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Das Geheimnis der neuen Polizeitaktik

Großaufgebot direkt vor der „Roten Flora“ / Schanze und St. Pauli zum „Gefahrengebiet“ erklärt

Viele waren von den schlimmsten Krawallen seit Jahren ausgegangen. 1200 gewalttätige Linke trafen auf 2500 Polizisten. Doch am Ende blieb es weitestgehend ruhig, die ganz großen Ausschreitungen blieben aus. Der Grund waren zwei neue Taktiken der Polizei.

Man hatte aus den Fehlern des vergangenen Jahres gelernt: 2010 waren die Krawalle rund um den 1. Mai gewaltig aus dem Ruder gelaufen. Statt der erwarteten 200 kamen rund 700 Randalierer ans Schulterblatt. Die Polizei hielt sich (zu) lange im Hintergrund, ließ die Krawall-Macher erst einmal wüten. Der damalige Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) räumte später eine „fehlerhafte Prognose“ ein.

Dieses Mal ging die Polizei auf Nummer sicher: Direkt nach dem Ende des angemeldeten Demo-Umzugs an der Großen Bergstraße positionierten sich am Sonnabend (ab 20.22 Uhr) mehr als 20 Mannschaftswagen und mehrere Wasserwerfer vor der „Roten Flora“. Behelmte Beamte marschierten durchs Viertel. Etwaige Randale wurde so im Keim erstickt.

Zusätzlich waren die Schanze, St. Pauli und Teile Altonas erstmals am 1. Mai zum „Gefahrengebiet“ erklärt worden. So konnte die Polizei ohne konkreten Verdacht Passanten kontrollieren oder potenzielle Randalierer in Gewahrsam nehmen. „Das war genau die richtige Taktik, sie hat den Kollegen vor Ort mehr Möglichkeiten gegeben“, sagt Joachim Lenders, Hamburg-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Innensenator Michael Neumann (SPD) lobte seine Beamten: „Die Taktik ist vollständig aufgegangen.“

Massives Polizeiaufgebot verhindert größere Krawalle im Schanzenviertel



Elf verletzte Beamte und 17 festgenommene Randalierer – Innenbehörde mit Einsatzkonzept zufrieden

 

Die Ausschreitungen begannen, als ein Demonstrationszug mit rund 4000 Teilnehmern vor die Rote Flora zog

 

Viele Autobrände in mehreren Hamburger Stadtteilen – CDU fordert jetzt härtere Gesetze

 

Den Fehler des Vorjahrs, als zu wenige Polizeibeamte im Schanzenviertel Präsenz zeigten, wollte die Innenbehörde nicht erneut begehen – und so wurden in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag 2300 Beamte eingesetzt, um die befürchteten Ausschreitungen, Plünderungen und brennende Barrikaden zu verhindern. Mit Erfolg: Die Nacht verlief – vergleichsweise – ruhig. Mögliche Randalierer erhielten im Vorfeld Aufenthaltsverbote für das zum Gefahrengebiet erklärte Schanzenviertel. Und erstmals wurden Wasserwerfer präventiv an wichtigen Punkten postiert. Nicht verhindern konnte die Polizei, dass es im Umfeld des Viertels, aber auch in entfernten Stadtteilen zu zahlreichen Autobränden kam. 27 Fahrzeuge wurden an 13 Tatorten zerstört oder beschädigt. Ein Teil der Taten dürften auf das Konto frustrierter Krawallmacher gehen.

 

Am Sonnabendnachmittag hatte noch vieles auf einer Wiederholung der Straßenschlacht-Szenen von 2010 hingedeutet. Zu der angemeldeten Demonstration, die um 16 Uhr im Schulterblatt unter dem Tenor „Stadt selber machen – für das Recht auf Stadt. Rote Flora und Bauwagen Zomia verteidigen“ begann, waren weit mehr als die 1900 vom Anmelder erwarteten Teilnehmer gekommen. Die Polizei zählte rund 4000 Demonstranten, die im Zickzack-Kurs durch das Viertel und St. Pauli in Richtung Altona zogen. Darunter waren auch über 1000 als gewaltbereit eingestufte Linksautonome, die als Schwarzer Block die Spitze bildeten. Als sich der Aufzug um kurz nach 17 Uhr in Bewegung setzte, vermummten sich viele der Teilnehmer. Böller flogen. Erst nachdem die Polizei die Demonstranten stoppte, beruhigte sich die Lage etwas.

