit Computer programmiert und an neuen Apps tüftelt, bleibt er irgendwie auch der Polizeiarbeit treu. So hat er zum Beispiel einen Schichtplaner für sich und seine Kollegen als elektronisches Programm erstellt – als App, tauglich fürs Smartphone.

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