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So entschärfte die Polizei die Krawalle

Lage im Schanzenviertel schnell unter Kontrolle. Innensenator Vahldieck: „Die Taktik war goldrichtig.“ Trotzdem gab’s elf verletzte Beamte.

Sie blieben ruhig, nahmen vieles hin. Die Pöbeleien, die gereckten Stinkefinger, einige geworfene Feuerzeuge. Erst als schließlich Steine flogen, rückte die Polizei mit aller Härte im Schanzenviertel ein – und konnte die Lage noch vor Mitternacht weitestgehend unter Kontrolle bringen. Politiker sind sich sicher: Die Strategie der Polizei ist aufgegangen.

„Die Taktik hat sich als goldrichtig erwiesen“, lobt der neue Innensenator Heino Vahldieck (CDU). Vor allem die vielen Personenkontrollen am frühen Abend und gezielte Ansprachen an potenzielle Gefährder hätten Wirkung gezeigt. „Dank gebührt auch der Feuerwehr, die den schwierigen Einsatz im Schanzenviertel mit Bravour gemeistert hat.“

Statt direkt vor der Roten Flora in der Schanze präsent zu sein, hatten die rund 2300 Polizisten aus dem ganzen Bundesgebiet zunächst einen weiten Ring um das Viertel gebildet. Dann wurde das Zentrum des Krawalls am Schulterblatt mit Wasserwerfern schnell geräumt und mit Polizeiketten abgesichert, die kleinen Scharmützel mit Autonomen wurden gemieden.

Polizeisprecher Andreas Schöpflin: „Das übliche Katz-und-Maus-Spiel der vergangenen Jahre ist in diesem Jahr zum Glück ausgeblieben.“ Dennoch zählte die Polizei am Ende der Krawalle elf Verletzte in ihren Reihen. SPD-Innenxperte Andreas Dressel will deshalb mit einer Anfrage an den Senat klären, wie die Strategie der Polizei für das Schanzenfest verbessert werden kann. „Wir müssen weiter alles versuchen, aus diesem alljährlichen Gewaltritual herauszukommen.“

Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert unterdessen erneut schärfere Strafen für Attacken auf Polizisten und die Feuerwehr. „Den Diskussionen zu diesem Thema müssen jetzt auch die entsprechenden Rechtsnormen folgen“, sagt der Landesvorsitzende Joachim Lenders. Die „Bürger in Uniform“ müssten aushalten, was in der Gesellschaft aus dem Ruder gelaufen ist. Lenders: „Die Hoffnung auf ein friedliches Schanzenfest haben zumindest wir Polizisten bereits aufgegeben. Wir müssen den Kopf hinhalten – vermutlich auch im nächsten Jahr.“

Polizeichef: „Diesmal wird es schlimm!“

Wieder 19 Fahrzeuge in Brand gesetzt: Die Polizei rechnet beim Schanzenfest am Sonnabend mit schweren Krawallen. Die Organisatoren sagen: „Innenbehörde ist schuld an drohender Eskalation.“ 3000 Polizisten im Einsatz.

Es sind die krawalligen Vorboten des Schanzenfestes. Bereits die zweite Nacht in Folge haben unbekannte Täter etliche Autos angezündet. „Wir rechnen mit dem Schlimmsten. Es könnte zu den schwersten Krawallen kommen, die wir jemals beim Schanzenfest hatten“, sagt Joachim Lenders, Landes-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG).

Insgesamt wurden in der Nacht zu Freitag 19 Fahrzeuge bei Brandanschlägen zerstört oder beschädigt, davon etliche Luxus-Schlitten (unter anderem Mercedes, Landrover und Audi). Die Tatorte: Borchlingweg (Othmarschen), Heinrich-Hertz-Straße (Barmbek), Gothaer Weg (Billstedt) und Kelloggstraße (Jenfeld). Zwar waren Dutzende Beamte im Einsatz, fassen konnten sie die Täter jedoch nicht. Die Ermittler (Tel. 428656789) suchen Zeugen.