 

Schon zuvor war es für die Szene nicht sonderlich gut gelaufen. Vermummte Aktivisten hatten beinahe die Rote Flora selbst in Brand gesetzt, als sie gestenreich auf dem Dach des Gebäudes bengalische Feuer schwenkten. Dann gab es unter den Demonstranten mehrere Verletzte, die Knallschäden durch die aus den eigenen Reihen geworfenen Böller erlitten.

 

Die illegale Pyrotechnik forderte aber auch unter den Polizisten Opfer. „Zwei der 14 im Rahmen des Einsatzes verletzten Beamten erlitten Hörschäden“, sagt Hauptkommissar Andreas Schöpflin. „Sie kamen ins Krankenhaus und mussten zunächst stationär aufgenommen werden.“ In der Bernhard-Nocht-Straße steckten Krawallmacher ein Bundeswehrfahrzeug an. Gegen zwei Gebäude flogen Steine und Farbbeutel. Am Zielort in der Großen Bergstraße drohte die Situation zu eskalieren, als Vermummte einen Zaun des Ikea-Neubaus einrissen und Einsatzkräfte mit Flaschen, Böllern und Steinen bewarfen. Hier kam es zu einem kurzen Wasserwerfereinsatz durch die Polizei. Der Veranstalter beendete danach vorzeitig den Aufzug, die Endkundgebung fiel aus. „Gleich nach der Demonstration kam es noch zu einigen Sachbeschädigungen. Vermummte beschädigten einige Autos und schmissen Scheiben an Gebäuden ein“, so Schöpflin. Betroffen waren auch das Bezirksamt Eimsbüttel, zwei Gaststätten an der Balduinstraße und an der Großen Elbstraße. An der Osterstraße flogen Steine gegen Geldinstitute.

„Die Anzahl von etwa 1200 gewaltbereiten, teilweise vermummten Autonomen im Demonstrationszug zeigt einmal mehr, dass es vielen nur um Randale und Krawall geht“, bilanzierte Joachim Lenders, Landesvorsitzender der deutschen Polizeigewerkschaft. „Nur dem konsequenten Einschreiten der Polizei und der erfolgreichen Einsatzstrategie ist es zu verdanken, dass nicht noch mehr passiert ist.“ GAL-Politikerin Antje Möller , die selbst mitdemonstrierte, setzte einen anderen Schwerpunkt: „Es war eine überraschend große Demonstration, sehr politisch und mit vielen unterschiedlichen Gruppen.“

 

Zufrieden äußerte sich auch Hamburgs neuer Innensenator Michael Neumann. Am Sonnabend besuchte er Einsatzkräfte in deren Bereitstellungsräumen. „Ich habe der Polizei bei der Durchführung des Einsatzes freie Hand gelassen“, sagt Neumann. „Ich kann nur sagen, dass das Konzept aufgegangen ist.“ Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Kai Voet van Vormizeele, will hingegen die Beteiligung von gewaltbereiten Jugendlichen nicht mehr hinnehmen: „Das muss uns veranlassen, über weitere gesetzliche Konsequenzen nachzudenken. Es kann nicht hingenommen werden, dass die Eltern dieser Jugendlichen sich aus jeder Verantwortung herausstehlen. Eltern tragen für dieses gewalttätige Verhalten ihrer Kinder eine erhebliche Mitverantwortung.“

Am Sonntagabend versammelte sich die Szene zur „revolutionären Mai-Demo“. Die Polizei war erneut mit einem Großaufgebot vor Ort. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe dauerte die Demonstration noch an.

Krawalle in der Schanze – Neue Polizeistrategie ging offenbar auf

ROTE FLORA Innensenator zieht positive Bilanz – Trotzdem: Brände, elf verletzte Beamte und 17 Festnahmen

Unter einem massivem Polizeiaufgebot haben am 1.-Mai-Wochenende Anhänger der linken Szene in Hamburg demonstriert. In der „Walpurgisnacht“ kam es zwar zu einzelnen Ausschreitungen, doch große Krawalle, wie sie befürchtet wurden, gab es nicht. Auch eine sogenannte revolutionäre 1. Mai-Demonstration gestern Abend startete zunächst friedlich. Auseinandersetzungen mit den teils als gewaltbereit eingestuften Demonstranten schloss die Polizei aber nicht aus. 2300 bis 2500 Beamte waren

an beiden Abenden im Einsatz.

