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Möchtegern-Polizisten sind dümmer, als die Polizei erlaubt

97% fallen beim Eignungstest durch

Die Schirmmütze aufsetzen, das Wappen am Ärmel spüren. Und mit Blaulicht auf Ganovenjagd gehen! Junge Hamburger träumen vom Leben als Polizist – 5600 bewarben sich für das laufende Ausbildungsjahr. Trotzdem geht den Ordnungshütern der Nachwuchs aus. Denn die meisten Kandidaten sind dümmer, als die Polizei erlaubt.

Nur jeder Dreißigste (!) bestand in den vergangenen Jahren den Eignungstest der Polizei. Zudem schnappten andere Bundesländer Hamburg in letzter Sekunde Bewerber weg. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht von einer „Katastrophe“ bei der Rekrutierung. Und Joachim Lenders von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) klagt: „Gute Kandidaten werden von den Ausbildungsbedingungen bei der Hamburger Polizei abgeschreckt.“

Sind die Prüfungen etwa zu schwer? Jeder Möchtegern-Polizist muss sich im ersten Teil des Tests einem Lückendiktat stellen. Unter anderem müssen die Wörter „Portemonnaie“, „Schifffahrtsgesellschaft“, „Baden-Württemberg“ und der „Hamburger Weg“ richtig geschrieben werden.

Die zweite Aufgabe: Eine Unfallszene schriftlich beschreiben und Gesichter auf verschiedenen Bildern wiedererkennen. Wer sich für den gehobenen Dienst bewirbt, muss auch noch einen Wissenstest zu Staat, Gesetz und „multikulturellem Zusammenleben“ absolvieren.

Machbar – sagen die, die bestehen. Auf MOPO-Nachfrage heißt es bei der Bewerbungshotline: „Wer im Realschul-Zeugnis eine Drei in Deutsch hatte und häufig Zeitung liest, hat nichts zu befürchten.“ Eigentlich …
Denn schon beim Deutsch-Test rasselt die Hälfte der Bewerber durch. Wer besteht, darf zum Sporttest. Fünf Klimmzüge müssen die Männer schaffen, 2,25 Meter weit aus dem Stand springen. Frauen haben es etwas leichter. Hinterher fließen aber nicht nur Schweißperlen, sondern auch Tränen: 25 Prozent der Bewerber geht beim Sport die Puste aus, sie sind raus.

Nach der medizinischen Untersuchung und einem kurzen Gespräch ist dann nur noch ein Bruchteil der Kandidaten übrig. Manchmal seien die Prüfer erschrocken, wie unfähig die Bewerber sind, heißt es aus dem Polizeipräsidium. In der Innenbehörde ist man aber auch ein bisschen stolz auf die hohe Durchfaller-Quote: „Wir wollen nur die Besten für den Polizeiberuf“, so Sprecher Frank Reschreiter.

Trotzdem finden sich in diesem Jahr wohl nur mit Ach und Krach genügend geeignete Kandidaten, um die 250 Stellen für Polizeianwärter zu besetzen. Mit einer großangelegten Plakat-Aktion (Slogan: „Mehr als nur ein Job“) ging die Stadt im Herbst auf Bewerberfang – ohne die Zusatz-PR wären wohl wieder Stellen offen geblieben. Polizeisprecherin Sandra Levgrün: „Die Kampagne hat die Anzahl und Qualität der Bewerber deutlich erhöht.“ Nun gelte es, „bei den Bemühungen um geeignete Kandidaten nicht nachzulassen“.

Die Tests einfacher zu gestalten kommt für Innensenator Michael Neumann (SPD) nicht infrage – er plant stattdessen allerlei finanzielle Extras für angehende Ordnungshüter. Geprüft wird derzeit eine Gratis-Gesundheitsvorsorge für erfolgreiche Bewerber. Ab Oktober bekommen die Studenten an der Polizeihochschule im Grundstudium außerdem erstmals eine Aufwandsentschädigung – wie hoch sie sein wird, steht aber noch nicht fest.

In Zukunft könnte die Polizei ihren Azubis sogar Wohnungen zur Verfügung stellen, deuten Polizeiverantwortliche an. Für die DPolG kommt das Engagement der Politik allerdings reichlich spät. Landeschef Joachim Lenders: „Hamburg muss noch viel tun, um zu anderen Bundesländern aufzuschließen.“ Gerade die anderen Nord-Länder seien derzeit klar im Vorteil. „Wir können es als Metropole nicht hinnehmen, dass die guten Polizisten von morgen lieber in Schleswig-Holstein auf Streife gehen.“

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