Schon in der Nacht zu Donnerstag waren in Bramfeld acht Fahrzeuge in Flammen aufgegangen (MOPO berichtete). „Wir vermuten einen Zusammenhang mit dem Schanzenfest“, sagt Polizeisprecher Mirko Streiber. Die Beamten planen einen massiven Einsatz: Knapp 3000 Polizisten, unter anderem aus Berlin und Bayern, werden vor Ort sein. „Wir haben alles auf der Straße, was laufen kann. Dieser Einsatz wird Millionen kosten“, sagt Uwe Koßel, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Unterdessen ließen die Mitglieder der „Schanzenfestvorbereitung“ am Freitag in einer Mitteilung verkünden, dass die Innenbehörde die Schuld an der Eskalation trage. Die Begründung: Im Vorfeld des Schanzenfestes hatten Polizisten Aufenthaltsverbote gegen bekannte Krawallmacher ausgesprochen (MOPO berichtete). Zudem wurde das Schanzenviertel von Sonnabend 18 Uhr bis Sonntag 8 Uhr zum Gefahrengebiet erklärt. Das bedeutet: Auch ohne, dass ein Tatverdacht vorliegt, können die Beamten Personen kontrollieren, durchsuchen und gegebenenfalls Platzverweise erteilen.

Außerdem steht in der Mitteilung, dass man versucht hätte, Privatwohnungen in der Schanze anzumieten, um „Stützpunkte mit Beamten einzurichten, die das Fest heimlich filmen und überwachen. Diese Aufnahmen sind illegal.“ Zu der Anmietung wollte sich die Polizei nicht äußern.

Die Mitglieder der „Schanzenfestvorbereitung“ riefen letztlich insbesondere „Menschen mit Aufenthaltsverboten“ dazu auf, am Fest teilzunehmen und sich nicht einschüchtern zu lassen.

CDU-Zoff: Wie viel muss Polizei sparen?

Die Messer werden gewetzt. Das Mega-Sparprogramm des Senats sorgt bereits im Vorfeld für parteiinternen Zoff in der CDU. Denn auch im sensiblen Bereich der Innenbehörde soll ordentlich der Rotstift angesetzt werden. Zwischen 26 und 30 Millionen Euro müssen dort zusammengestrichen werden. Das sorgte jetzt für einen offenen Schlagabtausch zwischen dem Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Joachim Lenders (CDU) und dem innenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, Kai Voet van Vormizeele.

Der nämlich hatte davon gesprochen, es dürfe im Zuge des Sparhammers keine Denkverbote geben. Eine Kampfansage für Lenders.

„Dass sich ausgerechnet der innenpolitische Sprecher meiner Partei zum obersten Sparkommissar aufschwingt und alles kaputt sparen will, ist verantwortungslos.“ Er jedenfalls lehne jegliches Sparprogramm im Bereich innere Sicherheit ab und bekomme Bauchschmerzen, wenn er hörte, dass selbst bei der kriminalpolizeilichen Beratung und den Verkehrslehrern für Kinder gespart werden soll.

Vormizeele indes fühlt sich missverstanden. Tatsache sei, dass die Verwaltung inzwischen eine lange Liste mit Sparmaßnahmen vorgelegt habe. Die werde nun diskutiert. Und: „Einige Punkte halten meine Fraktion und ich für bedenklich.“ Mit einen Seitenhieb auf seinen Parteifreund Lenders meint er allerdings: „Dass der gesamte Bereich der Innenbehörde keinen Sparbeitrag leistet, ist, gelinde gesagt, naiv.“

Deutlich wird: Die Nerven liegen blank. Der Senat muss jährlich 560 Millionen Euro einsparen. Ende September beginnt die Sparklausur. Dort sollen die Vorschläge diskutiert werden.

Für Vormizeele geht es allerdings nicht nur ums Sparen. „Uns stellt sich auch die Frage, wie Einnahmen generiert werden können.“ So vertrete er die Ansicht, dass Veranstalter eine Kostenbeteiligung für die Sicherheitsleistungen bei Großveranstaltungen liefern müssen. Auch ein Personalabbau innerhalb der Verwaltung müsse diskutiert werden. „Wir suchen nach sinnvollen Sparbeiträgen, die die Sicherheit der Bürger im Auge behalten.“

Polizei-Chef Werner Jantosch schlägt zurück

In einem Brandbrief kritisierten Top-Beamte seine Führung. Polizei-Chef Werner Jantosch (59) reagiert jetzt mit einer internen Rundmail. Die Botschaft: Wer meckert, ist ein Nestbeschmutzer.