Mehr als 800 Demonstranten zogen gestern Abend unter dem Motto „Heraus zum revolutionären 1. Mai – Klasse gegen Klasse“ vom Bahnhof Altona Richtung Schanzenviertel. Viele trugen schwarze Kapuzen oder Kappen und Sonnenbrillen. Auf Transparenten stand: „Zum Teufel mit dem Kapital“ oder „Organisiert den Widerstand gegen Faschismus und Kapitalismus.“ Die Polizei richtete gestern erneut ein Gefahrengebiet im Schanzenviertel ein, in dem die Beamten ohne konkreten Verdacht Menschen durchsuchen oder in Gewahrsam nehmen sowie Platzverweise erteilen können.

Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) zog eine positive Bilanz des Polizeieinsatzes vom Sonnabend, an dem rund 4000 Menschen für den Erhalt des linksautonomen Zentrums Rote Flora demonstriert hatten. „Die Polizei hat durch entschlossenes Eingreifen Schlimmeres verhindert“, erklärte er. Gleichzeitig verurteilte der Innensenator die Gewalttätigkeiten. „Es ist durch nichts zu rechtfertigen, dass es rund um den 1. Mai auch in diesem Jahr wieder zu gewalttätigen Aktionen in der Stadt gekommen ist.“

Bei vereinzelten Auseinandersetzungen am Sonnabendabend zwischen Demonstranten und Einsatzkräften waren elf Polizisten verletzt worden, einer von ihnen musste mit einem Hörschaden im Krankenhaus behandelt werden. Die Beamten hatten 17 Demonstranten vorläufig fest und 50 in Gewahrsam genommen.

Vor der Roten Flora wurden immer wieder Feuerwerkskörper auf Polizeiautos geworfen. Die Polizisten setzten mehrfach Wasserwerfer ein. Ein Fahrzeug der Bundeswehr ging in Flammen auf, mehrere wurden beschädigt. Zudem warfen einige Demonstranten nach Polizeiangaben Steine und Glasflaschen auf ein Hotel. Gewalttäter setzten mehrere Papierkörbe und Müllcontainer in Brand. In Altona wurde der Zaun einer Baustelle teilweise niedergerissen.

Auch aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG Hamburg) war die Einsatzstrategie erfolgreich. Der Landesvorsitzende Joachim Lenders erklärte aber: „Die Anzahl von etwa 1200 gewaltbereiten, teilweise vermummten Autonomen im Demonstrationsaufzug, zeigt einmal mehr, dass es vielen nur um Randale und Krawall geht.“ Er forderte eine schnelle und harte Verurteilung der Straftäter, betonte aber: „Wir benötigen für die Verurteilung dieser Straftäter weder schärfere, noch neue Gesetze, sondern lediglich die konsequente Ausschöpfung des vorhandenen Strafrahmens durch die Justiz.“

Randale Protokoll der Mai-Nacht

2300 Polizisten sichern Schanzenviertel – Wasserwerfer stoppt Chaoten an der Roten Flora- 13 verletzte Beamte

Die vermummten Chaoten warfen Flaschen und Böller, zündeten Autos an, verletzten 13 Polizisten. Auch in diesem
Jahr gab es rund um den 1. Mai („Tag der Arbeit“) Ausschreitungen in Hamburg.

Doch die Beamten waren bestens vorbereitet, konnten mit einer neuen Taktik eine Gewaltorgie verhindern. Die heiße Phase begann am Sonnabend um 17:00 Uhr. 4000 Demonstranten sammelten sich auf dem Schulterblatt, um für das umstrittene
Stadtteilzentrum „Rote Flora“ zu demonstrieren.

Viele Teilnehmer waren vermummt, etwa 1000 gewaltbereite Autonome bildeten einen „schwarzen Block“. Auf dem Weg zur IKEA-Baustelle in Altona beschmissen die Chaoten die Fassade des „Empire Riverside Hotel“ mit Steinen, immer wieder flogen
Böller, ein Bundeswehr-Opel wurde angezündet.

Warum hatte die Polizei diese gewalttätige Masse trotzdem gut im Griff?
2300 Beamte waren im Einsatz. Szenekundige Beamte hatten in der vergangenen Woche ein Lagebild erstellt, Aufrufe der Linken im Internet ausgewertet. Deshalb wurden aus ganz Deutschland (u. a. Bayern, Niedersachsen) Einsatzhundertschaften angefordert.

