Hamburger Morgenpost: Reiterstaffel beim Schanzenfest – Pferde zu ängstlich für Randale?

Können Vierbeiner die Chaoten stoppen? Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert den Einsatz der Reiterstaffel beim Schanzenfest am Sonnabend. Doch das Präsidium wiegelt ab – und setzt auf eine Kontroll-Strategie. Die MOPO klärt die wichtigsten Fragen. Wie bereitet sich die Polizei auf das Schanzenfest vor?

Die Polizeiführung hat das Schanzenviertel und die umliegenden Straßenzüge für die Nacht zum Sonnabend zum „Gefahrengebiet“ erklärt. Dadurch wird es für die Beamten leichter, mögliche Krawallmacher zu durchsuchen und Platzverweise zu erteilen. Insgesamt werden etwas weniger Polizisten als im vergangenen Jahr eingesetzt. Knapp 2500 Beamte sind am Sonnabend vor Ort. Der Einsatz wird laut Polizeigewerkschaft 750000 Euro kosten.

Warum wird auch der Einsatz von Polizeipferden gefordert? Die Reiterstaffel könnte Straßen absperren und Chaoten einschüchtern, glaubt Joachim Lenders von der Deutschen Polizeigewerkschaft. „600 Kilogramm Lebendgewicht verscheuchen jeden Randalierer.“ Und: Bei den schweren Krawallen in London haben sich die Polizeipferde bewährt. Sie konnten schnell auf Plünderungen reagieren und flüchtende Randalierer einfangen.

Was spricht dagegen? Bei der Hamburger Reiterstaffel kommen recht junge Tiere zum Einsatz. Der älteste der elf Wallache ist zwölf Jahre alt. Bei Feuern und extremen Tumulten besteht die Gefahr, dass die Pferde in Panik geraten. So geschah es auch beim Staffeleinsatz bei der Facebook-Party von Thessa aus Bramfeld. Das Schanzenfest könnte die Tiere erst recht überfordern. So abgeklärt wie die Londoner Polizeipferde sind sie (noch) nicht.

Was sagt die Polizei zu der Gewerkschafts-Forderung? Gestern stellte Polizeisprecher Mirko Streiber klar: „Die Reiterstaffel wird definitiv nicht beim Schanzenfest zum Einsatz kommen.“ Es sei möglich, dass die Tiere durch das Training inzwischen auch mit Extremsituationen umgehen könnten. Aber: „Pferde sind schlicht nicht das richtige Mittel für diesen Einsatz.“ Wenn es zu Krawallen kommen sollte, seien Ross und Reiter durch herumfliegende Steine und Flaschen besonders gefährdet. Auf der anderen Seite brächte der Einsatz der Pferde aber kaum Vorteile.

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