Funkstille im Polizeipräsidium. Kein Wort an die Öffentlichkeit von Polizeipräsident Werner Jantosch zu den schweren Vorwürfen einer Gruppe seiner eigenen Führungsbeamten, er würde einen diktatorischen Führungsstil pflegen. Doch intern schickte der umstrittene Polizeichef eine Rundmail an alle Polizisten, griff darin die Kritiker massiv an und warf ihnen vor, „der Polizei enorm zu schaden“.

Werner Jantosch schrieb: „Ich bedaure es sehr, dass ein solches diffamierendes Bild der Polizei Hamburg in die Öffentlichkeit getragen wurde. Wer so vorgeht, schadet dem Ansehen der Polizei enorm.“

Die Kritiker aus den eigenen Reihen hatten Jantosch vorgeworfen sich nur mit Ja-Sagern zu umgeben und Widerworte gegen seine Auffassungen teilweise mit Strafversetzungen zu ahnden. In dieses streng hierarchische System von Befehl und Gehorsam sind auch seine engsten Führungsmitarbeiter, die leitenden Polizeidirektoren Kuno Lehmann und Peter Born, eingebunden.

Jantosch an die Adresse der Kritiker: „Wer aus Angst vor persönlichen Nachteilen Kritik nicht offen – stattdessen anonym – äußert und sich nicht an den richtigen Adressaten – stattdessen an die Medien – wendet, handelt nicht verantwortungsvoll und kann nicht von tatsächlicher Besorgnis motiviert sein. Dann würde das offene Gespräch, der Dialog, gesucht werden.“

Doch so manchem Führungsbeamten, der das „offene Gespräch“ mit Jantosch suchte, ist das nicht gut bekommen. Interne Gesprächsrunden, der so genannte Führungsdialog, werden von Kritikern auch Führungsmonolog oder „Jantoschs Märchenstunde“ genannt. Ein Leiter eines Polizeikommissariats, der Widerworte gab, fand sich später im Führungs- und Lagedienst wieder. Das ist ein Job, den junge Polizeiräte meist als erste Verwendung nach der Ausbildung bekommen. Also eine klare Herabstufung.

In einem weiteren Fall hatte sich ein Polizeiführer mutig vor seine Untergebenen gestellt. Als er sich nicht entschuldigen wollte, fand er sich auf einem extrem unbeliebten Dienstposten wieder.

Doch wer es sich richtig mit der Polizeiführung verscherzt, muss sogar damit rechnen, unsanfte Begegnung mit dem Mobilen Einsatzkommando (MEK) zu machen. So bestellte Polizeidirektor Kuno Lehmann den Streifenpolizisten Kamiar M. unter einem Vorwand in sein Büro. Dort wartete das MEK und brachte den unbewaffneten Beamten mit gezogenen Revolvern zu Boden. Dem Schutzmann war ein Sexualdelikt vorgeworfen worden. Er wurde vor Gericht freigesprochen.

Auf eine Entschuldigung wartet der Polizist bis heute. Werner Jantosch hat in einem Interview einmal gesagt, dass er gern aus Fehlern lernt. Viele seiner Untergebenen können das eher nicht bestätigen.

Reaktionen

Riesenwirbel nach dem MOPO-Bericht über die Kritik von Polizeiführern an Polizeipräsident Werner Jantosch. Hier die wichtigsten Stimmen aus Politik und Polizeigewerkschaften:

SPD-Innenexperte Andreas Dressel: „Auch uns erreichen viele kritische Stimmen aus der Polizei. Die Führungsrunden gleichen Befehlsausgaben. Eine moderne Großstadtpolizei wie die Hamburger kann man nicht mit Methoden aus den späten 50er Jahren des letzten Jahrhunderts führen.“

Christiane Schneider, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion: „Man kann den Schritt führender Polizeibeamten gar nicht hoch genug bewerten. Sie legen den Finger in die Wunde. Es gibt innerhalb der Polizei ein Demokratiedefizit, das sich seit Schill gefährlich zugespitzt hat. Ich hoffe, dass der Brief eine öffentliche Diskussion in Gang setzt.“

Antje Möller, Vizefraktionschefin der GAL und Innenexpertin: „Hierarchische Strukturen und interne Abschottung sind immer wieder im Fokus grüner Kritik gewesen. Anonyme Vorwürfe tragen nicht zur Verbesserung der Situation bei und sind deshalb nur schwer zu kommentieren.“

Uwe Koßel von der Gewerkschaft der Polizei (GdP): „ Die massiven Vorwürfe gegen den Polizeipräsidenten bedürfen dringend der lückenlosen Aufklärung. Das werwarten wir vom Innensenator.“

Joachim Lenders von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG): „ Wir teilen einige der Kritikpunkte. Aber ich gehe davon aus, dass die Verfasser aus Verärgerung darüber gehandelt haben, bei Beförderungen übergangen worden zu sein.“

Innenbehörden-Sprecher Ralf Kunz: „Wer konstruktive Kritik übt, findet bei der Hamburger Polizei immer ein offenes Ohr. Wem etwas nicht passt, der muss sich aber auch offen und ehrlich äußern.