Wasserwerfer begleiteten die Protestler durch die Stadt. Als es in Altona zu Randale kam, spritzten sie die Menge auseinander. Die Gewalttäter flüchteten in die Sternschanze.

Wieso eskalierte die Gewalt auch im Schanzenviertel nicht?
Wasserwerfer gingen direkt vor der „Flora“ in Stellung, Festnahmeeinheiten streiften durch die Straßen. Polizeisprecher Miko Streiber: „Unsere Einsatztaktik ist aufgegangen, mit dem Großaufgebot an Beamten und der Einrichtung des Gefahrengebietes konnten wir die Ausschreitungen verhindern.“

Die Polizei hatte die Sternschanze zum „Gefahrengebiet“ erklärt. So durften die Beamten auch ohne konkreten Verdacht Personen durchsuchen
ihre Personalien feststellen. Joachim Lenders von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG):“Dadurch wurde erreicht, dass diese Personen aus dem
Bereich verschwanden.“

Warum wurden trotzdem Geschäfte, Banken und das Bezirksamt Eimsbüttel beschädigt, insgesamt 28 Fahrzeuge (u. a. ein Maserati) angezündet?
Die Täter agierten in Kleingruppen, schlugen dort zu,  wo niemand es erwartete. Die Anschläge verteilten sich auf neun Stadtteile.

Wie bewertet Michael Neumann (SPD) seine erste große Bewährungsprobe als neuer Innensenator?
„Unsere Polizei hat durch ihr konsequentes Eingreifen, sobald Straftaten begangen wurden, größere Ausschreitungen verhindert. Dafür danke ich den Beamten ausdrücklich.“

Die Polizeibilanz: 31 Störer festgenommen. 50 kamen in Polizeigewahrsam, 300 Platzverweise wurden erteilt.

Gestern Aben zogen noch einmal 1500 Demonstranten von Altona Richtung Schanze. Nach Böller-Würfen auf Polizisten gab es drei Festnahmen.

Kommissar Rockhausen: Ich war 15 Stunden im Dauereinsatz

Polizeioberkommissar Fabian Rockhausen (29, DPolG) war in der Nacht zum 1. Mai 15 Stunden im Dauereinsatz. Für 2300,00 € netto im Monat
hält er seinen Kopf hin.

Rockhausen ist seit 2003 bei der Bereitschaftspolizei. Der Gruppenführer: „Ich habe mit meiner Hundertschaft den Aufzug von der „Flora“ durch die Schanze
Richtung Altona begleitet. Als bei IKEA der Bauzaun angegriffen wurde, schritten wir ein. Dabei wurden wir mit Flaschen, Böllern und Eiern beworfen. Ein Kollege
bekam dadurch einen Tinnitus, ein weiterer wurde am Bein verletzt und musste ins Krankenhaus.“

Der Beamte weiter: “ Wenn ich mal die Möglichkeit hätte, mich mit einem Chaoten zu unterhalten, dann würde ich ihm sagen, dass unter den Uniformen auch
Menschen stecken, die Familien haben, heil nach Hause kommen wollen.“ Später war der Polizist in der Schanze, führte Kontrollen durch.

„Walpurgisnacht“ ruhiger als erwartet

Unter einem massivem Polizeiaufgebot haben am 1.-Mai-Wochenende Anhänger der linken Szene in Hamburg demonstriert. In der «Walpurgisnacht» kam es zwar zu einzelnen Ausschreitungen, doch große Krawalle, wie sie befürchtet wurden, gab es nicht. Auch eine sogenannte revolutionäre 1. Mai-Demonstration am Sonntagabend startete zunächst friedlich. Auseinandersetzungen mit den teils als gewaltbereit eingestuften Demonstranten schloss die Polizei aber nicht aus. 2300 bis 2500 Beamte waren an beiden Abenden im Einsatz.

 Mehr als 800 Demonstranten zogen am Sonntagabend unter dem Motto «Heraus zum revolutionären 1. Mai – Klasse gegen Klasse» vom Bahnhof Altona Richtung Schanzenviertel. Viele trugen schwarze Kapuzen oder Kappen und Sonnenbrillen. Auf Transparenten stand: «Zum Teufel mit dem Kapital» oder «Organisiert den Widerstand gegn Faschismus und Kapitalismus.» Die Polizei richtete am Sonntag erneut ein Gefahrengebiet im Schanzenviertel ein, in dem die Beamten ohne konkreten Verdacht Menschen durchsuchen oder in Gewahrsam nehmen sowie Platzverweise erteilen können.

Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) zog am Sonntag eine positive Bilanz des Polizeieinsatzes vom Sonnabend, an dem rund 4000 Menschen für den Erhalt des linksautonomen Zentrums «Rote Flora» demonstriert hatten. «Die Polizei hat durch entschlossenes Eingreifen Schlimmeres verhindert», erklärte er. Gleichzeitig verurteilte der Innensenator die Gewalttätigkeiten. «Es ist durch nichts zu rechtfertigen, dass es rund um den 1. Mai auch in diesem Jahr wieder zu gewalttätigen Aktionen in der Stadt gekommen ist.»

Bei vereinzelten Auseinandersetzungen am Samstagabend zwischen Demonstranten und Einsatzkräften waren elf Polizisten verletzt worden, einer von ihnen musste mit einem Hörschaden im Krankenhaus behandelt werden. Die Beamten hatten am Sonnabend 17 Demonstranten vorläufig fest und 50 in Gewahrsam genommen.

Vor der «Roten Flora» wurden immer wieder Feuerwerkskörper auf Polizeiautos geworfen. Die Polizisten setzten mehrfach Wasserwerfer ein. Ein Fahrzeug der Bundeswehr ging in Flammen auf, mehrere wurden beschädigt. Zudem warfen einige Demonstranten nach Polizeiangaben Steine und Glasflaschen auf ein Hotel. Gewalttäter setzten mehrere Papierkörbe und Müllcontainer in Brand. In Altona wurde der Zaun einer Baustelle teilweise niedergerissen.

Auch aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG Hamburg) war die Einsatzstrategie erfolgreich. Der Landesvorsitzende Joachim Lenders erklärte aber: «Die Anzahl von etwa 1200 gewaltbereiten, teilweise vermummten Autonomen im Demonstrationsaufzug, zeigt einmal mehr, dass es vielen nur um Randale und Krawall geht.» Er forderte eine schnelle und harte Verurteilung der Straftäter, betonte aber: «Wir benötigen für die Verurteilung dieser Straftäter weder schärfere, noch neue Gesetze, sondern lediglich die konsequente Ausschöpfung des vorhandenen Strafrahmens durch die Justiz.»

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion verlangte dagegen auch Gesetzesänderungen. «Die erneut hohe Anzahl von gewaltbereiten Jugendlichen muss uns veranlassen, über weitere gesetzliche Konsequenzen nachzudenken», hieß es in einer Mitteilung des innenpolitischen Sprechers der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Kai Voet van Vormizeele.

Großaufgebot der Polizist im Einsatz

Die Polizei bereitet sich mit einem Großaufgebot auf mögliche Krawalle in Hamburg rund um die Walpurgisnacht vor. Es seien insgesamt 2300 bis 2500 Polizisten aus der Hansestadt und anderen Bundesländern im Einsatz, sagte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders, am Sonnabend. Es sei mit etwa 1000 Randalierern zu rechnen. «Diese Gewaltexzesse in der Walpurgisnacht sind ja leider Gottes schon ritualisiert.» Am Sonnabendnachmittag wollen Anhänger der linken Szene gegen den geplanten Verkauf des linksautonomen Zentrums «Rote Flora» im Schanzenviertel demonstrieren. Vor allem danach werden Ausschreitungen befürchtet. Auch am 1. Mai sind Demos geplant.

SPD fordert von Schanzen-Wirten: Verkauft den Chaoten heute kein Bier!

Barrikaden aus brennenden Müllcontainern, Steinwürfe auf Polizisten, zerstörte Schaufensterscheiben.

Hamburgs Behörden bereiten sich auf ein Wochenende der Gewalt vor! Chaoten aus ganz Deutschland wollen rund um den 1. Mai im Schanzenviertel randalieren, sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern (BILD berichtete) Ein entscheidender Punkt bei Krawallen der vergangenen Jahre: Die Randalierer waren meist betrunken, dadurch noch enthemmter.