Ein Mob von 30 Schlägern ist am Sonnabend am S-Bahnhof Neuwiedenthal über die Besatzungen dreier Streifenwagen hergefallen.

Ein 46-jähriger Kommissar erleidet lebensgefährliche Schädelbrüche. Einem 44-jährigen Hauptmeister wird die Nase gebrochen, drei weitere Polizisten werden durch Steinwürfe und Schläge verletzt.

Gegen 21.30 Uhr bekommt die Besatzung von ‚Peter 47/2‘ der Wache Neuwiedenthal den Funk-Einsatz: ‚Schlägerei am Bahnhof Neuwiedenthal‘. Reine Wochenend-Routine in dieser Gegend, denken die beiden erfahrenen Polizisten. Minuten später müssen sie um ihr Leben kämpfen Am Bahnhof stellen beide zunächst nichts fest. Dann sehen sie an der Ecke Rehrstieg/Striepenweg den 27-jährigen Pjotr R. Der Mann hat sein Glied entblößt und beschimpft die Polizisten.

Die Festnahme dokumentiert ein Video, das der MOPO vorliegt: Einer der Polizisten bewacht den Mann, der am Boden sitzt. Ein weiterer Beamter hält mehrere Männer mit seinem Schlagstock in Schach, die sich zusammengefunden haben und die Polizisten bepöbeln. Plötzlich schlägt der erste Beamte mehrfach auf den am Boden liegenden Mann ein.

Was weiter geschah, ist nicht weiter dokumentiert, denn das Handy-Video endet nach etwa 4-5 Minuten.

Als die Beamten aussteigen, werden sie von einer Horde Schläger angegriffen. Ein 46-jähriger Kommissar geht zu Boden. Dann nimmt ein Täter Anlauf und tritt ihm mit voller Wucht gegen den Kopf, rennt danach sofort davon. Der Polizist erleidet am Auge einen lebensgefährlichen Schädelbruch. Außerdem sind Kiefer und Jochbein gebrochen. Sein Kollege (35) kommt mit Hals- und Nackenverletzungen davon.

Dann trifft ein ziviler Streifenwagen ein. Auch hier wird der 46-jährige Beamte, ein Oberkommissar, sofort angegriffen und am Gesicht verletzt. Schließlich erreicht ‚Peter 47/1‘ den Tatort. Ein Schläger springt dem Einsatzleiter, einem 44-jährigen Hauptkommissar, in den Rücken. Seinem Kollegen (44) wird das Nasenbein gebrochen. Erst als Dutzende Peterwagen aus ganz Hamburg eintreffen, beruhigt sich die Lage. Die Beamten nehmen 16 Verdächtige fest. Sie heißen Igor, Diyan, Ali, Noor oder Talep und sind Deutsche. Die meisten sind bereits polizeibekannt. Der Mann, der dem Kommissar gegen den Kopf getreten haben soll, ist ein tunesischstämmiger Deutscher (31). Er konnte entkommen. Alle anderen Verdächtigen wurden wieder entlassen. Ihnen konnten außer der allgemeinen Beteiligung an der Schlägerei noch keine konkreten Attacken gegen die Polizisten nachgewiesen werden.

Innensenator Christoph Ahlhaus verurteilte die Attacke: ‚Das Maß ist voll. Der aktuelle Vorfall belegt einmal mehr die Notwendigkeit der Strafverschärfung für Gewalttaten gegen Polizeibeamte.‘ Polizeipräsident Werner Jantosch besuchte gestern die verletzten Polizisten, sagte: ‚Dieser hinterhältige Angriff macht mich fassungslos. Gewalt gegen Polizeibeamte ist besonders niederträchtig.‘ Joachim Lenders von der Deutschen Polizeigewerkschaft bezeichnete die Täter als ‚Unterschicht‘ und ‚Abschaum‘.