Sie versorgten sich häufig mit Nachschub aus den Schanzen- Kneipen. SPD-Fraktionschef Andreas Dressel richtet deshalb einen ernsten Appell an Wirte und Geschäftsleute im Quartier: „Sie müssten schließen. Und nicht noch Caipirinha und Bier ausschenken, um die Gewalt so anzuheizen. Genauso wenig darf es sein, dass da auch noch Musikboxen auf die Straße gestellt werden, damit quasi nach dem Takt die Flaschen geworfen werden.“ Einige Gewerbetreibende im Viertel schlossen bereits beim letzten Schanzenfest ihre Läden. „Wenn das noch breiter getragen wird, ist das ein wichtiger Beitrag, um das Gewaltritual zu durchbrechen“, sagte Dressel zu BILD. Viele Gastronomen halten die Umsetzung aber für schwierig. Svenja Lorenzen (24), Barfrau in der „Katze“ (Schulterblatt): „Kein Alkoholausschank am Wochenende? Das ist nicht durchführbar.“

➜ Wie bereitet sich die Polizei vor? Im Moment spricht alles dafür, dass es in der Nacht zum 1. Mai wieder zu massiven Auseinandersetzungen kommt. Allein in der Nacht zu Freitag brannten zwölf Autos in der Stadt: in Eidelstedt, Ottensen, Hamm und Langenhorn. Seit Beginn der Woche sind damit 34 Autos angezündet worden.

Für Polizei-Insider ein sicheres Zeichen, dass die linksautonome Szene (die laut Staatsschutz auch Zulauf aus Berlin und Dänemark erhalten wird) sich auf Gewalt einstimmt. Polizeisprecherin Ulrike Sweden: „Wir sind auf alles vorbereitet.“ Rund 2500 Polizisten sind im Einsatz. Davon kommen ca. 800 Beamte aus Bayern und von der Bundespolizei (Bayern, Niedersachsen).

➜ Was muss ich als Bürger beachten? Die Polizei hat den Bereich um die Schanze am Sonnabend und Sonntag jeweils zwischen 19 und 5 Uhr zum Gefahrengebiet erklärt. Heißt: Beamte können auch ohne konkreten Verdacht Personen kontrollieren, Platzverweise erteilen. Jeder muss damit rechnen, durchsucht zu werden. Bürger sollten das Schanzenviertel am Wochenende meiden.

➜ Ab wann wird es gefährlich? Die Protestaktionen der linken Szene beginnen heute um 16 Uhr. Dann ziehen rund 2000 Demo-Teilnehmer vom Schulterblatt aus über die Reeperbahn bis zur IKEA-Baustelle an der Großen Bergstraße. Dort soll gegen 19 Uhr eine Abschlusskundgebung stattfinden. Mit Beginn des Krawalls rechnet die Polizei zwischen 22 und 24 Uhr.

Joachim Lenders (49), Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), kündigt eine harte Linie an: „Wir lassen es nicht zu, dass in Hamburg gebrandschatzt wird. Wir werden jegliche Gewalt im Keim ersticken.“

Polizei erwartet Krawalle in der Schanze

Hamburg steht (mal wieder) ein heißes 1.-Mai-Wochenende bevor. Knapp 2000 Linke wollen morgen in der Schanze demonstrieren. Am Abend könnte es dann zu den alljährlichen Krawallen kommen. Die Polizei erklärt das Viertel deshalb zum „Gefahrengebiet“.

Bereits Sonnabendvormittag (10 Uhr) könnte es 100 Kilometer südwestlich von Hamburg zu Ausschreitungen kommen: In Bremen werden zu einer NPD-Demo 250 Neonazis und mehrere tausend Gegen-Demonstranten erwartet. Auch einige Hamburger Linke sollen nach Bremen reisen. Zu einer wirklichen „Entlastung“ Hamburgs wird das aber nicht führen.

Denn bereits um 16 Uhr ist in der Schanze ein Aufmarsch angemeldet: Am Schulterblatt versammeln sich etwa 1900 Linke, um für den Erhalt der „Roten Flora“ und den Bauwagenplatz „Zomia“ (Wilhelmsburg) zu demonstrieren. Die Demo-Route geht über den Kiez in Richtung Große Bergstraße zum neuen Ikea-Gebäude (19 Uhr).

Sobald es dunkel ist, wird es vermutlich (wie in jeder Walpurgisnacht) rund ums Schulterblatt zu Ausschreitungen kommen. Rund 2500 Beamte sind am Wochenende im Einsatz. „Wir haben alles in den Stiefeln stehen, was sich bewegen kann“, sagt Joachim Lenders, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Die Schanze, St. Pauli und Teile Altonas werden zwischen morgen Abend (19 Uhr) und Sonntagmorgen (5 Uhr) sowie von Sonntag (19 Uhr) bis Montag (5 Uhr) vorsorglich zum „Gefahrengebiet“ erklärt. So kann die Polizei ohne konkreten Verdacht Passanten kontrollieren oder potenzielle Randalierer in Gewahrsam nehmen.

Folgende Straßenzüge sind betroffen:

Im Norden: Fruchtallee, Schäferkampsallee, Schröderstiftstraße einschließlich U-Bahnhof Christuskirche

Im Osten: Karolinenstraße, Glacischaussee

Im Süden: Millerntorplatz, Simon-von-Utrecht-Straße einschließlich U-Bahnhof St. Pauli

Im Westen: Holstenstraße, Stresemannstraße, Alsenstraße, Doormannsweg

Im Lager der Demonstranten hält man die Kraftmeierei der Polizei für unangebracht: „Wenn uns die Polizei von allen Seiten umzingelt, als seien wir eine große Gefahr, ist das nicht hinnehmbar“, sagt Sprecher Frank Müller.

Im vergangenen Jahr waren die 1.-Mai-Krawallen gehörig aus dem Ruder gelaufen: Statt der erwarteten 200 kamen rund 700 Randalierer ans Schulterblatt. Der damalige Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) räumte später eine „fehlerhafte Prognose“ ein.

1. Mai: Polizei rechnet mit Krawallen

Aktion vor der Roten Flora angekündigt

Mit massiver Polizeipräsenz sollen in der Nacht zum 1. Mai in Hamburg Ausschreitungen verhindert werden. Neben den eigenen Hundertschaften, den Alarmabteilungen und den Einsatzzügen sollen kommendes Wochenende auch zehn auswärtige Hundertschaften hauptsächlich im Schanzenviertel im Einsatz sein. Experten, wie der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders, rechnen dennoch mit „erheblichen Ausschreitungen“, die es vor dem Hintergrund eines möglichen Verkaufs der Roten Flora in dieser „traditionellen“ Krawallnacht geben wird.

Bereits für Sonnabendnachmittag hat der Sprecher der Roten Flora, Andreas Blechschmidt, eine Kundgebung angemeldet, zu der er 1900 Teilnehmer erwartet. Ob diese Zahl erreicht wird, ist unklar. Am Vormittag findet eine Kundgebung der NPD in Bremen statt. Bei der Polizei geht man davon aus, dass ein Teil der Szene dorthin fahren wird, um den Aufmarsch der Neonazis zu stören. So wurde die von Blechschmidt angemeldete Demo extra um eine Stunde weiter in den Nachmittag gelegt, um das „Zeitfenster“ für die Teilnahme an Aktionen in Bremen zu vergrößern.

„Wir müssen davon ausgehen, dass die Hamburger Klientel am Abend wieder zurück ist“, meint ein Einsatzführer der Polizei. Was dann passiert, lässt sich schwer vorhersagen.

„Wir rufen für den 30. April 2011 auf zu einem antikapitalistischen Tanz in den Mai, einer Demonstration in Hamburg für die Rote Flora, den lockeren Aufstand und das Recht auf Stadt“, heißt es in einer Ankündigung der Szene. Deshalb sollen allein in dieser Nacht sechs Hundertschaften aus anderen Bundesländern die Polizei verstärken. Am 1. Mai sind noch einmal vier auswärtige Hundertschaften mit eingeplant. Neben den Mai-Kundgebungen, bei denen Linksautonome spezielle „Blöcke“ bilden sollen, wird es am Sonntag eine „Revolutionäre 1.-Mai-Demo“ geben. Vier zusätzliche Hundertschaften sollen dann aushelfen. Das Problem: Bis vor Ostern waren die Zusagen spärlich. Bremen hat wegen der Kundgebung eigenen Bedarf. In Berlin ist in der Nacht zum 1. Mai, wie in Hamburg, traditionell Randale angesagt. Jeweils zehn Hundertschaften hätten die Polizeiführer beider Städte gern zusätzlich.