200 Beamte jagen Nacht für Nacht die Autozündler in Hamburg. Ohne Erfolg: Wieder brannten Autos, wieder entkamen die Täter. Jetzt packt ein Beamter aus: „Diese Taktik bringt gar nichts!“

Seit zwei Monaten sind sie auf der Jagd. Jede Nacht. 200 Polizisten der Soko „Florian“, die Autobrandstifter fangen soll. Bisher ohne Erfolg. Polizeiintern wurde die Truppe schon umgetauft in „Soko Sinnlos“.

Am Dienstag brannten wieder neun Autos – diesmal in Hohenfelde. Jetzt packt in der MOPO ein Beamter aus, fordert den Stopp des Mega-Einsatzes, weil er zu einer extremen Überlastung der Polizei führt und nichts bringt. Im Gegenteil: Wer 110 wählt, muss bei Routineeinsätzen eventuell mehrere Stunden warten, bis ein Streifenwagen kommt.

Tobias H. (Name geändert) ist 29 Jahre alt und seit fast zwölf Jahren Polizist. Nacht für Nacht sitzt er zusammen mit einem Kollegen zwischen 21 und 7 Uhr in einem Zivilwagen. Bis zu 60 solcher Fahrzeuge der „Ermittlungsgruppe Florian“ sind nachts unterwegs, um die Autobrandstifter zu fassen.

Tobias H.: „Dass etwas gemacht werden muss, ist uns klar. Aber so geht es nicht weiter. Das gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Auf der anderen Seite gibt es kaum Einsätze gegen Gewalttäter auf dem Kiez, wird kaum noch nach Einbrechern oder Dealern gefahndet.“

Vor allem Bereitschaftspolizisten haben bisher die Beamten auf den Revieren regelmäßig unterstützt. Seit dem Dauer-Großeinsatz gegen die Autozündler fällt diese Unterstützung komplett weg. Obermeister H.: „Das ist nicht hinnehmbar. An den Polizeikommissariaten können zeitnah nur noch die dringendsten Einsätze gefahren werden.“

Aktuell gab es an diesem Wochenende bei Routineeinsätzen wie Ruhestörung oder bei Unfällen ohne Verletzte Wartezeiten von bis zu vier Stunden! Die Streifenwagen hetzten teilweise mit Blaulicht nur noch von Einsatz zu Einsatz. Normale Streifenfahrten fallen völlig flach.

Joachim Lenders, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft: „Das Personalproblem in der Polizei ist eklatant. Ständig neue Sokos lindern vielleicht die Not der Politik, die dann nicht ganz so dumm in der Öffentlichkeit dasteht und Tatkraft demonstriert, dem Problem werden sie nicht gerecht, und den Tätern wird die Polizei so nicht Einhalt gebieten.“ 

Polizeisprecher Ralf Meyer kontert: „Es ist uns bewusst, dass der Einsatz gegen die Autobrandstifter ein Kraftakt ist, die Mindesteinsatzstärke an den Polizeikommissariaten wird aber nicht angetastet.“ Meyer verweist darauf, dass die Soko-Leute nebenbei auch andere Straftäter fassen.

Nach Gewaltdrohung, Diskussion in der Schanze abgesagt!

Weil Protestler im Internet dazu aufgerufen hatten, die Veranstaltung zu stören, hat der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders, eine Podiumsdiskussion abgesagt. Das Thema: „Polizei und Gewalt“.

Die Podiumsdiskussion im Rahmen des „taz salons“ sollte heute direkt neben der Roten Flora im Kulturhaus 73 am Schulterblatt (Sternschanze) stattfinden. Schon vor Tagen wurde im Internet zu Protesten aufgerufen. „Verschiedene Gruppen nehmen diese Veranstaltung zum Anlass, die Proteste gegen die Innenministerkonferenz etwas frühzeitiger zu beginnen. Wir wissen nicht, was die ,taz‘ geritten hat, einem Scharfmacher wie Lenders ein Forum zu bieten. Wir laden alle Chaotinnen und Chaoten ein, diesem einmaligen Event beizuwohnen“, heißt es auf der alternativen Medienplattform „Indymedia“ im Internet.