Per Handy-Ortung gegen Brandstifter

Senat entwickelt neues Konzept im Kampf gegen die Autobrände – Auch Mobilfunkdaten werden ausgewertet

Erneut brennen vier Fahrzeuge – diesmal in Lurup. Wieder keine Spur von den Tätern

Polizei will mehr Beamte mit guten Kenntnissen des jeweiligen Stadtteils einsetzen

Bei Innensenator Michael Neumann (SPD) steht das Thema ganz oben auf der Prioritätenliste: die Bekämpfung der immer mehr ausufernden Autobrandstiftungen in Hamburg. Von der Polizei hat Neumann jetzt unter Leitung von LKA-Chef Reinhard Chedor ein neues Konzept ausarbeiten lassen. Danach soll die Ermittlungsarbeit der Polizei sich noch stärker auf moderne Technik stützen. Wunder und vor allem schnelle Ergebnisse erwarten Experten davon jedoch nicht. Innensenator Neumann gibt dem neuen Konzept zunächst drei Monate Zeit, bevor es einer Evaluierung unterzogen werden soll.

Kern des Konzeptes ist die Auswertung von Handy-Verbindungsdaten. In der Kombination mit Täterprofilen sollen sie der Polizei die Fahndung nach den Brandstiftern deutlich erleichtern.

„Auch wenn es sich um zahlreiche verschiedene Brandstifter handelt, so gibt es doch beim Täterprofil eine Schnittmenge von etwa 80 Prozent, die auf alle zutrifft“, so ein Beamter. Quantitativ ist das ein Problem. „Es sind immer noch Hunderte.“ Deshalb ist die Polizei an einer Verknüpfung möglichst vieler Daten interessiert. „Es gibt da viele Möglichkeiten. Wir klären noch, was datenschutzrechtlich geht und was nicht“, so ein Polizist.

Am Ende müssen die Täter nicht nur erkannt, sondern auch gerichtsfest überführt werden. Das geht in der Regel nur, wenn die Polizei Autobrandstifter auf frischer Tat festnimmt.

„Darauf ist die Polizei mittlerweile denkbar schlecht eingestellt“, sagt Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG).

Hamburgs Ordnungshüter müssten strukturell neu ausgerichtet werden, um besser solchen Phänomenen entgegentreten zu können.

Dass pure Masse nichts bringt, hat die Sonderkommission „Florian“ die letzten Jahre eindrucksvoll vorgeführt. Bis zu 200 Mann waren jede Nacht unterwegs, um Brandstifter zu jagen. Vor allem die Bereitschaftspolizei stellte viele der Beamten. Bei dem neuen Konzept wird sie eine kleinere Rolle spielen. Man setzt wieder auf Polizisten, die sich in den jeweiligen Stadtteilen gut auskennen. „Jetzt rächt sich eine jahrelange Schwächung der örtlichen Ebene“, so Lenders. Während die Hamburger Polizei bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität gut aufgestellt ist, bekommt sie die Randalierer, die Grillanzünderwürfel auf Autoreifen legen und anstecken, nicht in den Griff.

„Wir sind in der Fläche viel zu schwach“, meint Lenders. Allein an den 26 Polizeikommissariaten sind aktuell rund 40 Stellen von Zivilfahndern unbesetzt. Lenders: „Das sind genau die Kollegen, die wir brauchen, um erfolgreicher gegen Autobrandstifter zu sein.“ Denn die Fahnder der Wachen besitzen in der Regel gute Ortskenntnisse. Sie kennen mögliche Fluchtwege. Sie kennen aber genauso die meisten potenziellen Täter, die sich in ihrem Revier herumtreiben. „Die täterorientierten Fahndungsgruppen und die Direktionsfahnder, die vor Jahren zugunsten einer Zentralisierung aufgelöst wurden, verfügten ebenfalls über die jetzt wieder gefragten Kenntnisse“, so Lenders. „Sie wären wichtige Bausteine bei der Bekämpfung der Autobrandstiftungen.“ Nicht nur der Polizeigewerkschafter würde die Uhr am liebsten zurückdrehen. Auch polizeiintern gibt es wieder Befürworter der alten Struktur. „Doch dafür fehlt heute einfach das Geld“, so ein Beamter.

Auf der Straße brennen die Autos weiter. Es ist, als wollten die Täter den neuen Innensenator gezielt ärgern. Nachdem am Wochenende acht Autos in Flammen aufgingen, zündelten Autobrandstifter in der Nacht zum Montag in der Neißestraße und der Warthestraße in Lurup. Vier Fahrzeuge, ein Audi, zwei Daimler und ein Opel, wurden zerstört, ein weiteres Auto beschädigt. Die Polizei kann lediglich vermelden, dass mehrere Personen kontrolliert wurden. Tatverdächtige gibt es, wie zu den Autobrandstiftungen vom Wochenende, nicht.