Seine Absage zu der Veranstaltung erklärt Joachim Lenders so: „Für den Schutz dieser Veranstaltung und meiner Person sollten etwa 650 Beamte aufgeboten werden. Die Belastungssituation meiner Kollegen ist in den vergangenen Wochen exorbitant gestiegen, sodass es unverantwortlich für mich ist, diese nochmals zu verschärfen.“ Allerdings wolle er sich „von ein paar Chaoten bestimmt nicht einschüchtern lassen“. Er halte es für unerträglich, dass ein Mob von ignoranten Chaoten ihren Stadtteilterror immer weiter ausdehnen könne.

Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) unterstützt Lenders. „Die Entscheidung verdient Respekt. Es ist bedauerlich, dass er die Teilnahme an der Veranstaltung absagen musste.“

Immer mehr Schrott-Laster unterwegs

Kaputte Bremsen, übermüdete Fahrer. Die Polizei warnt: Auf Hamburgs Straßen sind immer mehr Schrott-Laster unterwegs. Grund: Gerade Schwertransporte werden in den meisten Fällen nicht kontrolliert.

Zwar sind die Beamten verpflichtet, die Brummis zu überprüfen, bevor sie durch Hamburg fahren, doch sie würden Mängel nicht erkennen. Den Polizisten fehlt eine Ausbildung.

„Die Zahl der Schwertransporte ist dramatisch gestiegen“, sagt Joachim Lenders, Landes-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Monatlich müssen die Beamten etwa 300 Transporte begleiten. Sie übernehmen die Laster nachts in Höhe der Raststätte Holmmoor an der A7. Zwar müssten die Polizisten die Brummis vorher kontrollieren, allerdings ist auf dem Parkplatz kein Platz, sodass sie die Transporte bei voller Fahrt übernehmen. Nicht das einzige Problem: Selbst wenn Platz wäre, könnten die Beamten die Kontrollen nicht professionell durchführen, da ihnen eine Ausbildung fehlt. „Das sind Polizisten von den Wachen, die keine notwendigen Lehrgänge bekommen haben. Wir fordern, dass diese Arbeit ab sofort von Polizei-Angestellten übernommen wird, die speziell geschult sind“, so Lenders.

Dass das nötig ist, zeigt eine kürzlich durchgeführte Kontrolle von Schwertransporten. Mehr als 90 Prozent der Laster hatten Mängel. Darunter ein mit Sprengstoff beladener Lkw, dessen gefährliche Ladung in keiner Form gesichert war.

„Hinzu kommt, dass die Beamten haftbar gemacht werden können.“ Wenn sich zum Beispiel wegen schlechter Ladungssicherung ein Unfall ereignet, tragen die Beamten eine Mitschuld, da sie nicht kontrolliert haben.

Gut 100 Polizisten jagen jede Nacht die Auto-Brandstifter. Hamburgs Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Joachim Lenders schlägt Alarm.

Die Polizisten konzentrieren sich bei ihrer Jagd schwerpunktmäßig auf nur wenige Stadtteile. Nun schlägt Joachim Lenders, Hamburger Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Alarm: „Das führt zu einem sicherheitspolitischen Kollaps.“ Die Belastungsgrenze der Polizei sei überschritten.

Laut dem Gewerkschafter gibt es schon jetzt Polizeireviere, die 70000 Menschen betreuen müssen, aber keine Streifenwagen zur Verfügung haben. Lenders: „Statt normal Streifen zu fahren, sind die drei Peterwagen des Polizeikommissariats abkommandiert, Autobrandstifter zu jagen, Schwertransporte zu begleiten, oder sie sind im Demo-Einsatz.“ Innenbehörden-Sprecher Ralf Kunz widerspricht: „Die Polizei kann alle Aufgaben professionell bewältigen.“

Am Sonnabend ruft der „Flüchtlingsrat“ zur Demo durch die City auf. Um 18.30 Uhr wollen knapp 1000 Demonstranten ab Glockengießerwall unter dem Motto „Abschiebehaft sofort abschaffen“ über den Jungfernstieg Richtung Schanze laufen. Ein Marsch durch die Mö wurde von der Polizei untersagt.

Teer Anschlag auf Polizei

Gegenüber dem Atlantic-Hotel haben Unbekannte in der Nacht zu gestern einen Anschlag verübt – auf die Geschäftsstelle der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) am Holzdamm. Die Täter warfen zwei Glasflaschen, die offenbar mit Teer gefüllt waren, gegen die Tür und ein Fenster. Zudem ließen sie Zettel mit der Aufschrift „Fight Cops“ zurück. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Besonders ärgerlich: Die Fassade wurde gerade erst renoviert.